Dienstag, 5. November 2013

Träumerei.

Es gibt Tage, an denen hänge ich in meinen Träumen.
Wie Nebel umgeben sie mich, sodass ich nichts anderes mehr sehen kann.
Ich fühle mich in ihnen geborgen, weich umhüllt, verschleiern sie die Wirklichkeit.

Es gibt Tage, an denen hänge ich an meinen Träumen.
Wenn die Sonne durchbricht und den letzten Nebel vertreibt
und ich wieder sehe wo ich stehe und wohin ich gehen soll.

Es gibt Träume, die ich träumen kann, ohne die Wirklichkeit zu verdrängen.
Diese Träume zeigen mir, wo ich hingehen könnte.
Denn ohne so manchen Traum wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin.

Es gibt Träume, an denen es festzuhalten gilt,
weil sie ein Vorgeschmack dessen sind, was uns erwartet.
Träume müssen nicht immer in Erfüllung gehen.
Manchmal reicht es, sie als Wegweiser zu sehen.

Freitag, 11. Oktober 2013

Dunkelheit.

Dieser Moment, wenn alle Lichter ausgeschaltet sind und keine Projektion mehr dein Ich beleuchtet und du stehst einfach da in dieser riesigen Dunkelheit und kannst dich selbst nicht sehen. Das Licht der anderen lässt dich tanzen und springen, diskutieren und lachen. Aber wenn das Licht aus ist und keiner mehr schaut und du nichts siehst - hörst du dann dein Herz? Fühlst du dein Blut durch deine Adern fließen? Merkst du, dass du am Leben bist, ganz Du allein in der Dunkelheit? Dass du atmest, denkst und fühlst, selbst wenn nur du und kein anderer dich sieht? Und wer bist du dann dort in der Dunkelheit?

Dienstag, 24. September 2013

Bleiben.

Manchmal ist es eine Kunst, sich nicht aufzulösen. Sich nicht in all seine Bestandteile zu zerlegen und überall als Ersatzteil zu dienen. Sich nicht in alles, außer in sich selbst zu investieren. Beständig bleiben und am Leben. Existent und spürbar. Nicht wie ein Geist durch das Leben zu huschen, sondern sichtbar zu sein. Für sich selbst und alle anderen. Selbstaufgabe nicht zur Aufgabe machen. Rücksicht nehmen ohne in der Sicht zurück zu verschwinden. Nicht der Schatten seiner selbst werden. Atmen. Sein. Man selbst sein. Mut zum Leben. Mut zum Eigenleben. Nicht egoistisch aber wissend, dass es ein Ich gibt. Selbstachtung nicht verlieren. Ein Mensch sein mit Willen und Meinung, mit Rechten und Pflichten, mit Gefühlen und Leben. Stehen. Sein. Atmen. Verantwortungsvoll und sich seiner selbst bewusst. Denn wer sich auflöst, wird gelebt anstatt selbst zu leben.

Montag, 23. September 2013

Lebenswege

Lebenswege verändern sich,
machen Kurven, Abkürzungen und Umwege.
Werden niemals parallel laufen.
Und doch hoffen wir stets
uns immer in Sichtweite zu haben,
uns nicht aus den Augen zu verlieren.
Der direkte Blickkontakt gibt uns den Glauben
dass man sich immer noch versteht
und den Weg gemeinsam geht.
Aber manchmal ist es auch so
dass man weit entfernt ist
und trotzdem in die gleiche Richtung geht.
Und manchmal gilt
aus den Augen, aus dem Sinn.
Dass das Leben sich immer verändert,
daran lässt es sich nur schwer gewöhnen.

Mittwoch, 11. September 2013

Das raue Leben.

Der Sand zwischen den Zehen. Kein Mittelmeerstrand. Nur ein paar Dünen an der belgischen Küste. Die Nordsee ist nicht schön. Sie ist rau und hart, kalt und salzig. Eigentlich ist sie wie das Leben. Wie ein Spiegel. Ich konnte dem nie viel abgewinnen. Aber du hast es geliebt. Du hast Schönheit darin gesehen. Du mochtest all dieses raue. Und ich träumte immer von der Südsee. Von Wärme und kristallblauem Wasser, von Strand und Sonne, Palmen und Erholung. Doch du wolltest an die graue Nordsee. Dünenberge, die den klaren Blick auf den Horizont verstellten und eine Hürde waren, bis man endlich das salzige und raue Meer sehen konnte.


Vielleicht habe ich mich vor diesem Spiegel gefürchtet. Vor der Erkenntnis, dass das Leben nicht immer warm und klar ist und aussieht wie im Katalog. Sondern rau sein kann, hart und ungemütlich, kalt und es schwer ist, den Horizont immer zu erkennen. Und trotzdem konntest du in all dem Schönheit erkennen. Hoffnung. Glaube. Liebe. Zuversicht. Der Südseestrand hatte keinen Reiz für dich. Schließlich war das Leben auch niemals perfekt.


Und jetzt stehe ich wieder hier in den Dünen an der Nordsee und höre den Wind. Ich habe nie mehr Angst vor dem unperfekten Leben, weil du die Hoffnung nie aufgeben hast. Weil du in allem Schönheit entdeckt hast. Und während ich die salzige Meerluft einatme und an dich denke, weiß ich, dass du Recht hast. Das raue Leben hat seine sehenswerten Besonderheiten. Und irgendwann sieht man den Horizont immer.

Montag, 26. August 2013

Abschalten.

Mein Smartphone hängt an der Ladestation. Drei Anrufe in Abwesenheit. Und eine Nachricht: Habe versucht dich zu erreichen, müssen reden. Jetzt ist es schon nach zehn Uhr. Die Anrufe in Abwesenheit sind 1 ½ Stunden her. Die Person sicherlich jetzt anderweitig beschäftigt. Soll ich jetzt einfach zurückrufen? Lieber der Schriftweg. Schnelles Getippe: Ruf mich an, wenn du noch Zeit hast. Die Frage ist eigentlich: Habe ich noch Zeit? Eigentlich würde ich ja gerne zurück aufs Sofa und den Abend ausklingen lassen. Und es ist ja immerhin schon nach 10. Aber wenn wir es heute noch klären können, muss ich morgen nicht als erstes daran denken, wenn ich aufwache. Denn das hat sich eingeschlichen: Der Blick aufs Smartphone kurz nach dem Aufwachen. Schließlich dient das Multifunktionsgerät ja auch als Wecker und wenn man es eh schon in der Hand hat...

Seit ungefähr einem Jahr bin ich nun Besitzerin eines Smartphones. Nachdem ich erst immer vehement dagegen gewehrt habe. Mit der Argumentation: Ich will ja auch gar nicht immer und überall erreichbar sein und so viele Menschen versuchen mich eh nicht über das Handy zu erreichen. Eigentlich nur mein Mann. Und mal jemand aus der Familie.
Aber irgendwann hat mich der Reiz dann doch gepackt. Das Getippe und Gewusel, all die schönen Apps und alles schön auf ein Gerät komprimiert. Und alle sahen mit ihren Smartphones plötzlich so geschäftigt und begehrt aus. Da will man doch irgendwie mit. Und dann ergaben sich die Umstände, dass es „doch wirklich ganz praktisch wäre seine Emails unterwegs zu checken. Und der Kalender lässt sich doch auch über Google synchronisieren. Das ist so unglaublich praktisch.“ Ganz zu schweigen von den schönen Spielchen, der Kamera und WhatsApp.

