Dienstag, 26. August 2008

Gedankenschleifen

Es gibt Tage, die ziehen so an mir vorbei, dass ich am Abend wirklich Schwierigkeiten hab zu rekapitulieren, was an diesem Tag gewesen ist. Meistens lohnt sich ein Rekapitulation eh nicht, weil nicht viel an solchen Tagen passiert.Obwohl ich eigentlich eine Menge zu tun hätte, tue ich nichts anderes, als Fehrnsehn zu schauen und irgendwelche langweilen Artikel im Internet zu lesen, deren Inhalt mit dem Sack Reis in China sehr nahe zusammenhängt und ich checke tausendmal meine Emails, in der Hoffnung, dass doch noch irgendjemand etwas geschrieben hat und ich nicht nur Spam entfernen muss.
Alles äußerst unsinnvoll. An solchen Tagen passiert es mir auch extrem häufig, dass ich mir Bilder und Homepages anschaue und oftmals die entsprechende Musik höre, die mich in eine sehr negative Gedankenschleife verführen. Seien es Bilder von beängstigenden Ereignissen oder Erinnerungen an Menschen, die nicht mehr in meinem Leben sind.

Eine Zeit lang war ich davon überzeugt, dass solch negative Gedankenschleifen zum Leben gehören, täglich vorkommen können und dürfen und auch, dass sie eine gewisse Aufmerksamkeit bedürfen. Ich hab mich ihnen sehr hingegeben und sie gehegt und gepflegt und war schockiert, als ich nach einiger Zeit feststellte, dass kein Tag verging, an dem ich nicht weinen musste. Sei es aus Traurigkeit oder Wut.
Heute wundert mich das nicht mehr so sehr. Für ein Mensch der generell viel nachdenkt, so wie ich, ist es sehr einfach, auf einen falschen „Trip“ zu kommen.
Oftmals führt mich das monotone Nichtstun dazu, dass ich in negative Gedankenschleifen komme. Wenn ich einfach nicht mehr darüber nachdenke, worüber ich eigentlich nachdenke, wenn ich nicht mehr darauf achte, welche Gefühle in mir wachsen, wenn ich nicht mehr darauf achte, wieviel Gift sich grad in mein Herz pumpt. Wie außer Gefecht gesetzt zieh ich alles in mich auf, was mir in die Quere kommt. Und das kann extrem gefährlich sein.


Auf der einen Seite hält es mich schlicht und ergreifend von meinen Pflichten ab, da ich lieber wie im Rausch mich all den Gedanken und Gefühlen hingebe, die da so kommen als meine Hausaufgaben zu machen, Ordnung zu schaffen oder auch einfach mal wieder einen Brief an eine Person zu schreiben. Diese Gedanken müssen gar nicht zwingend NEGATIV sein. Es können auch einfach Sorgen sein oder einfach banale Zeitfüller die mir im Endeffekt nichts bringen.
Auf der anderen Seite beeinflussen diese negativen Gedankenschleifen auch mein Verhältnis zu mir, zu meinen Mitmenschen und auch zu Gott. Ich bin nach einem solchen Tag total unzufrieden mit mir selbst, eben weil ich nichts auf die Reihe bekommen habe, ich ärger mich über Verhaltensweisen von meinen Mitmenschen manchmal bis ins maßlose. Und Gott ignoriere ich einfach.


