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Posts mit dem Label "Geschichte" werden angezeigt.

Vetrauensfrage

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„Ich bin noch mal kurz draußen.“ Sie schließt die Tür zu meinem Zimmer so schnell, wie sie sie geöffnet hat. Ich reagiere nicht sofort. Wie oft ging sie am frühen Abend nochmal raus an die frische Luft, besonders seitdem die Sonne länger draußen war. Doch irgendwie hat ihre Stimme einen Nachklang, der mir keine Ruhe lässt. Ich ziehe mir mein Hemd über und gehe hinaus, durch den Garten, den Hügel hoch und finde sie dort, auf der alten Bank sitzend, die Knie an die Brust gezogen. Ich weiß, dass sie mich bemerkt hat, auch wenn sie keinerlei Reaktion zeigt. Deswegen bleibe ich unentschlossen neben ihr stehen. „Ist gar nicht so warm wie ich dachte“, sage ich und verschränke die Arme vor der Brust. Keine Reaktion. „Was ist los.“ Das ist eher eine Aufforderung, als eine Frage. Sie lässt ihren Kopf in den Nacken fallen, ihre Augen sind geschlossen. Ich mich setze doch neben sie. „Mein Kopf ist so voll. Ich wollte einfach ein bisschen Ruhe haben, weil ich nicht weiß, was ich denken soll und gl...

Das Weihnachtswunder

Ich bin in den letzten Tagen in Genuss dieses Textes einer Freundin (Janine H.) gekommen, den ich so schön fand, dass ich mir die Erlaubnis geholt habe, ihn hier zu posten. Eine kleine Weihnachtsgeschichte für die Feiertage aus einer fremden Feder sozusagen.. Viel Freude beim Lesen! Das Weihnachtswunder Der Dezember ist nun angebrochen und die ersten Gedanken an das Fest, das naht, werden gesponnen. Wir erinnern uns an letztes Jahr und an die schönen Lieder.  Meine Gedanken wandern schon zum „Winter Wonderland“, auf Schnee bedeckten Wegen lässt sich erkennen, wie sich die Rehe in der Ferne regen. Große Flocken, die vom Himmel fallen - untermalt mit leichtem Glockenklang. Auf dem nahen See zwischen weißen Zweigen sieht man ein Paar übers Eis gleiten und Hand in Hand Kreise fahren. Wir kommen in das Dorf, das glitzert und glänzt wie nie zuvor, mit Kerzen und Lichtern aller Art geschmückt. Die Atmosphäre unterstrichen von Glühweinduft und Lebkuchenzauber, links ein K...

Ein Ende.

„Aber hast du nicht immer gesagt, du wärst so zufrieden mit allem?“ Das Entsetzten, das ihr ins Gesicht geschrieben stand, schmerzte ihn mehr, als er gedacht hätte. Sichtbar erschüttert, klammerte sie sich an die Armlehnen des alten Stuhls, den er von seinem Großvater geerbt hatte. „Ich weiß, dass das alles jetzt sehr überraschend kommt..“ Seine Stimme hörte sich seltsam an. „Ja, das kannst du aber glauben, dass das alles sehr überraschend kommt!“ Ihr Echo half ihm nicht weiter. „Ich muss es jetzt tun. Ich muss einfach.“ In dem Entsetzten in ihren Augen stieg Missbilligung auf. „Und es ist dir nicht in den Sinn gekommen, all das vor sagen wir einem halben Jahr sagen zu können? Einfach mal ehrlich zu sein und zu sagen: Du, das Leben, dass ich lebe, gefällt mir nicht, ich glaube, ich brauche eine radikale Veränderung! ?“ Er sah sie an und wusste, sie würde ihm nicht glauben, aber er musste es sagen: „Vor einem halben Jahr habe ich das noch nicht gewusst.“ Sie lachte laut und unpasssen...

Mehr als Konsum.

