Donnerstag, 31. Januar 2013

An die Enten der Welt.

Enten, was ihr seht,
dass würde ich gerne sehen.

Minimalistische Riesenwelt,
voller Grashalme und Brotkrumen.
Ihr habt eure eigene Grütze
und haltet euch vom
Chinamann fern.

Ihr schnattert und flattert.
Quakt und watschelt.
Enten, denkt ihr euch eure Welt
so wie wir die unsere?

Voller Alltag und Aufgaben
oder schwimmt ihr einfach
fröhlich im Kreis
um danach mit dem Kopf
unterm Flügeli
ein Schläfchen zu halten?

Enten, was ihr seht,
in dieser Welt,
in Grashalmen, Brotkrumen
und trüben Gewässern,
werde ich nie sehen.


Jetzt fragt sich sicher so mancher: Was ist das für ein Stumpfsinn? Und ich sag dir: Das ist Schreipfsinn. Nach einem langen Tag klickte ich mich durch eine Playlist und entdeckte den Titel „Enten, was ihr seht“ und hielt es für einen gelungenen Einstieg einer literarischen Ausführung. Nein. Eigentlich nicht. Eigentlich heißt das Lied „Ernten, was man sät“, aber mein Kopf machte daraus „Enten, was ihr seht“ und irgendetwas hat in meinem Hirn geschaltet und heraus kam dieser Text. Überflüssig und so komisch, dass ich dachte ich zeig mal, was mein Schreibhirn macht, wenn es eigentlich besser schon ausgeschaltet wäre. Was es so gut wie nie ist.
Und am Ende finde ich den Gedanken in diesem „Gedicht“ oder was auch immer es ist, eigentlich ganz interessant.. Denn sind wir nicht alle irgendwie Enten und sehen die Welt so wie keiner sonst? Okay. Ich hör schon auf.

Freitag, 25. Januar 2013

Unvergessen.

Sie saßen an einem alten Hoztisch, die leergegessenen Teller waren zur Mitte geschoben und die Weingläser an ihren Platz gesetzt. Sie unterhielten sich über große Personen des öffentlichen Lebens. Bekannt, beliebt, geschätzt. Sie sinnierten gerade über die Taten eines solchen Menschen, als sie sagte: „Stell dir vor wie es wäre, wenn einer von denen morgen sterben würde!“ „Ja, und?“, erwiederte ihr Gegenüber. „Dann sind sie halt tot.“ Er erhob sein Glas, wie zum Anstoßen und nahm dann einen Schluck des billigen Weines, den sie tranken. „Ist das dein Ernst? Wäre es nicht komisch, wenn sie plötzlich weg wären?“ Sie sah ihn fragend an. Sein Gesichtsausdruck blieb gleichgültig. „Menschen werden geboren, sterben und werden vergessen. An all das, was sie heute Tun, wird sich in zwanzig Jahren niemand mehr erinnern, geschweige denn an ihre Namen.“ Erschüttert von dieser Trockenheit, nippte sie an ihrem Weinglas. „Bist du da nicht etwas zu pessimistisch? Es gibt doch immer wieder herausragende Persönlichkeiten in der Weltgeschichte. Woher willst du wissen, dass sie alle vergessen werden?“ Er sah sie belustigt an. „Die Menschen, an die wir uns heute noch erinnern, und meistens kennen wir dann auch nur den Namen und einen kleinen Ausschnitt ihres Lebens, sind nur ein winziger Bruchteil der Menschheit, die vor uns über diesen Planten gewandert sind. Niemand erinnert sich an all die namenlosen Menschen mit ihren unspektakulären Leben.“ Und wieder erhob er sein Glas, als wolle er eben diesen Millionen vergessenen Persönlichkeiten zuprosten. Sie drehte ihr Weinglas langsam und nachdenklich in ihren Händen. „Du meinst also, wenn ich morgen sterben sollte, wird sich niemand an mich erinnern können?“ Er lachte leise: „Und auch mich wird jeder vergessen haben in zwanzig Jahren.“ Sie blieb ernst und beobachtete ihn eine Weile lang. Dann sagte sie, mehr zu sich und ihrem Weinglas: „Ich möchte nicht vergessen werden.“ Wieder lachte er: „Du willst es also ins Guinnesbuch der Rekorde schaffen, einen Oscar gewinnen, weltberühmt werden und später in jedem Geschichtsbuch verzeichnet sein?“ „Nein“, sagte sie ruhig. „Ich will nur nicht vergessen werden.“ Und als er sie fragend ansah, erklärte sie: „Ich muss nicht weltberühmt werden. Ich muss auch nichts gewinnen. Ich will einfach nur so leben, dass sich die Menschen, denen ich begegne, an mich erinnern. Im Positiven. Ich will, dass sie sich in Freude an mich erinnern, lachen und weinen vor Erinnerung, erzählen und ein bisschen von dem Weitergeben, was mir wichtig ist. Das reicht mir. Aber das will ich. Ich will nicht vergessen werden.“

