Samstag, 19. August 2017

Vergiss doch die Liebesgeschichten aus Hollywood, Baby.

Vergiss doch die Liebesgeschichten aus Hollywood, Baby.
Und auch die, aus den dicken Romanen, die du im Urlaub liest.
Ein Autor hat keine Zeit.
Muss auf den Punkt kommen.
Erzählt nur Bruchstücke.
Den Anfang oder das Ende und manchmal einen Neuanfang.
Aber selten das Mittendrin.
Weil das Mittendrin meistens keine spannenden Wendungen hat.
Gott sei Dank.
Langfristige Liebe ist kein Highlighthopping.
Und ein „Für Immer“ muss nicht immer im Todeshauch gesprochen werden.
Liebe darf alltäglich sein und muss alltagstauglich sein.
Eine Liebesgeschichte, die andauert, ist mühselig zu erzählen.
Und doch – so denke ich mir – müssen wir viel mehr von ihnen erzählen.
Von den Liebenden, die dranbleiben. Die Liebende bleiben.
Die gemeinsam durch die Höhen und Tiefen gehen,
den anderen höher als sich selbst sehen.
Der ursprüngliche Autor der Liebe,
der hat Zeit bis in die Ewigkeit.
Für Liebe. Die länger als eine Lebensphase bleibt.


Donnerstag, 20. April 2017

Begegnungen mit dem Leben.

Wenn ich Menschen begegnen, versuche ich mir oftmals die Lebensgeschichte dieser Menschen vorzustellen. Was ein bisschen wahnwitzig ist, denn man kann eigentlich bei keiner Person erahnen, was sich hinter der Fassade befindet und schon gar nicht, was den Menschen zu dem gemacht hat, was er heute ist.

Und doch machen die meisten Menschen eine ähnliche Geschichte durch. Gehen zur Schule. Erlernen einen Beruf. Schließen Freundschaften. Verlieren sich aus den Augen. Verlieben sich. Leben in Beziehungen. Trennen sich. Ziehen um. Bekommen Kinder. Bauen sich ein Leben auf. Jeder auf seine Weise. Jeder individuell. Und doch irgendwie ähnlich.

Und trotzdem, obwohl wir alle Menschen sind und alle ähnliches durchmachen, kommt man sich den anderen fremd vor. Es fällt mir als junger Mensch so schwer mir vorzustellen, dass meine Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, sonstige Menschen mit einer gewissen Lebenserfahrung, an den gleichen oder ähnlichen Punkten gestanden haben, wie ich heute. Wegen dem Mangel an Vorstellungskraft, glaubt man manches besser zu wissen. „Das kannst du dir nicht vorstellen.“ Und selbst wenn einem gesagt wird, dass die andere Person genau das gleiche durchgemacht hat – es ist doch immer noch ein bisschen was anderes – oder? Ein bisschen schon, weil wir alle unterschiedliche Menschen sind. Und trotzdem:

Das Leben schreibt Geschichte. Immer wieder ähnliche. Und doch können wir lernen aus dem Vergangenen. SOLLTEN wir lernen. Auch wenn wir das Leben alle am eigenen Leib erfahren müssen bzw. dürfen, muss man doch nicht in die gleichen Fallen tappen. Kann Dinge und Herangehensweisen optimieren. Das Rad nicht neuerfinden sondern weiterfahren. Schätzenlernen und doch seinen eigenen Weg finden.

Wenn ich Menschen begegne, versuche ich das Leben, das hinter ihnen liegt, wahrzunehmen und in eine gewisse Art und Weise zu ehren. Auch wenn ich nicht viel davon sehe und bestimmt nicht alles verstehe, sondern vor allem der Person, die vor mir steht, die aus all den Prozessen und Erlebnissen geformt wurde, begegnen darf.

Die Kunst ist es, zu verstehen, dass schon Milliarden Menschen vor einem das Leben gemeistert haben, und es auch noch sehr viele nach einem tun werden, und dass das eigene Leben dennoch wertvoll und lebenswert ist.