Ich konsumiere gerne Geschichten. In Form von Büchern. Oder Filmen. Oder Serien. Oder auch einfach so erzählt. Ich liebe es, wenn Geschichten mich fesseln. Wenn schwarze Buchstaben auf weißem Papier lebendig werden und wie Stimmen in meinem Kopf reden. Wenn Filme irgendetwas an meiner Seele ankratzen und somit Spuren hinterlassen. Wenn man Charaktere begleitet und mitfiebert, wohin sie sich entwickeln. Und wenn reale Menschen mir reale Geschichten erzählen und ich versuche in meinem Kopf und Herz nachzuvollziehen, was sie mit mir teilen wollen. Wissend, dass es in meinem Kopf nicht so ist, wie es wirklich war, und trotzdem das Gefühl zu haben, dabei gewesen zu sein. Ich konsumiere gerne. Aber nicht nur des Konsum wegens. Sondern wegen der Berührung der Seele. Wegen des leisen Klopfens und manchmal auch Kratzens an meinem Innersten. Diese Anrührung, die mich bewegt. Und die nicht selten neues Hervorbrechen lässt. Dinge in Bewegung setzt, die in meinem Innersten ruhen. Gedanken....

Ich mach das jetzt.

„Ich mach das jetzt einfach.“, sagte sie laut, nachdem sie mindestens eine halbe Stunde vor ihrem überdimensionalen Bücherregal gestanden hatte, mit der Raumskizze in der Hand und der großen Unzufriedenheit im Bauch. Wer auch immer auf die Idee gekommen war (vermutlich war sie es selbst gewesen), das Regal würde an diesem Platz gut zur Geltung kommen und den Raum verschönern, hatte Unrecht gehabt. Es sah scheußlich aus und jedes Mal, wenn sie es sah, und das war täglich, ärgerte sie sich ein bisschen darüber. Und weil es so unpraktisch dort stand, räumte sie die benutzten Bücher auch nicht mehr ordentlich ein, sodass sich auf jedem Brett ein kleiner Stapel Bücher angesammelt hatte, der dazu beitrug, dass Regal noch unansehnlicher zu machen. Lange hatte sie mit sich selbst diskutiert, ob das ganze Arrangement nicht an der einzigen anderen Wand, an der es Platz hatte, besser aussehen würde. Jeden Besucher hatte sie danach befragt und die Meinungen waren in alle Himmelsrichtungen ausei...

Neujahrsspaziergang.

Sie liefen zwischen zwei Feldern entlang. Er hatte einen großen weißen Regenschirm mitgebracht, der sie vor dem penetranten Regenfäden schütze. Der Weg war matschig und sie mussten so manche Pfütze umrunden. Das neue Jahr hatte kein besseres Wetter gebracht, schon seit Mitte Dezember war es so warm geworden, dass mit weißer Weihnacht oder einem verschneiten Neujahr niemand mehr gerechnet hätte. Doch dieses ungemütliche Wetter verhinderte nicht, dass eine seltsam aufgeregte, zum zerreißen angespannte Stimmung zwischen den beiden Spaziergängern knisterte. Er hatte sie doch tatsächlich angerufen. Am Silvesterabend. Nicht, dass sie nicht damit gerechnet hätte, dass er ihr einen guten Rutsch oder nach Mitternacht ein frohes neues Jahr hätte wünschen wollen. Aber das er sich wirklich an sein Versprechen erinnern würde und dass er diese Aussage, die er gemacht hatte, überhaupt so ernst genommen hatte, damit hätte sie nicht gerechnet. Vor einem halben Jahr war er zu viele Kilometer zum S...

08 - Geschichte

Für keinen Buchstaben habe ich so viele Begriffe gefunden wie für "G": gefühlvoll, Geschmack, Geschenke, Gott, gemütlich, Geburtstag, Glühwein, Grippe... Und doch habe ich mich für "Geschichte" entschieden. Zum einen weil ich gestern spontan eine Geschichte geschrieben habe, zum anderen, weil Geschichten auch einfach zur Adventszeit dazugehört. Man liest sie sich gegenseitig vor oder versinkt in ihnen an dunklen Tagen. Ich wünsche viel Freude beim Lesen. Danke, Maike, fürs inspirieren. Schneeflockentanz. Sein Weg durch die dunkle und verschneite Nacht war mühsam. Die weiße Decke, die seinen Weg bedeckte, erschwerte jeden seiner Schritte, klammerte sich an seine Füße und Hosenbeine und der Wind bließ ihm beißend und eisig in die Kleidung, die ihn nicht zu wärmen vermochte. Den Blick auf den Boden gerichtet stapfte er Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Seine Finger in den Manteltaschen zu Fäusten geballt, um ein kleines bisschen der Wärme, nach der er sic...

