Sonntag, 29. Januar 2012

Erkenntnis.

Der Spruch ist schon so alt, man hat ihn schon so oft gehört oder gelesen, dass er (zumindest für mich) viel von dem Reiz und der Erkenntnis verloren hat, den er beim ersten Lesen noch hatte:

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume.

Ein Spruch für Postkarten, für die Kategorie „Lebensmotto“ oder ähnliches. Wie viel hat er mit dem Leben zu tun? Ist nicht allein der Spruch schon Traum genug? Viel zu weit von der Realität entfernt? Oder ist man nur frustriert davon, dass man diesen Satz zwar gut findet, aber ihn einfach nicht umsetzt und er deswegen seinen Reiz verliert?

Es ist halt immer dasselbe Spiel. Man kommt zu einer grandiosen Erkenntnis von der man glaubt, dass sie das Leben total verändern und besser machen könnte. Das einzige, was zu tun bleibt, ist die Erkenntnis zu beherzigen, jeden Tag an sie zu denken und nicht nur zu denken, sondern auch so zu leben, wie es die Erkenntnis „vorschreibt“.
Und genau daran hängts dann auch. An der Umsetzung. Weil man sie vergisst. Weil man keine Zeit hat. Oder keine Lust. Weil es zu viel Aufwand wäre. Weil das Leben halt ist wie es ist..

Oder? Und dann sitzt man irgendwann da und sagt: „Oh, dieses oder jenes würde ich so gerne mal machen/ist mein Lebenstraum/wünsche ich mir so sehr/ist mein großes Ziel!“ Und dein Gegenüber sagt ganz trocken zu dir: „Dann mach es doch einfach.“

Weil es eigentlich so einfach ist. Man einfach nur anfangen muss. Man keine Angst davor haben darf zu scheitern. Weil man lernt, wenn man fällt. Weil man lernt, wenn man voran geht. Aber wenn man nur da sitzt und träumt.. was kann dann schon großartig passieren?

Erkenntnisse können uns weiterbringen. Aber sie sind keine kleinen Männchen, die die ganze Zeit um uns herum hüpfen, an uns zerren, uns antreiben und uns so nerven, dass wir uns endlich mit ihnen dorthin bewegen, wo sie uns hinbringen können. Nein. Sie stehen einfach nur vor uns und schauen uns mit riesigen Augen an und flüstern höchstens „Komm, ich kenne einen guten Weg!“ wenn sie denn überhaupt ihren Mund aufbekommen. Ansonsten bleiben sie da stehen, schauen dich an. Und wenn du nicht die Initiative ergreifst und sagst: „Zeig mir wo ich hingehen muss.“ dann werden sie dort stehen bleiben und du wirst sie übersehen, gehst vielleicht ohne sie weiter und vergisst sie. Das ist schade und bringt dich nicht weiter. (Mal ganz davon abgesehen, dass ihnen dann natürlich große Kullertränen aus ihren riesigen Äuglein purzeln.. )

Was ich sagen will: Erkenntnisse sind gut, wenn wir etwas mit ihnen anstellen, sie in unser Herz schreiben, jeden Tag neu versuchen ihr zu entsprechen. Sonst bringt die größte Weisheit nichts.

Danke fürs Lesen.

Montag, 23. Januar 2012

Wertlos.

Worte sind Schall und Rauch. Nein, natürlich nicht. So was darf ich als Schreiberin nicht sagen. Wenn doch Worte meine Sprache sind. Meistens. Aber was sind Worte wert? Wenn man Glück hat und ein bisschen Talent sind sie bares Geld wert. Aber wenn eine Person ein Wort oder einen ganzen Satz ausspricht.. Wie viel ist dieser Satz dann wert oder ab wann kann er überhaupt etwas wertvolles werden?

Ich habe es heute beobachtet und mir viele Gedanken darum gemacht, dass viele Menschen viele Worte machen, aber diese Worte einfach wertlos sind. Sie sind bedeutungslos. Sie sind dahin gesprochen. Und werden wirklich zu Schall und Rauch.

Warum?

Weil man nicht sehen kann, dass die ausgesprochenen Worte etwas mit dem zu tun haben, was die Person in ihrem persönlichen Leben lebt und wie sie handelt.
Was bringt es, wenn ich zu jemanden sage: „Ich bin immer für dich da.“ und man dann wegen eines zu vollen Terminkalenders keine Zeit findet? Oder man sagt „Ich habe immer ein offenes Ohr für dich“ und man nicht hinter die Maske des „Mir geht’s gut“ sehen kann? Was habe ich davon, wenn mir jemand seine Zuneigung zuspricht, mich aber bei jeder Gelegenheit links liegen lässt? Was bringt es, wenn ich sage, dass ich jemanden einen Fehler verzeihe, aber seine Gegenwart nicht mehr ertragen kann?

Wie schnell sind Worte ausgesprochen. Mal ganz abgesehen von den verletzenden. Und wie wenig sind wir in der Lage oder bereit dazu, zu dem zu stehen, was wir sagen und Taten folgen zu lassen?

Das macht mich sehr nachdenklich.

Danke fürs Lesen.

Montag, 16. Januar 2012

Motoröl.