Auf baldigst.

Mittwoch, 29. März 2017

Ein bisschen Glitzer Glitzer.

Manchmal – leider nicht immer – aber hoffentlich immer öfter -  glitzert es. Das Leben. Wenn an einer Stelle Alltag, Trott und Minderwertigkeitskomplexe abgekratzt werden und man plötzlich eine Vorstellung hat von dem Leben, wie es sein könnte. Wie man es sich in seinen kühnsten (positiven) Träumen erdenkt. Es sind blendende Millisekunden, in denen einem plötzlich ganz klar vor Augen steht, wie alles sein kann, sein könnte, sein sollte, sein soll. Was der Sinn ist. Wie schön das Leben ist. Was alles möglich ist.

Und mit dem nächsten Blinzeln ist es vielleicht schon wieder weg. Sind es also nur Wahnvorstellungen? Oder Wunschträume?

Oder ist es die Wahrheit, verborgen unter einer dicken Krust an Sorgen, Fragen, Zweifeln, Lügen, die uns daran hindern wollen, das zu werden und das zu leben, wofür wir bestimmt sind? Und unser Leben eigentlich glitzert und strahlt und all das Graue, das was unser Leben unschön macht, all die negativen Gedanken und all das, eigentlich gar nicht vorgesehen ist?


Lass mich scheinen. Oder glitzern. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Freitag, 17. März 2017

Unbeschwert.

Ich ertappte mich heute dabei, wie ich mein Kind anschaute und zu ihm sagte: Du bist so unbeschwert! 
Das hat mich selbst hart getroffen. Natürlich ist das Kind unbeschwert. Wenn es schon denken kann, macht es sich garantiert keine Sorgen, schon gar keine über Dinge, die entweder nicht zu ändern sind oder über deren Verlauf noch alles im Möglichen liegt. Aber ich, ich bin nicht unbeschwert. Ich beschwere mich selbst mit großen und kleinen Sorgen, die mich manchmal so schwer nach unten ziehen, dass es mir äußerst schwerfällt, den Kopf nicht hängen zu lassen.

Selbstverständlich muss man als erwachsener Mensch Verantwortung übernehmen und hat auch so manche Pflichten, die nicht so angenehm und locker flockig sind. Aber muss man deshalb „beschwert“ sein oder sich beschweren lassen? Wäre das Leben und vor allem der Alltag nicht leichter, wenn man unbeschwert, sorgenfrei an alle Situationen herangehen kann?

Die Bibel sagt, dass man sich um NICHTS Sorgen machen soll. Das ist immer wieder so herausfordernd. Wenn es einem gut geht, kann man das leicht unterschreiben. Wenn sich ein Berg von Sorgen anhäuft und man dann daran denkt, dass man sich nicht sorgen soll fühl ich mich immer so, wie wenn ich ein riesiges mittelmäßiges Lunchpaket vom Vortag zu einem leckeren Restaurantbesuch mitbringe. Natürlich habe ich kein Bock auf mein Lunchpaket, wenn ich zum Essen eingeladen bin. Aber bietet nicht der Anstand, dass ich trotzdem an meinen trockenen Broten knabbere? Schließlich habe ich sie ja gemacht und muss das doch jetzt auch ausbaden…

Vielleicht hinkt das Bild. Aber ich merke, dass ich nicht verstehe, dass man Sorgen, die man sich macht, nicht „abarbeiten“ muss oder erst wegwerfen darf, wenn sich die Sache eh (hoffentlich zum Guten) gewendet hat und alle Sorge umsonst war.  Nein, Sorgen haben beim ersten Erscheinen schon keine Existenzberechtigung.  Denn Sorgen bringen einen einfach keinen Millimeter weiter, sie lösen das Problem nicht, sondern beschweren nur. Die Herausforderungen, denen man sich gegenüber sieht, am Schopf packen und auch wenn es nicht angenehm ist oder Überwindung kostet, aktiv angehen und sich nicht von der Sorge in die Enge treiben lassen. Denn das lähmt ungemein, der wabernde Nebel voller Ungewissheit und Tatenlosigkeit. Sprich: Einfach in der Ecke sitzen und darüber heulen, wie schwer die Sorgen sind. (Ja, das mache ich manchmal). 