Novembernacht.

Sie saßen nebeneinander auf den kalten Stufen vor dem Haus. Sie sahen sich nicht an, sondern starrten beide auf den aufgesprungenen Asphalt, der sich vor ihnen erstreckte. Es war so kahl und kalt geworden, dass noch nicht mal das Unkraut aus den Rissen hervorschaute. Sie saßen so nah beieinander, dass sich ihre Beine berührten und sie die Körperwärme des anderen in dieser kalten Novembernacht spüren konnten. Eine ganze Weile schon hatte niemand mehr ein Wort gesagt und jeder hing seinen Gedanken nach und keiner wusste, dass sie dasselbe dachten. Jeder dachte daran, wie es gewesen wäre, wenn sie sich damals für einen anderen Weg entschieden hätten. Ein anderes Wort, ein anderer Blick, ein anderer Ort. Alles hätte gemeinsam sein können. Sie hätten zusammen die Welt erobert und ihre Herzen. Sie hätten gelacht, geweint, verstanden, gestritten, gelebt. Zusammen. Jetzt waren Jahre vergangen, in denen jeder sein eigenes Leben versucht hatte zu leben. Mit anderen Menschen, an anderen Orten. M...

Herbstmelancholie.

Mit nackten Füßen auf nassem Gras. Der kalte Novemberwind bläst ihr die Haare aus dem Gesicht. Ihr Blick wandert über die Landschaft. Wiese. Kahle Bäume. Braune Büsche. Laub. Überall Laub. Als es noch an den Bäumen hing und in allen Herbstfarben leuchtete, war es schön anzusehen. Jetzt aber liegt es in einem einheitlichen Braun auf dem Boden, durchnässt und matschig. Es anzuschauen macht keine Freude mehr, sondern stimmt sie unerklärlich traurig. Eine Krähe schreit und der Himmel ist grau und undurchsichtig. Für einen Moment hat sie das Bedürfnis, sich fallen zu lassen, alles loslassen, am Boden liegen, sich der grauen Herbststimmung hingeben. Nichts tun. Nur da liegen und alles aus sich rausfallen lassen. Alle Fragen, alle Traurigkeit, alles Unverständnis. Das braune Laub würde sie auffangen, sie umfangen, verschlingen. Eingedeckt in das nasse Zeichen der Vergänglichkeit. Sie schwankt.    Und steht dann wieder fest. Atmet die Herbstluft ein, die ihrer Lunge erfrischen...

Weg in der Nacht.

„Vertrau mir, bitte, vertrau mir!“ Seine Stimme klang flehend, beinahe verzweifelt und sein Blick, immer suchend nach den Augen, die ihn nicht anblicken wollten. „Wir sind schon so weit gegangen. Das letzte Stück, dieses kleine letzte Stück, das schaffen wir jetzt auch noch.“ Stille. Die Worte gesprochen in die Dunkelheit und Schwärze der Nacht, die sie umgab. Und dann die Antwort. Eine Stimme, viel lauter als erwartet, viel durchdringender und schriller als es die Umgebung erlaubte. „Nein!“ Und immer wieder: „Nein!“ Er seufzte. So tief und aus ganzer Seele und er kannte keine Geste, kein Wort, keine Handlung die mehr hätte ausdrücken können, wie er sich fühlte, als dieses tiefe Seufzen. Er sammelte alle seine Kraft, um wieder das zu fragen, was er schon gefühlte tausendmal gefragt hatte. Die Frage, auf die er keine befriedigende Antwort bekam. Die Antwort, die jedes Mal das Gleiche sagte, und die er sogar verstehen, ja, wirklich verstehen und nachempfinden konnte. Und dennoch wollte...

Frühlingsregen. Teil 1.

Schon wieder eine Kurzgeschichte. Diesmal wieder mit einem zweiten Teil. Viel Spaß beim Lesen! Es ist Frühling. Das war das einzige, was er dachte, als der frische Wind durch sein Shirt wehte. Er stand an der Haltestelle und hatte seine Hände in den Taschen seiner Jeans vergraben. Es regnete und es war kein sanfter Regen, der gleichmäßig vom Himmel fiel. Die Regentropfen waren groß und kamen in unregelmäßigen Abständen. Sie sorgten dafür, dass sein Shirt an den Schultern schon relativ durchnässt war. Und es sie sorgten dafür, dass er sich noch elender fühlte, als er es eh schon tat. Ging das überhaupt noch?  Als er vor zwei Stunden aus dem Haus gegangen war, hatte die Sonne noch geschienen und er war zwar nicht himmelhochjauchzend fröhlich gewesen, aber immerhin zuversichtlicher als er es jetzt war. Und in dieser Zuversicht hatte er auch keine Jacke mitgenommen. Es war warm gewesen und es hatten nur ein paar Wolken am Himmel gehangen. So schnell würde sich das Wetter nicht ände...