Und jetzt würde ich es gerne manchmal einfach abschalten. Für länger.
Ja, natürlich mag ich noch viele von den Dingen, die das Gerät kann. Es gibt lustige Spielereien. Und jede Menge Schnickschnack. Ich bin damit vielleicht sogar beschäftigter, ja vielleicht sogar „begehrter“, weil auf allen Ebenen und zu (fast) jeder Zeit erreichbar. Aber bin ich glücklicher?
Es ist so schwierig, etwas auszuschalten, was man spätestens zum Wecken wieder braucht. Und woran man sonst Freude hat. Aber wenn dein Wecker gleichzeitg dafür sorgt, dass du nachts mit Nachrichten versorgt wirst und dich theoretisch jeder anrufen kann, ist das schwierig. Natürlich stell ich den Ton nachts aus. Aber das Dilemma der entgangenen Anrufe – siehe oben.

Wie wichtig ist wichtig und wenn es wirklich richtig wichtig ist, findet man doch auch andere Wege. Wo ist die Grenze und wann gibt es Feierabend? Gibt es einen Feierabend überhaupt noch?
Klingt vielleicht alles theatralisch.
Aber ich glaube, wir dürfen eins nicht verlernen: Abzuschalten.

Sonntag, 25. August 2013

Was wir brauchen

Was wir brauchen
ist nicht Zeit.
Denn die Zeit
ist beständig.

Was wir brauchen
ist Mut.
Denn der Mut
ist flüchtig.

Montag, 22. Juli 2013

Sommernacht # Mittelmäßigkeit

Bleibt dieses Leben
bleibt deine Zeit
in diesem Streben
nach Mittelmäßigkeit?

Bist nicht schlecht
und bist nicht gut
ewige Grauzone
der alte Hut.

Schaust immer auf alle
nur seltenst auf dich
Und wenn dich jemand lobt
fragst du: meinst du mich?

Das Leben wird nicht leichter
wenn du dir nicht vertraust
und anstatt nach vorn
immer nur nach hinten schaust.

Mittelmäßigkeit sei nicht dein Ziel
Denn die Zeit deines Lebens
ist begrenzt und kostbar
also lebe sie nicht vergebens.

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Die Sommernacht # - Serie beinhaltet Texte, die überwiegend in den späten Abendstunden in diesem Sommer entstanden sind. Sie sind vielleicht melancholischer und theatralischer als hier in letzter Zeit so üblich, aber meines Erachtens dadurch auch sehr besonders. Über Feedback jeglicher Art freue ich mich - wie immer.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Sommernacht # Dein Herz

Manchmal schlägt dein Herz so laut, als wüsste es, dass es für meines mitschlägt. Wenn mein Herz zwischen zerreißen und zerbrechen steht und ständig aus der Reihe tanzt, dann schlägt deines regelmäßig. Und wenn meines so schwach und müde ist, dann schlägt dein Herz so laut und erinnert mich ans Leben. Und auch wenn ich mir manchmal heimlich wünsche, dass auch dein Herz mal ein bisschen aus der Reihe tanzt, kann doch das meine von deinem noch so viel lernen. Regelmäßig und laut zu schlagen. Und einfach zu leben.

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Die Sommernacht # - Serie beinhaltet Texte, die überwiegend in den späten Abendstunden in diesem Sommer entstanden sind. Sie sind vielleicht melancholischer und theatralischer als hier in letzter Zeit so üblich, aber meines Erachtens dadurch auch sehr besonders. Über Feedback jeglicher Art freue ich mich - wie immer.

Sonntag, 14. Juli 2013

Sommernacht # Kennen

Ich weiß so viel von dir. Ich weiß, wie du lachst, wie du gehst, wie du dich setzt. Ich kenne deine Gesten, weiß, wie du dein Glas hältst und wie du dir mit deinen Fingern über den Mund fährst, wenn du nicht weißt, was du sagen sollst. Ich erkenne an deinem Blick, ob du in Gedanken woanders bist und an deinen Mundwinkeln, ob dein Lächeln von Herzen kommt. Ich kenne deine Stimme so gut, dass ich sie manchmal nicht aus dem Kopf bekomme. Und ich verstehe ohne Worte, wenn du deine Ruhe brauchst.
Aber wenn du mich jetzt fragst, ob ich dich kenne, so muss ich verneinen. Ich kenne dein Wesen und dein Verhalten, aber nicht dein Herz. Ich werde nie verstehen, warum du dich wie entscheidest und niemals an dir ablesen können, was dein Herz wirklich bewegt.
Denn obwohl ich dich kenne, kenne ich dich nicht. Und auch wenn ich dich verstehe, verstehe ich dich niemals ganz. Denn jeder Mensch ist in seinem Innern jemand anderes als nach außen. Keiner kann das Tiefste nach außen tragen. Kein Mensch kann einen anderen vollkommen begreifen.
Und so nah wir uns auch sind, wir werden uns immer ein Stück fremd bleiben.

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Die Sommernacht # - Serie ist eine Juliaktion. Es sind Texte, die überwiegend in den späten Abendstunden in diesem Sommer entstanden sind. Sie sind vielleicht melancholischer und theatralischer als hier in letzter Zeit so üblich, aber meines Erachtens dadurch auch sehr besonders. Über Feedback jeglicher Art freue ich mich - wie immer.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Sommernacht # Erinnerung

Die kühle Abendluft auf meiner Haut. Es hatte geregnet. Mit dem Weinglas in der Hand schaute ich in den Himmel. Er war nicht klar aber dennoch wunderschön. Ich hatte heute ein Bild von dir in den Händen. Wir standen nebeneinander auf irgendeinem Fest. Du lachtest und ich sah dich an. Oh, wie gerne sah ich dich an, wenn du lachtest. Ich weiß nicht, ob ich dir dieses Bild je gezeigt habe. Vielleicht hättest du nichts daran gefunden, dabei zeigt es für mich ein Stück Glück auf Erden.
Wenn ich dich noch einmal so lachen sehen könnte. Wenn ich noch einmal so nah an deiner Seite stehen dürfte. Dieses Gefühl von Vertrautheit und Bewunderung, es ist so einzigartig. Diese Mischung ist mir nicht noch einmal begegnet.
Aber wenn du heute hier neben mir säßest, in dieser kühlen Sommernacht und ich noch einmal dein Lachen hören könnte – es wäre nie mehr dasselbe. Denn dieses Gefühl ist nur noch eine Erinnerung. Und so lebhaft sie auch mein Herz umschließt, sie bleibt eine Erinnerung an Tage, die anders waren.

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Die Sommernacht # - Serie ist eine Juliaktion. Es sind Texte, die überwiegend in den späten Abendstunden in diesem Sommer entstanden sind. Sie sind vielleicht melancholischer und theatralischer als hier in letzter Zeit so üblich, aber meines Erachtens dadurch auch sehr besonders. Über Feedback jeglicher Art freue ich mich - wie immer.

Samstag, 6. Juli 2013

Sommernacht # Abendluft

Als ich zur Tür hinaustrat, zog ich mir deine Jacke über die Schultern. Es war genauso kühl, wie ich es erwartet hatte an einem bewölkten Sommertag. Deine Jacke gab mit ein bisschen Wärme und auch wenn sie viel zu grob und zu groß für mich war, ich hätte sie mit keinem Stück tauschen wollen, denn sie roch nach dir.
Ich setzte mich auf die Verandertreppe, schloss die Augen. Der Wind blies sachte in mein Gesicht und deine Jacke um meine Schultern fühlte sich an wie eine Umarmung von dir – so als ob du hinter mir säßest und deine Arme mich umfingen. Als würden wir hier gemeinsam sitzen und die kühle Abendluft genießen und diesen langen Tag hinter uns lassen. Es wäre für mich das Schönste hier mit dir zu sitzen. Wir sprächen kein Wort, denn unsere Nähe würde alles sagen.