Dienstag, 22. Januar 2013

Festgefahren?

Etwas was mich schon länger beschäftigt: Wie festgefahren sind wir eigentlich? Oder: bin ich?
Mein lieber Gedankenflugblog ist schon ganz schön alt. Und ich mag ihn. Und verbinde mit ihm ein ganz bestimmtes Schreibgefühl.
In den letzten Wochen habe ich viel geschrieben, viel mehr, als ich hier gepostet hab. Das freut mich. Aber es zeigt mir auch, dass ich ein nicht weiter definiertes Raster habe, nach dem ich Texte hierfür auswähle oder eben auch nicht. Schön und gut.

Heute hatte ich total Lust auf ein kleines Experiment und Freude am Schreiben. Und es kam mir vor, als würde es nicht hierherpassen und dennoch wäre es eigentlich ein netter Blogpost. Also hab ich kurzerhand einen kleinen Nebenblog aufgemacht. Wer weiß, wie stark ich ihn beschreiben werde. Aber so wie ich im realen Leben auch mehrer (wenn nicht zig) Notizbücher und Blöcke habe, die alle für einen anderen Schreibschlag gedacht sind (ich weiß nicht, ob irgendjemand versteht, wovon ich rede..), so brauch ich vielleicht auch im virtuellen mal sowas. Beziehungsweise habe ich ja schon meinen beleuchtet. Blog für einen spezielleren Themenbereich. Und jetzt kommt eben noch einer. Und vielleicht mag ich ihn und vielleicht nicht. Wir werden sehen. Aber ich will ihn euch keines Falls vorenthalten. Wer also was literarisch, philosophisches und vielleicht nicht immer so ernstes oder eben doch lesen möchte, schaut hier vorbei:


Und der Gedankenflug wird dadruch hoffentlich nicht vernachlässigt. Vielleicht passiert sogar genau  das Gegenteil. 

Man liest sich. Hier und dort.

Montag, 21. Januar 2013

Zeitreise

Hätten wir gewusst, wer wir heute sind.
Hätten wir geahnt, was wir alles nicht sind und vielleicht auch niemals sein werden.
Hätten wir erwartet, wen wir alles verlieren in dieser Zeit.
Hätten wir gewusst, dass vieles nicht mehr so ist, wie es einmal war.
Hätten wir gedacht, dass vieles nicht so werden würden wie wir glaubten.
Hätten wir uns dann anders verhalten?
Hätten wir anders gedacht, gelacht, geliebt, gehasst?

Nein.

Denn wir lebten unser Leben so gut wir es konnten
und planten die Welt, so wie wir sie verstanden.
Und heute sind wir hier und machen es genauso.
Wer weiß, wo wir sein werden in ach so vielen Jahren.
Wichtig ist nur, dass wir (wir) sind.

Dienstag, 15. Januar 2013

Das bin ich.

