Dienstag, 14. Juni 2016

Du bist nicht was du besitzt.


Bücher in Regalen, kleine Figuren auf dem Fenstersims, Bilder an der Wand und die Inneneinrichtung erzählen etwas von uns. Was wir mögen, was uns interessiert, was uns wichtig ist, was unsere Zeit füllt. Und dann gibt es noch das, was hinter verschlossenen Türen, in den untersten Schubladen und den dunklen Ecken liegt. Auch das erzählt von uns. Vielleicht achtlos verlegt, vielleicht bewusst versteckt. Aus den Augen, aus dem Sinn, aber immer noch irgendwo, um im Notfall darauf zurück zu greifen. Nur – für welchen Notfall? Ich rede nicht von dem Nähset, welches man alle Jubeljahre zum Knopfannähen braucht oder die saisonale Dekokiste. Nein, ich rede von kleinen Schachteln, gefüllt mit Eintrittskarten, Erinnerungsstücken aller Art, Zetteln mit lebenswichtigen Notizen. Wenn sie einem in die Hände fallen, leuchten Erinnerungen auf in allen Farben und Formen. Glücklich bunt und zerstörerisch trist. Ich hebe also eine Notiz auf, für den Fall, dass ich mal das Bedürfnis nach einer trübsinnigen Erinnerung habe. Oder eben, um nicht zu vergessen, was X Y mir mal geschenkt hat oder wie schön jener Besuch war. 


All dieses Sammeln und Horten zeigt mir nur eines: Ich traue nicht meinem Gedächtnis und auch nicht meinem Herzen. Ich traue mir selbst nicht, mich an das Gute und das Schlechte zu erinnern, was mich mit zu der gemacht hat, die ich heute bin. Ich habe Angst davor, Dinge wegzuschmeißen, die irgendetwas mit meinem (Entwicklungs-)Weg zu tun haben. Als müsste ich Beweismittel haben, um zu erklären, warum ich ich bin. Verliere ich nicht ein Stück meiner Identität, wenn ich mich von all dem trenne?

„Du wirst dich immer verändern und das, was bleibt, ist das, was du in deinem Herzen und in deinem Kopf trägst.“ So (oder so ähnlich) antwortet mein Mann auf meine Identitätskrise, die ich an kleinen Ansteckbuttons, Kinderarmreifen und besagten Notizzetteln festmache. Recht hat er. (Wie so oft.) Meine Großeltern prägen den Satz „Kind, ich nehme doch nichts mit“ wenn es um das Lebensende geht. Aber wenn ich in einen neuen Lebensabschnitt starte, darf ich was mitnehmen, aber ich muss auch nicht alles mitnehmen. Weder materiell noch emotional. Denn eines werde ich garantiert mitnehmen, und das begreife ich mit jedem Lebensabschnitt mehr: Mich selbst.  Und darin sind die wichtigsten Dinge für mein Leben schon enthalten. 


Auf baldigst.

Sonntag, 12. Juni 2016

Oh Leben, was machst du nur?

Oh Leben, was machst du nur mit mir?

Sechs Monate eines neuen Jahres verstreichen, ohne eine Zeile in die digitale Welt zu pressen.

Sechs Monate, in denen das Leben geendet und gewachsen ist, hinterfragt und gefestigt, auf den Kopf gestellt und geordnet wurde.

Sechs Monate und der Gedanke, diesen Blog für immer einstauben zu lassen.

Passt es zu meinem Leben, wie es heute ist, noch zu Bloggen? Ist das nicht total 2009? Ist mein Leben nicht dieser Form entwachsen? 


Oder habe ich nur den Mut verloren. Den Mut, Gedanken in Worte zu fassen. Beobachtungen in Beschreibungen. Das Leben sehen wie es ist und in kleine Buchstaben zu pressen. Immer wieder die Frage nach Anerkennung und Reichweite, nach Sinn und Zweck.

Und am Ende stehe ich vor mir selbst, sehe, wie ich Talent vergrabe, anstatt zu investieren. Und wenn ich nur für mich selbst schreiben würde, wäre es jeden Buchstaben wert. Warum? Weil dies alles ein Teil von mir ist. Und wie dämlich ist man, sich selbst zu vergraben.


Das Leben schreibt neue Prioritäten, andere Wendungen, veränderte Fragen. Das Leben wächst und verändert. Und ich (mich) mit ihm. Ein Blog, der dieses Jahr seit 10 Jahren besteht, verändert sich mit. Das Leben wird auch nicht mit jedem Abschnitt beendet, sondern wächst mit. 


Oh Leben, 10 Jahre sind in diesem Blog verborgen. Das ist verrückt. Lass uns weiter machen.

Auch wenn sich alles und nichts verändert.



Auf baldigst. Versprochen.

Es ist ein Fehler bei diesem Gadget aufgetreten.