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Die Sommernacht # - Serie ist eine Juliaktion. Es sind Texte, die überwiegend in den späten Abendstunden in diesem Sommer entstanden sind. Sie sind vielleicht melancholischer und theatralischer als hier in letzter Zeit so üblich, aber meines Erachtens dadurch auch sehr besonders. Über Feedback jeglicher Art freue ich mich - wie immer.

Dienstag, 2. Juli 2013

Sommernacht # Einsamkeit

 
„Gibt es Tage, an denen du einsam bist?“
„Ohja. Die gibt es. Es sind meistens nicht die Tage, an denen ich wirklich allein bin oder an denen ich niemanden zum reden habe.“
„Aber das ist doch Einsamkeit!“
„Schon, aber diese Einsamkeit kann man ertragen. Die kommt immer mal vor und meistens muss man sich dann nur aufraffen und mal jemanden anrufen oder besuchen. Dann geht diese Art von Einsamkeit weg. Aber an Tagen, an denen ich mich wirklich einsam fühl, ist es eine andere Einsamkeit.“
„Und was für eine Einsamkeit ist es dann?“
„Es ist diese Art von Einsamkeit, bei der es nicht darauf ankommt, wieviele Leute um dich herum sind oder mit wievielen du sprichst. Das sind Tage, an denen dich niemand, ja wirklich niemand, versteht. Auch wenn du versuchst allen zu erklären, was mit dir los ist – niemand wird es so begreifen, wie du es in dir fühlst. Ja, du kannst es dir noch nicht einmal selbst richtig erklären, was du alles denkst du fühlst, wie sollst du es dann irgendjemanden außerhalb deines Körpers verständlich machen können?“
„Und das ist die Einsamkeit?“
„Ja. Wenn du weißt, dass niemand dich wirklich versteht, dann kannst du dich schrecklich einsam fühlen, selbst wenn Menschen da sind, auch die, die es gut mit dir meinen. Einsamkeit findet meistens im Herzen statt und manchmal ist es verdammt schwierig, jemanden in sein Herz zu lassen.“
„Aber kann man denn gar nichts tun, wenn man sich auf diese Weise einsam fühlt?“
„Doch, sicherlich. Aber es gibt kein allgemeines Rezept.“
„Und was machst du, wenn du dich so einsam fühlst?“
„Manchmal lass ich mich einfach gehen, vor allem wenn ich mich selbst gar nicht mehr verstehe. Aber meistens versuche ich genau da: Ersteinmal mich selbst versuchen zu verstehen. Sagen, schreiben, schreien, malen was mein Herz bewegt. Denn wenn schon mal ich mein Herz verstehe, dann ist es gleich ein bisschen weniger einsam. Mit ein bisschen Glück findet sich doch noch jemand, der es wirklich versteht.
Und wenn alles nichts bringt, hilft es manchmal einfach ins Bett zu gehen und zu schlafen. Denn im Schlaf ist das Herz selten einsam. Und an einem neuen Morgen sieht die Welt oft ganz anders aus.“

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Die Sommernacht # - Serie ist eine Juliaktion. Es sind Texte, die überwiegend in den späten Abendstunden in diesem Sommer entstanden sind. Sie sind vielleicht melancholischer und theatralischer als hier in letzter Zeit so üblich, aber meines Erachtens dadurch auch sehr besonders. Über Feedback jeglicher Art freue ich mich - wie immer.

Sonntag, 16. Juni 2013

Wartend.

Wartend auf dem Sofa sitzen.
Der Blick, der regelmäßig die Uhr checkt.
Wann klingelt das Telefon?
Wann endlich rufst du an?
Wann?

Aufstehen, durch die Gegend laufen.
Nichts mehr anfangen, denn die Zeit ist bemessen.
Zumindest wenn du bald anrufst.
Wann endlich rufst du an?
Wann?

Gehirnspulen auf Hochtouren
bei körperlicher Erstarrung.
Wie lange warte ich schon?
Wann endlich rufst du an?
Wann?

Und wenn du es dir anders überlegt
und mich hier allein lässt?
Erstarrt, verwirrt, nutzlos?
Wann endlich rufst du an?
Wann?

Oder ich die Geduld verlier
nicht mehr warte und dich dann
verpasse, wenn du endlich anrufst?
Wann endlich rufst du an?
Wann?

Zwischen Hoffen und Bangen,
den Hörer immer im Auge,
wartend auf dich sitze ich hier.
Wann endlich rufst du an?
Wann?

Montag, 20. Mai 2013

Weißes Papier.

Weißes Papier.
Schwarze Buchstaben.
Tausend Anfänge.
Kein Ende.
Keine Ideen.
Nur Ahnungen.
Viele Wünsche
ohne Willenskraft.
Viele Ausreden
ohne Gegenmittel.
Verzweiflung.
Wut.
Unverständnis.
Faulheit.
Fragen.
Zweifel.
Leere.
Weißes Papier.

Dienstag, 23. April 2013

Ich mach das jetzt.

„Ich mach das jetzt einfach.“, sagte sie laut, nachdem sie mindestens eine halbe Stunde vor ihrem überdimensionalen Bücherregal gestanden hatte, mit der Raumskizze in der Hand und der großen Unzufriedenheit im Bauch. Wer auch immer auf die Idee gekommen war (vermutlich war sie es selbst gewesen), das Regal würde an diesem Platz gut zur Geltung kommen und den Raum verschönern, hatte Unrecht gehabt. Es sah scheußlich aus und jedes Mal, wenn sie es sah, und das war täglich, ärgerte sie sich ein bisschen darüber. Und weil es so unpraktisch dort stand, räumte sie die benutzten Bücher auch nicht mehr ordentlich ein, sodass sich auf jedem Brett ein kleiner Stapel Bücher angesammelt hatte, der dazu beitrug, dass Regal noch unansehnlicher zu machen. Lange hatte sie mit sich selbst diskutiert, ob das ganze Arrangement nicht an der einzigen anderen Wand, an der es Platz hatte, besser aussehen würde. Jeden Besucher hatte sie danach befragt und die Meinungen waren in alle Himmelsrichtungen auseinander gegangen. Am meisten hatte sie den Spruch „Willst du dir den Stress wirklich antun? So schlecht sieht es doch gar nicht aus und überleg mal, wie viele Bücher du dann aus- und einräumen musst!“ gehört, auch von sich selbst. Aber die Unzufriedenheit im Bauch war stetig gewachsen und irgendwann musste sie feststellen, dass sie lieber einen großen Bogen um diese Ecke ihrer Wohnung machte oder einfach blind daran vorbei lief, als sich an der wunderschönen Pracht ihrer Bücher zu erfreuen.
Kurzerhand räumte sie das Regal von oben nach unten und andersherum aus, stapelte die Bücher auf dem Boden um sich herum. Die ersten drei Regalböden waren mühselig und es flatterten ihr ein paar nicht einsortierte Dokumente entgegen und ein Stapel Fotos.. „Nein.“, sagte sie wieder laut und pfefferte diese in die andere Ecke des Zimmers. Keine Ablenkung. Keine Gefühlsduselei. Kein Rückzug. Bücherstapel um Bücherstapel wanderte auf den Boden, bis das Regal plötzlich leer und schnell an seinem neuen Platz stand. Einmal tief durchatmen. Und dann Stapel um Stapel wieder einräumen. Mit welchen System? Was sollte gesehen und was eher versteckt werden? Fragen, die schnell beantwortet waren, sodass das Einräumen zügig ging. 