Ich will lernen, dass Sorgen keinen Platz in meinem Leben haben. Ebenso wenig wie Angst. Das ist kein leichter Lernprozess und jeder Rückschlag fühlt sich meistens dreimal so schwer an. Aber es bleibt nichts, als weiter machen. Denn wer will schon sein Leben in einer Falle von Sorgen und Ängsten gefangen verbringen? Ich jedenfalls nicht.


Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn. / Philipperbrief 4,6

Montag, 20. Februar 2017

Angst und Mut und Freiheit.

Im Leben brauchen wir Mut. Mut um neue Wege einzuschlagen. Mut um zu sagen, was wir wirklich denken und fühlen. Mut um Dinge auszuprobieren, die wir uns nicht zutrauen. Mut um zu lieben.
Oft fehlt mir dieser Mut. Denn an seiner Stelle steht Angst. Angst zu versagen, zu verlieren, zu verletzen oder verletzt zu werden.

In den letzten Monaten habe ich mir immer wieder gesagt: "Angst ist ein schlechter Berater." Und das stimmt wohl. Leider ist sie aber auch ein penetranter Zeitgenosse. Immer da, immer mit "gut gemeinten" Ratschlägen am Start. Und wenn man sie rausschmeißt, kränkt sie das so wenig, dass sie in wenigen Momenten sich wieder Zugang verschafft hat. Und manchmal braucht es auch seine Zeit um zu erkennen, dass es wieder die Angst war, auf dessen Meinung man gehört hat. Weil sie da einfach schon wieder rum sitzt und ihren Senf dazu gibt.

Ja, es gibt Situationen in denen man Angst hat. Das ist ganz normal und menschlich.

Aber lasst uns doch mal überlegen wo wir hinkämen, wenn wir mit Mut anstatt aus Angst entscheiden und handeln würden. Was wäre das für ein Leben, wenn wir mutig voran gehen, anstatt uns ängstlich hinter Ausreden zu verstecken. Was haben wir denn zu verlieren? Meistens doch nur unseren Stolz. Und manchmal das Ansehen in anderer Leuten Augen. Wir wollen geliebt sein und handeln deshalb aus der Angst, weniger geliebt zu sein, wenn wir dieses oder jenes tun oder lassen. Aber was, wenn das Fundament unseres Seins hundertprozentiges Geliebtsein wäre? Wenn wir nicht abhägig von dem Ansehen wären? Wenn wir frei von der Anerkennungssucht und der Suche nach Anerkennung wären?

Freiheit und Mut liegen so nah beieinander. Während Angst uns nur fesselt und gefangen hält. Ich wünsche mir mehr Freiheit und mehr Mut für mein Leben. Und will der Angst immer mutiger den Mund verbieten.

"Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst."
 (aus dem Film Plötzlich Prinzessin)

Auf baldigst.

Dienstag, 7. Februar 2017

Rückblick und Neustart

Ein Jahr hat in der Regel 365 Tage. Im Jahr 2016 sind nur an drei von diesen 365 Tage hier ein Blogeintrag erschienen. Absoluter Tiefstand in der Gedankenfluggeschichte. War es ein langweiliges Jahr? Keinesfalls. Habe ich keine erwähnenswerte Erkenntnisse gewonnen? Im Gegenteil. Habe ich die Lust am Schreiben verloren? Auch das nicht.