Freunde bleiben.

Ich habe versucht "Fast Perfekt" weiter zu schreiben, leider nicht zu meiner Zufriedenheit. Deswegen heute eine neue Kurzgeschichte. Bei Interesse könnte ich sie auch fortführen. Also gebt mir ein Zeichen ;) „Man, wir haben uns ja auch lange nicht mehr gesehen!“, schrie er in mein Ohr und haute mir ein wenig zu fest mit der Hand auf den Rücken. Ich grinste nur, hob meine Bierflasche und prostete ihm zu. Er erwiderte es mit der seinigen und fing an im Rhythmus der unglaublich lauten Musik von einem Fuß auf den anderen zu wippen. Sein Blick schweifte durch den Raum und ich sah ihn an. Er hatte sich nicht sonderlich verändert. Seine Haare waren ein bisschen ordentlicher gekämmt und an den Wangen konnte man den Schatten eines Bartes erkennen. Nur seine Klamotten sahen anders aus. Völlig anders. Und ich schmunzelte, denn ich wusste, dass er damals so etwas niemals angezogen hätte und jeder, der sich so kleidete, Opfer seiner verbalen Ausbrüche geworden wäre. Die Zeiten ändern sic...

Fast perfekt. Teil 2.

Den ersten Teil der Fortsetzungsgeschichte kannst du hier lesen. „Wie lange fährt man?“, fragte er und schaute mich kurz an, um sich dann wieder seinen Turnschuhen zuzuwenden, die Furchen in den grauen Kies auf dem Weg zogen. „Mit dem Auto vier Stunden.“ Er lachte kurz und bitter und dieses Lachen tat mehr weh, als jeder Spruch es hätte tun können. „Und es gibt keine Chance, dass sie dich hier doch noch nehmen?“ - „Nicht in diesem Leben.“, antwortete ich, doch der Witz ging auf halber Strecke verloren und erreichte ihn nicht. „Und jetzt?“, fragte er seine Turnschuhe. Ich seufzte. Ich hatte gehofft, er würde mehr dazu sagen oder was anderes. „Keine Ahnung.“, sagte ich. „Nächste Woche Montag will Papa mit mir hinfahren und alles angucken und vielleicht auch schon ein paar Sachen mitnehmen. Die sind halt echt früh dran mit den Vorkursen. Aber die sind ja auch wichtig.“ Ich wusste, dass ich ihn mit Vernunft nicht trösten konnte. Wenn er überhaupt Trost brauchte, er sah einfach nur fassun...

Fast perfekt. Teil 1.

Ich habe seit sehr langer Zeit mal wieder eine Kurzgeschichte geschrieben, die hier in zwei Teilen erscheinen wird. Dies hier ist der erste Teil: „Scheiße.“, sagte er und ich nickte. Es gab kein Wort, dass diese Situation besser beschreiben könnte. Wir saßen auf einer Bank im Schatten im Stadtpark. Das war eigentlich ein unpassender Ort, denn wir hatten noch nie hier zusammen gesessen. Als wir vor zwei Jahren in einem Anfall von guten Vorsätzen versucht hatten, regelmäßig zusammen joggen zu gehen, waren wir hier jedes Mal vorbei gekommen. Und jedes Mal schlug einer von uns beiden dem anderen vor, hier eine kurze Pause zu machen und immer verneinte derjenige, der nicht gefragt hatte. Wir wollten keine Schwäche zeigen. Beide nicht. Umso seltsamer war es nun dort zu sitzen und zu kapitulieren. Der Sommer war ein guter dieses Jahr. Mehr Sonne als im vergangenem, aber keine drückende Hitze. Der Sommer war quasi perfekt für all das, was wir uns in den letzten drei Jahren vorgenommen ha...