Und dann saß sie andächtig vor dem Regal an der neuen Wand. Das gleiche Regal. Die gleichen Bücher. Und trotzdem war alles anders. Bestimmt eine viertel Stunde saß sie und betrachtete ihr Werk. Dann verließ sie den Raum um direkt wieder hereinzukommen und das neue Arrangement auf sich wirken zu lassen. Konnte sie jemand anrufen, der vorbeikommt um sich dieses großartige Wunderwerk anzuschauen? Nein. Es war schon nach Mitternacht. Und wer kommt schon, um sich ein umgestelltes Bücherregal anzuschauen? Also ging sie ins Bett. Und fand nach wenigen Minuten einen Grund nochmal auf zustehen und beinahe zufällig einen weiteren Blick auf die Umstellung zu werfen. So tausendmillionen Mal besser sah es nun aus. Und was hatte sie dorthin gebracht? Das Nachdenken, Skizzieren und Meinung einholen? Nein. Oder nur ein bisschen. Ausschlaggebend war ein lautes „Ich mach das jetzt einfach.“ und ein bisschen Durchhaltevermögen. Wenn im Leben doch alles nur so einfach wäre.. Moment, ist es das nicht?

Dienstag, 16. April 2013

Frühlingssehnsucht.

Den ganzen Winter sehnte ich mich nach Sonnenschein, Wärme und der Möglichkeit im Garten zu sitzen und zu schreiben. Oh, wenn endlich der Frühling kommen würde, hätte ich endlich alle Möglichkeiten in der Natur zu schreiben und dann würde sich mein Gehirn überschlagen an Ideenreichtum. Dann endlich könnte ich all die Projekte angehen, die mir schon lange vorschweben und zu deren Umsetzung ich mich im Winter nicht überwinden konnte.
Jetzt endlich ist der sommerliche Frühling da, ich habe mich dazu überredet, mit meinen Schreibsachen nach draußen in den Garten zu gehen, wie schon so lange erträumt. Doch irgendwie bleibt mein Gehirn leer. Sonnenstrahlen, saftig grünes Gras und Gänseblümchen bringen nicht den erwünschten Effekt. Schreiben bleibt weiterhin eine Überwindung und alle Ideen zu Papier zu bringen immer noch eine Herausforderung angesichts des inne liegenden Perfektionismus. Da bringt selbst das fröhliche Vogelgezwitscher nichts.

So ist es so oft im Leben. Wir fiebern auf etwas zu, träumen und stellen uns vor, wie perfekt dann alles sein wird, wenn sich dieses ändert oder wir jenes haben. In der neuen Wohnung werden wir auf jeden Fall ordentlicher und wenn wir das neue Smartphone haben, können wir unsere Termine auf jeden Fall besser organisieren. Oder wenn wir endlich dieses Buch gelesen, jenen Film geschaut und diese Bibelstelle verstanden haben, dann wird sich so vieles ändern! Dann werden wir selbstsicher, verständnisvoller und weiser werden.

Und dann kommt der Frühling so plötzlich und wir beginnen zu realisieren: Auch wenn sich um uns etwas verändert hat, sind wir noch immer die gleichen wie zuvor.
Erst wenn wir anfangen uns innerlich zu verändern, werden wir auch im Leben erkennen, das Veränderungen wirkliche Auswirkungen haben können.

Donnerstag, 11. April 2013

3 Möglichkeiten

Andere Menschen werden nie aufhören, über deine persönlichen Belange zu reden. Besonders nicht über die, die unter die angriffslustige Kategorie "wunder Punkt" fallen.
Du hast also nur drei Möglichkeiten:
1. Weiter das Gerede ertragen und die wunden Punkte von anderen erforschen zu lassen.
2. Die wunden Punkte überwinden, um die Angriffsfläche zu verkleinern.
3. Endlich einen Dreck darauf geben, was andere Menschen in dein Leben kommentieren.

Was wählst du?

Dienstag, 26. März 2013

Passend gemacht.

Menschen glauben an Timing. Nicht an irgendein Timing, sondern an das „Perfekte Timing“ oder den richtigen Augenblick, den passenden Moment oder die angemessene Situation. Ich glaube langsam nicht mehr daran. Denn ob es der passende Moment war oder nicht, wissen wir immer erst hinterher. Erst in der Reflektion fällt uns auf, dass dieses oder jenes Wort weise gewählt wurde, dass das Licht im rechten Moment aus- oder angegangen ist oder das jemand den Raum betreten hat und sich dadurch vieles zum Guten wendete. Aber vorher haben wir keine Ahnung. Wir können höchstens spüren, dass es ein absolut unpassend Timing gibt, aber selbst da bin ich mir nicht so sicher, denn auch manches, was zunächst als unpassend erachtet wird, stellt sich im Rückblick als gelungen heraus. Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen Feingefühl brauchen. Wir sollten auf uns selbst und auf unsere Mitmenschen achten und auf unser Herz hören. Aber ich glaube, dass wir nicht vorher auf dem richtigen Augenblick gefasst sein können oder ihn erspähen, weshalb es sich nicht immer lohnt auf ihn zu warten, denn dann kann es sein, dass du nie das umsetzen wirst, was du schon lange tun willst. Der richtige Zeitpunkt ist, wenn du von Herzen tust, was du auf dem Herzen hast. Alles andere wird sich finden. Und im Rückblick wirst du erkennen, wie viele passende Momente du erleben durftest, weil du den Schritt gegangen bist nicht zu warten, sondern den Moment zum passenden Moment zu machen.

Mittwoch, 20. März 2013

Was kostet?

Was kostet ein gutes Wort?
Eine Ermutigung. Ein lieber Gruß. Eine ehrliche Frage nach dem Befinden.
Es kostet uns nicht viel. Eigentlich nur Zeit. Doch das ist manchmal die teuerste Währung.
Es kostet uns, dass wir uns von uns selbst weg und jemand anderem zuwenden.
Es kostet uns, dass unser Herz offen ist für ein anderes.

Dafür fehlt uns zu oft der Sinn und scheinbar auch die Zeit.
Aber bedenke folgendes, bevor du das nächste Mal einen Gruß nicht erwiederst oder
Die Geburtstagserinnerungen von Facebook ign4orierst:

Für kritische Worte haben wir immer Zeit. Ungereimtheiten lassen wir nicht stehen, ja sogar
Für verbesserung der Grammatik oder Rechtschreibung bleibt uns genung Zeit. Wir wollen, dass Menschen uns zuhören, wenn wir uns aufregen, aber wenn sie uns von einer kleinen fröhlichen Lebensbegebenheit berichten wollen wenden wir uns unaufmerksam anderen Dingen zu?

Ein gutes Wort zur rechten Zeit - verschenke es! Es wird dich nicht viel kosten.

Dienstag, 19. März 2013

Investition.

Wir müssen sparen. Immer. Alle. Man will ja nicht verschwenderisch umgehen. Und man will sich doch gut überlegen, in was man investiert. Was ist, wenn man es später doch nicht braucht oder einem nicht gefällt? Was denken wohl die anderen, wenn ich mir dieses oder jenes gönne? Schließlich will man später nicht mit leeren Händen dastehen. Und wer gibt einem Garantien? Man kann doch nicht einfach so ins Blaue.. Und überhaupt: Jede Investition sollte wohl überlegt sein.