Immer wieder die gleiche Frage. Wer bin ich eigentlich. Und wer sagt mir das. Und wer beurteilt ob das, was ich bin, gut ist. Man ist alles. Irgendwie. Kind und Erwachsen. Stolz und bescheiden. Verantwortungsbewussst und verantwortungslos. Erfolgreich und versagend. Gut und nicht gut. Schön und nicht schön. Glücklich und traurig. Gesellig und Einsam. Perfekt und unperfekt. Wir sind alles. Und sehen davon immer nur ein bisschen. Und am meisten das, was uns stört. Wäre ich also ein stolzes Kind, das verantwortunglos versagt und dabei nicht gut, unschön traurig und einsam ist. Oder doch der bescheidene Erwachsene der verantwortungsbewusst und erfolgreich gut, schön und glücklich ist und deswegen gesellig? Schwarz und Weiß ist die Welt. Nicht grau. Wir sehen uns immer nur mit dem einen Blick und übersehen das wesentliche: dass wir unperfekt perfekt sind. Dass wir in einem gut und in anderem nicht gut sein können. Dass wir manchmal glücklich und manchmal traurig sind. Und manchmal beides zugleich. Und trotzdem hat es seine Richtigkeit. Wir vergessen, dass man in Gesellikeit einsam sein und in der Einsamkeit Geselligkeit finden kann. Wir verstehen nicht, dass Erfolg und Versagen Parameter sind, an denen sich niemand messen kann. Und dass man immer Kind und Erwachsen sein wird.
Die einzige Frage die bleibt ist: Wer beurteilt wer oder was ich bin? Ich? Die anderen? Gott?
Am Ende zählt wohl, wer ich bin, wenn keiner hinsieht. Wenn ich einfach nur bin. Das bin ich.

Montag, 7. Januar 2013

Versagen.

Stell dir vor, alles, was du tust, gelingt dir.
Stell dir vor, nichts, was du tust, ist umsonst.
Jeder deiner Atemzüge ergibt einen Sinn.
Jeder deiner Schritte ist wichtig.

Wie würde sich die Welt verändern,
wenn wir nicht mehr versagen würden,
weil es kein Versagen mehr gibt?

Donnerstag, 3. Januar 2013

So schwer.

Mein Kopf so schwer wie ein Planet. Bin nicht mehr in der Lage, ihn selbst zu halten. Versuche ich es, rollt er zur Seite oder fällt nach vorn. Ich bin so erschöpft von allem um mich herum und allem in mir drin. Ich kann es selbst nicht halten.
Dann kommst du an meine Seite, bietest mir deine Schulter an, auf der mein schwerer Kopf ausruhen kann. Ein Ort, wo ich nicht mehr selbst stark sein muss, sondern loslassen kann, ohne Angst zu haben, den Kopf zu verlieren.
„Lehn dich an“, flüsterst du in mein Ohr und ich tue nichts lieber als das. Bei dir zur Ruhe zu kommen, ist mein Glück.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Neujahrsspaziergang.

Sie liefen zwischen zwei Feldern entlang. Er hatte einen großen weißen Regenschirm mitgebracht, der sie vor dem penetranten Regenfäden schütze. Der Weg war matschig und sie mussten so manche Pfütze umrunden. Das neue Jahr hatte kein besseres Wetter gebracht, schon seit Mitte Dezember war es so warm geworden, dass mit weißer Weihnacht oder einem verschneiten Neujahr niemand mehr gerechnet hätte. Doch dieses ungemütliche Wetter verhinderte nicht, dass eine seltsam aufgeregte, zum zerreißen angespannte Stimmung zwischen den beiden Spaziergängern knisterte.
Er hatte sie doch tatsächlich angerufen. Am Silvesterabend. Nicht, dass sie nicht damit gerechnet hätte, dass er ihr einen guten Rutsch oder nach Mitternacht ein frohes neues Jahr hätte wünschen wollen. Aber das er sich wirklich an sein Versprechen erinnern würde und dass er diese Aussage, die er gemacht hatte, überhaupt so ernst genommen hatte, damit hätte sie nicht gerechnet. Vor einem halben Jahr war er zu viele Kilometer zum Studium weggezogen, als dass man sich in den unregelmäßigen Abständen hätte sehen können, wie sie es zuvor gemacht hatten. Als sie sich das letzte Mal sahen, hatte er gesagt: „Ich schenke dir den ersten Spaziergang im Neuen Jahr mit mir.“ Ein seltsames und albernes Versprechen, wenn auch irgendwie besonders. So besonders, dass sie keinem davon erzählt hatte. Sie hatte ja eh nicht damit gerechnet, dass er diesen Satz ernst nehmen würde.
Aber gestern Abend rief er an, wünschte ihr einen guten Rutsch und fragte sie, ob sie sich noch an ihre letzte Begegnung erinnern könnte. Sie war völlig verwirrt und aufgewühlt ins neue Jahr gestartet, denn er hatte sich mit ihr zum Neujahrsspaziergang am nächsten Tag verabredet und hatte pünktlich vor ihrer Haustür gestanden.