Manchmal ist das Leben so voll mit Ereignissen und Erkenntnissen, Entscheidungen und Veränderungen, dass man mehr mit leben beschäftigt ist, als damit, das Leben nur zu beobachten und festzuhalten. Auch wenn eigentlich genau solche Zeiten besonders (be)merkenswert sind. Man kann nur hoffen, dass diese Zeiten so einprägsam waren, dass man sie eh nicht so schnell vergisst und vielleicht die ein oder andere Erkenntnis im Nachhinein festhalten.

2016 war für mich das veränderungsreichste Jahr meines bisherigen Lebens. Ich durfte wachsen, in so ziemlich allen Bereichen – seelisch, geistlich und auch körperlich. Ich wurde herausgefordert, weit über meine persönliche Komfortzone hinauszugehen und habe sehr viel mehr davon gemeistert, als ich mir selbst vorher zugetraut habe. Das war in keinem Fall einfach. Und ich glaube, eine Herausforderung wäre keine, wenn sie einen nicht irgendetwas kosten würde – Zeit, Kraft, Geld, Geduld, Stolz, Vertrauen, Überwindung, Glaube.. Die „Währung“ ist eigentlich egal. Und oft weiß man erst in nachhinein, welchen „Preis“ man zahlen musste. In der Situation selbst in der man sich der Herausforderung gegenüber sieht denkt man vielleicht nur „Augen zu und durch“ (das habe ich 2016 sehr oft gedacht). Im Nachhinein darf und kann man erkennen, was man dafür geben musste, beispielsweise Überwindung, und auch was man dafür bekommen hat, z.B. Selbstvertrauen.

Ich habe 2016 unglaublich viel gelernt. Über das Leben, über mich selbst. Über Freundschaft und unterschiedliche Kulturen. Über Veränderung, innerlich und äußerlich, ganz praktisch und metaphorisch. Über Abschied und Neuanfang.

Und da 2017 schon angefangen hat, kann ich sagen: Ich ahne, dass dieses Jahr auch sehr reich wird an neuen Erkenntnissen und Erlebnissen. Und das ist gut so. Ich hoffe, so manches davon hier festhalten zu können und freue mich über jeden, der mitliest.

Also: Auf baldigst.

Samstag, 15. Oktober 2016

Der Held des Tages.

Der kleine Affe geht nach dem Schaf als letzter ins Bett, weil der Wal so lange geredet und allen ausführlich seine große Liebe, das Warzenschwein, vorgestellt hat. Auch wenn der Esel sonst immer als letzter das Bett aufsucht, war der Affe heute der Held. Denn schlafen ist uncool und Wachsein ist der neuste Trend. Aber auch nur, wenn keine Partys anstehen. Der Esel war sehr früh eingenickt, weil er die Geschichte vom Wal und vom Warzenschwein schon kannte. Der Flamingo hatte sich erbarmt, obwohl er die Geschichte noch nicht kannte, und hatte den Esel ins Bett getragen. Der hatte laut geschnarcht und das Warzenschwein hat leider nur eine sehr piepsige Stimme. Flamingo und Esel waren also die Verlierer des Abends. Und beinahe hätte auch das Schaf den Titel als Tagesheld gewonnen, wenn ihm nicht kurz vor Schluss ein Blumentopf auf den Kopf gefallen wäre. Als das Schaf ohne weitergaben weitergaben auf dem lila gestreiften Teppichboden lag, stand der Sieger fest. Der kleine Affe tanzte Samba um das reglose Schaf, das sich nur langsam wieder seiner selbst bewusst wurde. Wal und Warzenschwein mit piepsiger Stimme waren auch inzwischen in das austauschen zwischentierlicher Zärtlichkeiten übergegangen, sodass der Affe ungestört weitertanzen konnte. Das Schaf rappelte sich auf und ging benommen zu Bett, weil es vor lauter Tonscherben vergessen hatte, das Schlafen out war. Als der Affe das Schnarchen des Schafes vernahm, konnte auch er sich endlich zur Ruhe begeben. Und deshalb ist er der Held.
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