Sparen ist eine wichtige Sache. Es ist gut, nicht über seinen Verhältnissen zu leben und verantwortungslos zu handeln. Viele Schritte im Leben bedürfen einer reichlichen Überlegung und ein Abwiegen der Vor- und Nachteile.

Und trotzdem ist es auch wichtig zu investieren. Nicht alles zurückzuhalten. Reinbuttern. Etwas wagen. Den ersten Schritt gehen. Auch wenn es schon das zehnte Mal ist. Etwas verändern. Neuen Wind reinbringen.

Wenn man nämlich immer nur spart und nicht investiert, wird das Leben langweilig. Man gibt sich mit dem zufrieden, was da ist, auch wenn es einen vielleicht gar nicht wirklich zufriedenstellt. Und dann verliert man die Lust daran. Meckert, jault und sucht sich was anders. Anstatt in das, was schon da ist, zu investieren. Dort aus- und umbauen, wo wir unzufrieden sind und auch das ein oder andere Neue einbringen.

Und das faszinierende ist: Es funktioniert in allen Lebensbereichen. Try it.

Montag, 18. März 2013

Solche Tage.

Es gibt Tage,  da denkt man an längst vergangenes. Man will es nicht unbedingt zurück,  denn man kann ja den Weg sehen,  der einen von dort dahin gebracht hat, wo man heute steht.  Aber man denkt zurück, erinnert und fragt sich auch manchmal "Was ist passiert? " Menschen kommen in unser Leben und verlassen es wieder. Manchmal spielen sie eine Hauptrolle,  dann wiederum neigen sie in Vergessenheit zu geraten.

Heute sind wir hier.  Es gibt kein zurück. Man ist zerrissen zwischen melancholischer Erinnerung und realistischem Alltag. Das Leben ist weiter gegangen und wird auchimmer weiter gehen, ob mit oder ohne diese Menschrn. Klingt das verbittert?  Nein. Es ist nur das Leben.

Donnerstag, 14. März 2013

Ein Satz.

Ein Leben in Ruhe und Gelassenheit ist keine Straftat.


Mittwoch, 6. März 2013

Zwiegespräch.


"Wenn du immer sagst, es sei deine Leidenschaft, warum machst du es dann nicht einfach?"

"Weil ich meinen Arsch nicht hochbekomme."

"Brauchst du doch auch nicht. Dein Arsch darf schön auf dem Sofa sitzen bleiben."

"Dann bekomme ich eben meine Hand nicht bewegt."

"Für die Fernbedienung und das Handy reichts aber scheinbar noch."

"Meine Güte! Dann habe ich eben einfach keine Lust und Motivation."

"Die Lust kommt beim Machen."

"Sagt wer?"

"Sagst du. Wenn du es dann mal machst."

"Aber ich kann nicht. Ich bin so unzufrieden."

"Dann hör auf damit."

"Womit?"

"Mit dem Unzufriedensein."

"Und wie geht das?"

"Indem du das tust, was du gerne machst. Lass es raus, probier dich aus. Als ob niemand zuschaut."

"Aber ich will, dass jemand sieht, was ich fabriziere. Ich will nicht nur für mich sein. Ich will Lob."

"Und wenn du das nicht bekommst?"

"Dann bin ich unzufrieden."

"Hör einfach auf damit."

"Aber dann kann ich es auch gleich lassen. Wer sich nicht kritisch betrachtet, verbessert sich nicht."

"Ja und wer vor lauter Selbstzweifel und Unzufriedenheit gar nicht erst anfängt, verbessert sich auch nicht."

"Und wenn es niemanden gefällt?"

"Dann mach weiter. Mach es für dich. Aber mach es."

Dienstag, 5. März 2013

Vertont.

video

Das Gedicht "An die Enten der Welt" erstmalig in gelesener Form.

Montag, 25. Februar 2013

What you love.


Anfang des Jahres habe ich mir ein kleines Büchlein gekauft auf dem eingeprägt steht: „Do what you love and love what you do.“ Ein Satz, der mir aus der Seele sprach. Ja, man sollte das tun, was man liebt und man sollte lieben, was man tut. Eigentlich ein sehr einfaches Lebensprinzip. Doch wenn man so leichte Sätze im Leben findet und versucht sich, an ihnen auszurichten, merkt man, wie schwer ein leichter Satz werden kann.
Grundsätzlich muss man sich bei diesem Satz nämlich mit einer Frage auseinandersetzen: Was mache ich eigentlich? Ja, wie leben unser Leben, irgendwie. Aber womit füllt sich unser Alltag und wie viel hat davon mit irgendwelcher Liebe zu tun?
Wenn man allein die erste Hälfte versucht zu leben und das macht, was man liebt, muss man feststellen: Man kann nicht NUR das machen, was man liebt. Im Alltagsleben gibt es so manche tägliche Hürde, die gesprungen werden muss und die nichts mit unserer Leidenschaft, unseren Zielen, unserer Liebe zu tun hat. Müll rausbringen. Spülen. Alltagsgeplänkel eben. Dennoch stellt sich die Frage, ob wenigstens der Großteil unserer Beschäftigung uns Freude bringt und aus einer inneren Liebe getan wird. Wenn ja, sind wir weit. Wenn nein, ziemlich am Anfang.

Warum machen wir nicht das, was wir lieben? Weil wir es uns nicht gönnen? Weil wir uns einreden, wir könnten es nicht? Weil andere Menschen an uns andere Erwartungen haben? Oder weil wir uns noch nie gefragt haben, was wir eigentlich von Herzen gerne tun?

Ich bin davon überzeugt, dass jede Aufgabe, und sei sie noch so leidenschaftlich begonnen, im Alltag etwas von ihrem Reiz verliert und man nicht immer Feuer und Flamme sein kann, selbst wenn man es wollen würde. Aber mir scheint, es gibt einen meilenweiten Unterschied zwischen „Ich mach das jetzt einfach, weil muss ja.“ oder „Ich mach das und ich liebe es, es zu machen, selbst wenn ich heute unmotiviert bin.“ Ich will dahin kommen, mein Leben mit den Dingen zu gestalten, die ich liebe und das, was ich tue, zu lieben. Auch wenn der Alltag grau und zäh sein mag.
Es ist immer wieder gut zu fragen: Was mache ich eigentlich. Warum mache ich es? Und wenn wir letzteres damit beantworten können „Weil ich es liebe.“ sind wir auf einem guten Weg.

Sonntag, 24. Februar 2013

Freunde.

Wenn Facebook alle Menschen, die du kennst, deine Freunde nennt, 
verlernst du auf Dauer, was wahre Freunde sind. 

P.S.: Ich glaube, ich bekomme langsam eine Facebook-Allergie.

Freitag, 22. Februar 2013

Das Wesentliche.