In der letzten Woche bin ich mal wieder über ein Phänomen gestolpert, dass vermutlich jeder kennt und für das vielleicht sogar jede eine Erklärung hat. Und trotzdem hat es mich so sehr schockiert oder mindestens sehr nachdenklich gemacht.
Innerhalb von vier Stunden haben mich zwei Personen an einem Tag daran erinnert, dass sie mir im letzten Jahr etwas sehr liebes, aufmunterndes und zukunftsweisendes gesagt haben. Und ich hatte beide Situationen vollkommen vergessen. Es kostete mich unglaublich viel Kraft um mich an die Situationen zu erinnern und ich bekam nur noch verschwommene Bilder in meinem Gedächtnis zustande und der Wortlaut war nur noch in meinem Ohr, weil die zwei Personen ihn wiederholt hatten. Ich war ernsthaft schockiert. Ich leide eigentlich nicht einem besonders löchrigen Gedächtnis – eigentlich trifft eher das Gegenteil zu. Aber diese beiden Begegnungen waren mir wirklich entfallen. Und ich fragte mich, wie konnte das passieren? Warum vergesse ich etwas, was mir gut getan hatte? Warum vergaß ich, dass Menschen einen großen Schritt auf mich zugekommen waren?

Und vor allem: Warum kann ich nicht so schnell und komplett vergessen, wenn mich jemand verletzt hat? Wenn es zu einer unangenehmen Situation kommt? Wenn man sich wünscht, etwas schnell vergessen zu können?

Wenn jemand etwas Nettes zu einer anderen Person sagt, sagt man: Das geht runter wie Öl. Es ist so „geschmeidig“, dass nichts hängen bleibt. Manchmal auch keine Erinnerung. Man bekommt es, man schluckt es und weg ist es. Deswegen kann man wahrscheinlich auch nie genug davon bekommen, liebe Dinge gesagt zu bekommen.

Und das andere, das was ins Gedächtnis einbrennt, das was einem das Schlucken erschwert, das ist dann eher Motoröl. Nein, ich hab keine Ahnung, wie Motoröl schmeckt und wie gut es sich runterschlucken lässt und ich will es auch nicht ausprobieren. Aber soweit ich weiß, ist es dickflüssig, klebrig und dunkel. Es lässt sich nur schwer entfernen. Es ist hartnäckig.
Wenn wir verletzt werden, wenn Dinge passieren, die uns unangenehm sind oder die uns fertig machen, dann bleiben sie hartnäckig hängen und lassen sich nicht so schnell vertreiben.

Deswegen ist eine Sache wichtig: Den Guten Dingen mehr Raum geben. Besonders wenn man sie so schnell verdaut sollte man immer wieder für Nachschub sorgen und weil man für sich selbst schlecht Nachschub besorgen kann, sollte man es für andere tun und darauf vertrauen, dass sie dann darauf achten, dass man selbst nicht zu kurz kommt.
Wenn man aber immer nur da sitzt und über das Motoröl jammert, dass einem im Hals steckt ist es auch kein großes Wunder, wenn man die guten Dinge schnell vergisst.

Es ist wirklich keine unglaubliche Erkenntnis. Aber wie viel mehr sollten wir darauf achten, das Gute in unserem Herzen zu bewahren anstatt uns von den schlechten Dingen beeindrucken zu lassen?

Danke fürs Lesen.

Samstag, 7. Januar 2012

Große Kleinigkeiten.

Ein neues Jahr hat begonnen. Für viele Menschen ist das immer ein großes Ereignis. Man bekommt das Gefühl, etwas Neues würde anbrechen, ein neues Zeitalter und für viele Menschen vor allem eines: Eine neue Chance. Deswegen nehmen sich die Menschen auch immer so viele gutgemeinte Vorsätze – sie glauben, dass sie nur einmal im Jahr (und zwar nur dann, wenn die Zählung von vorne anfängt) die Möglichkeit haben, von vorn anzufangen und Dinge in ihrem Leben zu verändern. Manche Menschen nehmen sich vor, dass das neue Jahr größer, besser, erfolgreicher und bombastischer werden soll, mit mehr Freunden, mehr Party, mehr Glück und mehr Liebe. Das neue Jahr soll das alte auf jeden Fall übertrumpfen.

Grundsätzlich kann man gegen all das nicht viel einwenden. Wer wünscht sich nicht ein gutes Jahr? Und bei vielen Menschen kann ich es verstehen, wenn sie ein besseres Jahr haben wollen, als es das vergangene war. Und ich kann auch verstehen, wenn man viele große Dinge in seinem Leben erreichen oder auch verändern will. Man sollte nur eines bedenken:

Es gibt viele Leute, die die großen Dinge tun können. Aber es gibt sehr wenig Leute, die die kleinen Dinge tun wollen.
Mutter Teresa

Viele große Dinge, die wir uns in unserem Leben und für dieses Jahr vornehmen, kommen meistens von selbst. Natürlich muss man sich für sie auch ins Zeug legen, aber sie stehen so sehr an der Jahresordnung (vgl. Tagesordnung), dass man kaum um sie rum kommt. Wenn ich mir jetzt z.B. vor nehme, dass ich dieses Jahr meinen Bachelorabschluss mache, ist das zwar gut, aber eigentlich habe ich eh keine andere Wahl bzw. ist es einfach der nächste Schritt in meinem Studium. Aber wenn ich mir nun z.B vornehme, geduldiger mit meinen Mitmenschen zu sein, dann ist das was Kleines, was ich sehr schnell übersehen und vergessen kann und es kommt nicht so automatisch. Manchmal machen viele kleine Dinge das große Ganze aus. Und wenn man im Kleinen anfängt konsequent zu sein, dann wird man auch mit großen Vorsätzen fertig werden. Aber wenn man die kleinen Dinge schon für unwichtig oder unwürdig hält, wieso sollte man dann mit größeren zurecht kommen?
Deswegen überleg doch mal: Neben all den großen Dingen, die du dir vielleicht für das Jahr 2012 vorgenommen hast – an welchen kleinen und scheinbar nichtigen Dingen könntest du arbeiten? Und das Gute ist, dass du noch nicht mal bis zum nächsten Silvester warten musst. Jeder neue Tag gibt dir die Chance neu anzufangen.

Danke fürs Lesen.
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