In den höchsten Höhen.
Alles wackelt, schwankt, bewegt sich.
Kein Schritt ist sicher. Ich wackle, schwanke und jede meiner
Bewegung gibt mir das Gefühl, beim nächsten Schritt kommt der
Abgrund näher. Ich mag das nicht. Es ist nicht die Höhe. Es ist das
Gefühl von Unsicherheit, das mich lähmt und zu einem unerträglichen
Jammerlappen zusammenschrumpfen lässt. „Come on!“, höre ich und
„Es ist nicht so schlimm wie es aussieht!“ Aber in mir ist nur
eine große Frage: WARUM? Warum spannen Menschen Drahtseile zwischen
die Wipfel der Bäume, um dann auf ihnen herum zu balancieren? Warum?
Warum bleiben wir nicht auf dem sicheren Boden? Warum überlassen wir
das Klettern nicht den Tieren, die sich in den Wipfeln sicher fühlen?
Meinetwegen können auch alle Adrenalienjunkies da rumturnen. Aber
ich muss das nicht haben. WAS BRINGT MIR DAS?
In dem Moment, den man bis zu 10 Meter
über dem Boden mehr oder weniger freiwillig auf einem Drahtseil
balanciert (natürlich fachmännisch abgesichert) und krampfhaft
versucht, die nächste Plattform zu erreichen, kann man vielleicht
nicht so schnell eine Antwort auf das große WARUM finden. Wie so
selten im Leben, wenn Adrenalin durch die Adern schießt und man sich
verzweifelt an irgendetwas festzuhalten versucht. Wenn die Angst groß
ist, findet man keine Antwort.
Außer man hält inne – vielleicht
sogar gezwungenermaßen – um die Kräfte und den Mut
zusammenzusammeln, sich selbst am Riemen zu reißen und wieder ins
Gleichgewicht zu kommen. Dann merkt man plötzlich: Je ruhiger man
selbst bleibt, desto weniger wackelt die ganze Konstruktion um einen
herum! Es kostet Kraft, keine Frage, in unsicherer und unangenehmer
Umgebung Ruhe zu finden, tief durchzuatmen, stark zu bleiben und dann
weiterzugehen. Aber es hilft ungemein. Nicht nur im Hochseilgarten.
Auch in den unsicheren, unangenehmen, wackeligen Zeiten im Leben:
Einfach mal inne halten, stehen bleiben, durchatmen, sich selbst
stabilisieren – und dann einen Schritt nach dem anderen weitergehen
– langsam und bedacht. Nicht aus der Panik heraus alles möglichst
schnell zu überstehen, sondern in dem Bewusstsein, dass man der
Herausforderung gewachsen ist. Das ist im Leben genauso schwer wie im
Hochseilgarten, denn anstrengende Zeiten will man einfach schnell
hinter sich bringen und manchmal möchte man gar nicht über die
Dramatik nachdenken, die eine bestimmte Situation inne hat. Und doch
glaube ich: Man kommt besser durchs Leben, wenn man immer wieder
versucht zur Ruhe zu kommen und bewusst zu leben.Und es hilft auch zu wissen: Du wirst gehalten. Du bist sicher, auch wenn alles so aussieht, als wäre es das nicht.
Vetrauen statt Sehen. Glauben statt Zweifeln. Gehen statt Zaudern. So funktioniert das Leben.
Auf baldigst.
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