Es ist ja gerade Fastenzeit. Also schon seit Aschermittwoch. So manch einer nutzt die Gelegenheit, um den Winterspeck nicht noch um ein paar Frühlingsröllchen zu erweitern, und verzichtet auf Süßigkeiten aller oder besonderer Art oder auf sonstige Essverführungen, denen man sonst nicht so gerne etwas abschlägt. Eine Sache, die mir in diesem Jahr das erste Mal mehrfach über den Weg gelaufen ist, ist das Vorhaben 40 Tage von Facebook und ähnlichen Socialmedia fern zu bleiben. Ich habe mir dieses Jahr gar keine Gedanken ums Fasten gemacht. Vor 2 Jahren habe ich versucht Serien zu fasten, weil es so viel meiner Zeit gefressen hat. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich es durchgehalten habe. Und ich kann mich genauso wenig daran erinnern, ob ich meine Zeit stattdessen „sinnvoller“ genutzt habe. Ich glaube, so ein Schritt wie Facebook-Fasten ist gut. Viele Dinge die wir alltäglich tun, besonders am Computer und Smartphone bringen uns nur Ablenkung von wesentlich wichtigeren Dingen. Jedoch konnte ich schon verfolgen, wie jemand seine Facebookabstinez nicht durchhielt und dies selbstverständlich mit einem Post auf der eigenen Pinnwand versah und sich selbst wenigstens einen Abend in der Woche einräumte um alles „wesentliche“ auf Facebook abzuchecken. Auf der anderen Seite haben sich Leute vorrübergehend von Facebook verabschiedet, indem sie ihren Account haben sperren lassen. Vermutlich änderte eine Person ihres Vertrauens das Passwort. All das sind Wege um von etwas loszukommen, was viel Zeit frisst und wenig einbringt.
Da ich mich wie gesagt selbst erst jetzt mit dem Thema wieder etwas befasse, will ich nun nicht mehr auf den „Fastenzug“ aufspringen. Viel mehr möchte ich lernen aus freien Stücken Dinge zu tun und zu lassen die mir wichtig sind und mir gut tun oder eben nicht. Ohne einen siebenwöchigen „Zwang“. Zum Beispiel sich bewusst eine Stunde am Tag Zeit nehmen für dass, was wirklich wesentlich ist. Eine Stunde Ruhe. Eine Stunde Schreiben. Eine Stunde Musik machen. Eine Stunde Beten. Eine Stunde Nachdenken. Denn das ist es, was mich schon seit langem an der Fastenzeit fasziniert: Nicht der Verzicht, sondern der Fokus auf die Wesentlichen Dinge.
Und wenn ich mich nun für etwas entscheiden müsste, auf dass ich verzichte, wäre es sicher Facebook oder Youtube. Am besten beides. Und ich kann mir vorstellen, wenn ich sieben Wochen Facebook entzogen bekäme, hätte ich keinen großen Bedarf wieder einzusteigen.. Gewagt, aber mein Gedanke.

Eine Stunde ist eigentlich so wenig und verfliegt im Internet so schnell. Die Zeit einfach mal anders nutzen. Vielleicht ein guter Anfang für eine langfristige Veränderung.

Freitag, 15. Februar 2013

Positive Nebeneffekte.

Wir haben eine neue Terrassentür. Das war dringend nötig, denn bei den derzeitig vorherrschenden niedrigen Temperaturen war es kaum möglich in dem anschließenden Teil der Wohnung zu leben. Die alte Tür hat scheinbar alle Wäre direkt nach draußen weitergeleitet, aber was sollen Schnee und Eis mit molliger Heizungswärme anfangen?
Jetzt haben wir eine neue Tür und die Wärme bleibt drinnen. Das ist schon mal ein Grund zum feiern. Aber heute fiel mir auf: Wenn die Wärme im Haus bleibt, wird die ganze Wohnung wärmer und das führt u.a. dazu, dass die Wäsche auf dem Wäscheständer viel schneller trocknet! Eigentlich eine logische Kosequenz, aber nicht primär beabsichtigt und deswegen ein überraschender und erfreulicher Nebeneffekt. Und schneller getrocknete Wäsche führt zu einem nicht ständig vom Ständer vollgestellten Bad und weniger Zeitaufwand bei der Aktion Waschen ansich und so weiter..

Manchmal verändern wir Dinge bewusst oder unbewusst, die viel größere Kreise und weitere Veränderungen nach sich ziehen, die wir eigentlich gar nicht beabsichtigt haben. Deswegen ist es gut zu investieren, nicht nur in dichtschließende Terrassentüren, sondern auch in Beziehungen, unser eigenes Verhalten und unsere Herzenseinstellungen. Denn es wird sich immer mehr verändern, als wir am Anfang gedacht haben und der ein oder andere „Nebeneffekt“ wird uns vielleicht sogar wichtiger werden, als die eigentliche Veränderung.

Dienstag, 5. Februar 2013

Eingeholt.

Eine dicke, weiße Schneeschicht lag auf allem und jedem. Es war Anfang Februar, also eigentlich nicht verwunderlich. Eine Schneegestöber brach auf die Erde nieder und deckte alles zu, was noch wenige Stunden zuvor bereits an Frühling erinnert hatte. Von grünen Wiesen und milder Luft war nichts mehr übrig geblieben.
Sie saß am Fenster und schaute dem wilden weißen Treiben zu. „Es hat uns wieder eingeholt.“, sagte sie leise eher zu sich selbst. „Ja! Das ist ein Wetter, was? Aber im Februar kann man nichts anderes erwarten. Der Winter ist halt noch nicht rum!“ Jemand, der an ihr vorbeigegangen war, hatte scheinbar ihre Worte gehört. Ja. Der Winter war noch nicht um. Es gab noch keinen Grund sich auf den Frühling, auf neues Erwachen, auf Wärme und Farben zu freuen. Immer, wenn es jetzt schon danach aussah, konnte man gewiss sein, dass es sich wieder ändern könnte. Die Frist war noch nicht um. „Nein.“, sagte sie dies mal noch leiser. „Die Frist ist noch nicht um.“ Und mit diesen Worten dachte sie an ihr Herz, an die vergangenen Wochen und Monate, an die dunklen Tage und an die fröhlichen. Die Zeit war noch nicht reif um auf ständige Besserung zu hoffen. Es konnte sie immer noch einholen. Aber es war okay. Denn es war einfach noch Winter.

Montag, 4. Februar 2013

Leerer Raum.

Jeden Tag eine Stunde in einem leeren Raum sitzen. Nur ich. Vier Wände. Eine geschlossene Tür. Vielleicht ein Fenster für ein bisschen Tageslicht. Ein Tisch und ein Stuhl. Etwas Papier. Ein funktionstüchtiger Stift. Und das wars. Was würde wohl dabei rauskommen? Wenn einen nichts und niemand ablenkt und man einfach schreibt um des Schreibens und des Herzens willen. Frei von allen äußeren Einflüssen. Nur auf das Hören, was aus dem Innersten kommt. Kreativ sein. Experemntieren. Sich Zeit nehmen. Abschotten. Nichts mal eben nachgucken. Sich auf sein Hirn verlassen. Keine Perfektion. Nur Arbeit. Nur Leben. Nur Schreiben. Nur ich.

Sonntag, 3. Februar 2013

Bevor das Herz reißt.

„Ein Junge weint nicht, ein Junge beißt sich auf die Zunge, auch wenn das Herz reißt.“

Diese Liedzeile stammt von dem ostdeutschen Liedermacher Gerhard Schöne, den ich sehr schätze, und diese Zeile ist mir in den vergangenen Tagen wieder in den Sinn gekommen. Ich weiß noch, als ich dieses Lied damals die ersten Male gehört habe, vor sagen wir mal zehn bis zwölf Jahren, war mir diese Zeile unbegreiflich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Menschen, egal ob männlich oder weiblich, ihr Emotionen unterdrücken, obwohl sie doch eigentlich anders fühlen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass man nicht weint, wenn es einem danach ist, nur weil man das so gesagt bekommt.
Ja, ich bin ein sehr emotionaler Mensch und ich habe bereits jetzt schon gelernt, dass man in der einen oder anderen Situation etwas runterschluckt und sich zusammenreißt. Ich habe auch gelernt, dass man sich nicht von seinen Emotionen beherrschen und immerzu leiten lassen sollte. Denn ein ruhigerVerstand ist manchmal wichtiger, als ein aufgewühltes Meer an wirren Gefühlen.