Ich hatte irgendwie gehofft, dass wir durch eine idyllische Schneelandschaft laufen würden.“, sagte er nach dem sie eine Weile lang schweigend, aber auf Grund des Regens und des Regenschirms dicht beieinander, nebeneinander hergegangen waren. „Tja, da hast du wohl was Falsches bestellt.“, versuchte sie zu witzeln und merkte, dass es ausgesprochen nicht lustiger klang, als in ihrem Kopf. Er lachte trotzdem leise und sagte: „Ich habe mein Bestes gegeben.“ Sie liefen weiter, konnten an dem wenigen Gesprächsfetzen nicht anknüpfen. Sie merkte, wie sich in ihrem Herzen eine trübe Stimmung ausbreitete. Nach der ganzen Euphorie des Anrufs am vorangegangen Abend merkte sie, wie alle ihre Erwartungen und all die Freude langsam verpuffte. Aber was hatte sie denn erwartet? Romantik? Ein ungezwungenes Wiedersehen? Eine besondere Nachricht? Er lief neben ihr her, sein Blick war auf die nasse Landschaft gerichtet. Als er plötzlich stehenblieb, kam sie fast ins Stolpern, so unerwartet brach er den schweigsamen Trott ab und wendete sich ihr zu. „Weißt du,“ fing er an und sah auf ihre Stirn. „Ich hatte gehofft, das Schnee liegt. Ich hatte gehofft, dass wir genauso fröhlich und unverkrampft miteinander reden können wie früher.“ Ihre Blicke trafen sich kurz, doch sie hielt es nicht lange aus, zu sehr fühlte sie eine unbeschreibliche Stimmung zwischen Anklage, Enttäuschung und Aufregung. „Aber irgendwie geht das nicht.“ Sie fasste kurz Mut und fragte: „Weißt du woran das liegt?“ „Ja,“ antwortete er überraschend schnell. Nun blieb ihr vor Erstaunen und Neugier nichts anderes übrig, als ihm direkt in die Augen zu schauen. „Ich habe mich so sehr darauf gefreut, dich endlich wieder zu sehen. Schon seit einem halben Jahr freue ich mich auf Neujahr. So oft habe ich mir vorgestellt wie wir uns heute treffen und miteinander hier lang laufen. Und jetzt merke ich, dass ich eines dabei vergessen habe.“ Sie sah ihn fragend an. Er schaute über ihre Schulter hinweg in die Ferne und sie konnte sehen, wie er nach den richtigen Worten suchte. Er holte tief Luft und sagte leise: „Ich.. ich habe dabei nicht gewusst, wie sehr ich dich vermisse. Und wie unsagbar schön es ist, neben dir zu sein. Und wie sprachlos du mich machen kannst. Und wie schlimm es ist, so weit weg von dir zu sein. Und dass ich viel lieber immer und immer und immer mit dir durch den Regen laufen würde, auch wenn wir kein Wort sagen würden.“ Eine wohlige Wärme durchfloss ihren Körper und spülte all die Betrübnis fort, die sich in ihrem Herz gesammelt hatte und sie merkte, wie ihre Wangen rot und heiß wurden. „Mir war nichts wichtiger, als den ersten Tag diesen neuen Jahres mit dir zu teilen.“, schloss er noch leiser. Sie sah ihn mit großen Augen an. Ihr Herz fühlte sich unendlich groß an und eine Millisekunde wusste sie nicht was sie tun sollte. Dann, sehr plötzlich, schlang sie ihre Arme um ihn, drückte ihn an sich. Einen Moment stand er nur ganz still da ohne sich zu bewegen, dann legte er den Arm, der nicht den Regenschirm festhielt, um sie und erwiederte die Umarmung. „Ich habe dich auch vermisst. So sehr.“, flüsterte sie in seine Jacke unter dem weißen Regenschirm in der verregneten Landschaft stehend.
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