Ich glaube, ich lerne gerade, solche Gedankenschleifen frühzeitiger zu erkennen und mich gegen sie zu wehren. Wenn ich dann da so im Rausch vor meinem PC sitze oder auch einfach so irgendwo anders in meinem Zimmer und sich dann die Gedanken einschleichen, dann denk ich sie immer erstmal einen Moment mit und dann sag ich mir: „Hey, EIGENTLICH macht es dir grad gar nichts aus, das jene Dinge so und so laufen.“ oder „Es ist zwar schade, dass XY sich nicht meldet, aber das muss ja nicht gleich böswillig sein.“ oder „Ich muss jetzt nicht über KA nachdenken, das bringt mich eh nicht weiter.“ Und erstaunlicher Weise bringt das was! Ich kann mich dadurch zwar nicht automatisch motivieren meinen Pflichten nachzugehen (schön wärs!), aber dazu bring ich dann doch öfters dann mal mehr Selbstdisziplin auf. Und meine ganze nicht-negative Denkweise führt wiederrum dazu, dass ich mich freue, was an einem Tag erreicht zu haben, ich erfreue andere Menschen, in dem ich geduldiger mit ihnen und mir selbst bin und ich denke mehr über Gott nach.
Und nach so einem Tag rekapituliert man viel lieber das Erreichte.


Ich wünsche mir, dass ich mich viel viel seltener von negativen Gedankenschleifen gefangen nehmen lasse, und allen anderen, die auch so ihre Probleme damit haben, wünsch ich das auch!
oder auch eine meiner Lieblingsformulierungen:


Ich wünsche dir viel Sonne in deinem Herzen.

Mittwoch, 6. August 2008

Die Jugend

Es gibt eine Zeit im Leben die sich wohl direkt zwischen
der kindlicher Naivität und dem erwachsenen Realismus abspielt.
Die Jugend. Durchwachsen von optimistischen Hoffnungsträgern und
pessimistischer Niedergeschlagenheit.

Als ich soeben nach einer angemessenen Hintergrundsmusik für mein
alltägliches Gewusel suchte, begegnete mir eine CD die ich schon
längere Zeit nicht mehr gehört hatte. Ich legte sie spontan auf
und erfreute mich der Musik und noch mehr den fröhlichen Gefühlen
die ich mit ihr verbinde.

Und ich dachte mir: So wird es einem wohl oft ergehen. Man hört oder
sieht etwas und erinnert sich an Kindheitsträume. Oder eben an diese
sagenumwogene Zeit der Jugend.
Und dann sah ich aus dem Fenster hinunter auf die Straße meines fast
dörflichen Stadtteils und sah einen Mann, gekleidet mit schwarzer Hose
und weißem Hemd. Die schwarzen Haare waren schon etwas licht am Hinterkopf,
was mir aus meiner Sichtweise natürlich auffiel, und er trug eine Brille
auf der Nase und einen schwarzen Aktenkoffer in der Hand.
Und ich dachte mir: Denkt auch wohl auch manchmal an seine Jugend zurück?
Und wie war diese? Erinnert er sich gern?
Oder sind da eher diese wehmütige Gedanken im vielleicht leicht alkoholisiertem Zustand,
die ihm zeigen, dass sein Leben damals irgendwie fröhlicher und nicht
so versteift und alltagszerfressen war?

Ich weiß, ich kenne diese Person nicht und vielleicht ist auch alles ganz anders.
Und ich weiß auch, dass man in der Jugend viele Dinge anstellt, die nicht
allzu sinnvoll oder objektiv verlaufen.

Aber dennoch: Macht nicht diese "Übergangszeit" einen gewissen Teil unserer
charakterlichen Entwicklung aus? Einen Teil, den man ganz gern beiseite schiebt,
weil man sich ja im erwachsenen Realismus befindet und nicht in diesem
chaotischen Gefühlschaos und den unerfahrenen Lebensvorstellungen?

Vielleicht werd ich mich in 20 Jahren auch wehmütig an diese Zeit erinnern.
Aber vielleicht bleibt ein bisschen von dem, was ich in dieser Zeit gelernt hab
immer da. Und damit meine ich nicht nur schlechte Erfahrungen.
Sondern auch die Fähigkeit seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und
das Leben zu genießen.

Mir wäre das wichtig.

Und deshalb wünsch ich mir, dass ich das, was ich in den vergangen 6 Wochen
gelernt hab: nämlich das mein Leben wohl immer etwas freakig bleiben wird, weil
ich nunmal so bin, dass ich das nicht vergesse.


Danke für die Aufmerksamkeit.
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