Und dennoch: Ich glaube, manchmal ist es gut, zu weinen. Wenn man das Gefühl hat, dass das Herz gleich zerreißt, sollte man vielleicht lieber mal weinen, anstatt es wirklich reißen zu lassen. Denn was haben wir davon trockene Wangen zu haben, aber dafür ein zerrissenes Herz?

Leider habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich mir auf die Zunge biss, obwohl alle „Rahmenbedingungen“ zum Weinen gegeben waren. Aber ich dachte mir: „Ach, deswegen musst du doch jetzt nicht heulen. Wie sieht das denn aus?“

Manchmal frag ich mich, ob wir in unserer Gesellschaft Angst vor echten Tränen haben und ihren Wert nicht mehr zu schätzen wissen? Und das frage ich nicht polemisch in die Runde, sondern das frage ich mich in meinem Herzen. Denn anscheinend habe ich, bei allem was ich dazu gelernt habe, auch irgendetwas verlernt.

Donnerstag, 31. Januar 2013

An die Enten der Welt.

Enten, was ihr seht,
dass würde ich gerne sehen.

Minimalistische Riesenwelt,
voller Grashalme und Brotkrumen.
Ihr habt eure eigene Grütze
und haltet euch vom
Chinamann fern.

Ihr schnattert und flattert.
Quakt und watschelt.
Enten, denkt ihr euch eure Welt
so wie wir die unsere?

Voller Alltag und Aufgaben
oder schwimmt ihr einfach
fröhlich im Kreis
um danach mit dem Kopf
unterm Flügeli
ein Schläfchen zu halten?

Enten, was ihr seht,
in dieser Welt,
in Grashalmen, Brotkrumen
und trüben Gewässern,
werde ich nie sehen.


Jetzt fragt sich sicher so mancher: Was ist das für ein Stumpfsinn? Und ich sag dir: Das ist Schreipfsinn. Nach einem langen Tag klickte ich mich durch eine Playlist und entdeckte den Titel „Enten, was ihr seht“ und hielt es für einen gelungenen Einstieg einer literarischen Ausführung. Nein. Eigentlich nicht. Eigentlich heißt das Lied „Ernten, was man sät“, aber mein Kopf machte daraus „Enten, was ihr seht“ und irgendetwas hat in meinem Hirn geschaltet und heraus kam dieser Text. Überflüssig und so komisch, dass ich dachte ich zeig mal, was mein Schreibhirn macht, wenn es eigentlich besser schon ausgeschaltet wäre. Was es so gut wie nie ist.
Und am Ende finde ich den Gedanken in diesem „Gedicht“ oder was auch immer es ist, eigentlich ganz interessant.. Denn sind wir nicht alle irgendwie Enten und sehen die Welt so wie keiner sonst? Okay. Ich hör schon auf.

Freitag, 25. Januar 2013

Unvergessen.

Sie saßen an einem alten Hoztisch, die leergegessenen Teller waren zur Mitte geschoben und die Weingläser an ihren Platz gesetzt. Sie unterhielten sich über große Personen des öffentlichen Lebens. Bekannt, beliebt, geschätzt. Sie sinnierten gerade über die Taten eines solchen Menschen, als sie sagte: „Stell dir vor wie es wäre, wenn einer von denen morgen sterben würde!“ „Ja, und?“, erwiederte ihr Gegenüber. „Dann sind sie halt tot.“ Er erhob sein Glas, wie zum Anstoßen und nahm dann einen Schluck des billigen Weines, den sie tranken. „Ist das dein Ernst? Wäre es nicht komisch, wenn sie plötzlich weg wären?“ Sie sah ihn fragend an. Sein Gesichtsausdruck blieb gleichgültig. „Menschen werden geboren, sterben und werden vergessen. An all das, was sie heute Tun, wird sich in zwanzig Jahren niemand mehr erinnern, geschweige denn an ihre Namen.“ Erschüttert von dieser Trockenheit, nippte sie an ihrem Weinglas. „Bist du da nicht etwas zu pessimistisch? Es gibt doch immer wieder herausragende Persönlichkeiten in der Weltgeschichte. Woher willst du wissen, dass sie alle vergessen werden?“ Er sah sie belustigt an. „Die Menschen, an die wir uns heute noch erinnern, und meistens kennen wir dann auch nur den Namen und einen kleinen Ausschnitt ihres Lebens, sind nur ein winziger Bruchteil der Menschheit, die vor uns über diesen Planten gewandert sind. Niemand erinnert sich an all die namenlosen Menschen mit ihren unspektakulären Leben.“ Und wieder erhob er sein Glas, als wolle er eben diesen Millionen vergessenen Persönlichkeiten zuprosten. Sie drehte ihr Weinglas langsam und nachdenklich in ihren Händen. „Du meinst also, wenn ich morgen sterben sollte, wird sich niemand an mich erinnern können?“ Er lachte leise: „Und auch mich wird jeder vergessen haben in zwanzig Jahren.“ Sie blieb ernst und beobachtete ihn eine Weile lang. Dann sagte sie, mehr zu sich und ihrem Weinglas: „Ich möchte nicht vergessen werden.“ Wieder lachte er: „Du willst es also ins Guinnesbuch der Rekorde schaffen, einen Oscar gewinnen, weltberühmt werden und später in jedem Geschichtsbuch verzeichnet sein?“ „Nein“, sagte sie ruhig. „Ich will nur nicht vergessen werden.“ Und als er sie fragend ansah, erklärte sie: „Ich muss nicht weltberühmt werden. Ich muss auch nichts gewinnen. Ich will einfach nur so leben, dass sich die Menschen, denen ich begegne, an mich erinnern. Im Positiven. Ich will, dass sie sich in Freude an mich erinnern, lachen und weinen vor Erinnerung, erzählen und ein bisschen von dem Weitergeben, was mir wichtig ist. Das reicht mir. Aber das will ich. Ich will nicht vergessen werden.“

Dienstag, 22. Januar 2013

Festgefahren?

Etwas was mich schon länger beschäftigt: Wie festgefahren sind wir eigentlich? Oder: bin ich?
Mein lieber Gedankenflugblog ist schon ganz schön alt. Und ich mag ihn. Und verbinde mit ihm ein ganz bestimmtes Schreibgefühl.
In den letzten Wochen habe ich viel geschrieben, viel mehr, als ich hier gepostet hab. Das freut mich. Aber es zeigt mir auch, dass ich ein nicht weiter definiertes Raster habe, nach dem ich Texte hierfür auswähle oder eben auch nicht. Schön und gut.

Heute hatte ich total Lust auf ein kleines Experiment und Freude am Schreiben. Und es kam mir vor, als würde es nicht hierherpassen und dennoch wäre es eigentlich ein netter Blogpost. Also hab ich kurzerhand einen kleinen Nebenblog aufgemacht. Wer weiß, wie stark ich ihn beschreiben werde. Aber so wie ich im realen Leben auch mehrer (wenn nicht zig) Notizbücher und Blöcke habe, die alle für einen anderen Schreibschlag gedacht sind (ich weiß nicht, ob irgendjemand versteht, wovon ich rede..), so brauch ich vielleicht auch im virtuellen mal sowas. Beziehungsweise habe ich ja schon meinen beleuchtet. Blog für einen spezielleren Themenbereich. Und jetzt kommt eben noch einer. Und vielleicht mag ich ihn und vielleicht nicht. Wir werden sehen. Aber ich will ihn euch keines Falls vorenthalten. Wer also was literarisch, philosophisches und vielleicht nicht immer so ernstes oder eben doch lesen möchte, schaut hier vorbei:


Und der Gedankenflug wird dadruch hoffentlich nicht vernachlässigt. Vielleicht passiert sogar genau  das Gegenteil. 

Man liest sich. Hier und dort.

Montag, 21. Januar 2013

Zeitreise

Hätten wir gewusst, wer wir heute sind.
Hätten wir geahnt, was wir alles nicht sind und vielleicht auch niemals sein werden.
Hätten wir erwartet, wen wir alles verlieren in dieser Zeit.
Hätten wir gewusst, dass vieles nicht mehr so ist, wie es einmal war.
Hätten wir gedacht, dass vieles nicht so werden würden wie wir glaubten.
Hätten wir uns dann anders verhalten?
Hätten wir anders gedacht, gelacht, geliebt, gehasst?

Nein.

Denn wir lebten unser Leben so gut wir es konnten
und planten die Welt, so wie wir sie verstanden.
Und heute sind wir hier und machen es genauso.
Wer weiß, wo wir sein werden in ach so vielen Jahren.
Wichtig ist nur, dass wir (wir) sind.

Dienstag, 15. Januar 2013

Das bin ich.

Immer wieder die gleiche Frage. Wer bin ich eigentlich. Und wer sagt mir das. Und wer beurteilt ob das, was ich bin, gut ist. Man ist alles. Irgendwie. Kind und Erwachsen. Stolz und bescheiden. Verantwortungsbewussst und verantwortungslos. Erfolgreich und versagend. Gut und nicht gut. Schön und nicht schön. Glücklich und traurig. Gesellig und Einsam. Perfekt und unperfekt. Wir sind alles. Und sehen davon immer nur ein bisschen. Und am meisten das, was uns stört. Wäre ich also ein stolzes Kind, das verantwortunglos versagt und dabei nicht gut, unschön traurig und einsam ist. Oder doch der bescheidene Erwachsene der verantwortungsbewusst und erfolgreich gut, schön und glücklich ist und deswegen gesellig? Schwarz und Weiß ist die Welt. Nicht grau. Wir sehen uns immer nur mit dem einen Blick und übersehen das wesentliche: dass wir unperfekt perfekt sind. Dass wir in einem gut und in anderem nicht gut sein können. Dass wir manchmal glücklich und manchmal traurig sind. Und manchmal beides zugleich. Und trotzdem hat es seine Richtigkeit. Wir vergessen, dass man in Gesellikeit einsam sein und in der Einsamkeit Geselligkeit finden kann. Wir verstehen nicht, dass Erfolg und Versagen Parameter sind, an denen sich niemand messen kann. Und dass man immer Kind und Erwachsen sein wird.
Die einzige Frage die bleibt ist: Wer beurteilt wer oder was ich bin? Ich? Die anderen? Gott?
Am Ende zählt wohl, wer ich bin, wenn keiner hinsieht. Wenn ich einfach nur bin. Das bin ich.

Montag, 7. Januar 2013

Versagen.

Stell dir vor, alles, was du tust, gelingt dir.
Stell dir vor, nichts, was du tust, ist umsonst.
Jeder deiner Atemzüge ergibt einen Sinn.
Jeder deiner Schritte ist wichtig.

Wie würde sich die Welt verändern,
wenn wir nicht mehr versagen würden,
weil es kein Versagen mehr gibt?

Donnerstag, 3. Januar 2013

So schwer.

Mein Kopf so schwer wie ein Planet. Bin nicht mehr in der Lage, ihn selbst zu halten. Versuche ich es, rollt er zur Seite oder fällt nach vorn. Ich bin so erschöpft von allem um mich herum und allem in mir drin. Ich kann es selbst nicht halten.
Dann kommst du an meine Seite, bietest mir deine Schulter an, auf der mein schwerer Kopf ausruhen kann. Ein Ort, wo ich nicht mehr selbst stark sein muss, sondern loslassen kann, ohne Angst zu haben, den Kopf zu verlieren.
„Lehn dich an“, flüsterst du in mein Ohr und ich tue nichts lieber als das. Bei dir zur Ruhe zu kommen, ist mein Glück.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Neujahrsspaziergang.

Sie liefen zwischen zwei Feldern entlang. Er hatte einen großen weißen Regenschirm mitgebracht, der sie vor dem penetranten Regenfäden schütze. Der Weg war matschig und sie mussten so manche Pfütze umrunden. Das neue Jahr hatte kein besseres Wetter gebracht, schon seit Mitte Dezember war es so warm geworden, dass mit weißer Weihnacht oder einem verschneiten Neujahr niemand mehr gerechnet hätte. Doch dieses ungemütliche Wetter verhinderte nicht, dass eine seltsam aufgeregte, zum zerreißen angespannte Stimmung zwischen den beiden Spaziergängern knisterte.
Er hatte sie doch tatsächlich angerufen. Am Silvesterabend. Nicht, dass sie nicht damit gerechnet hätte, dass er ihr einen guten Rutsch oder nach Mitternacht ein frohes neues Jahr hätte wünschen wollen. Aber das er sich wirklich an sein Versprechen erinnern würde und dass er diese Aussage, die er gemacht hatte, überhaupt so ernst genommen hatte, damit hätte sie nicht gerechnet. Vor einem halben Jahr war er zu viele Kilometer zum Studium weggezogen, als dass man sich in den unregelmäßigen Abständen hätte sehen können, wie sie es zuvor gemacht hatten. Als sie sich das letzte Mal sahen, hatte er gesagt: „Ich schenke dir den ersten Spaziergang im Neuen Jahr mit mir.“ Ein seltsames und albernes Versprechen, wenn auch irgendwie besonders. So besonders, dass sie keinem davon erzählt hatte. Sie hatte ja eh nicht damit gerechnet, dass er diesen Satz ernst nehmen würde.
Aber gestern Abend rief er an, wünschte ihr einen guten Rutsch und fragte sie, ob sie sich noch an ihre letzte Begegnung erinnern könnte. Sie war völlig verwirrt und aufgewühlt ins neue Jahr gestartet, denn er hatte sich mit ihr zum Neujahrsspaziergang am nächsten Tag verabredet und hatte pünktlich vor ihrer Haustür gestanden.

Ich hatte irgendwie gehofft, dass wir durch eine idyllische Schneelandschaft laufen würden.“, sagte er nach dem sie eine Weile lang schweigend, aber auf Grund des Regens und des Regenschirms dicht beieinander, nebeneinander hergegangen waren. „Tja, da hast du wohl was Falsches bestellt.“, versuchte sie zu witzeln und merkte, dass es ausgesprochen nicht lustiger klang, als in ihrem Kopf. Er lachte trotzdem leise und sagte: „Ich habe mein Bestes gegeben.“ Sie liefen weiter, konnten an dem wenigen Gesprächsfetzen nicht anknüpfen. Sie merkte, wie sich in ihrem Herzen eine trübe Stimmung ausbreitete. Nach der ganzen Euphorie des Anrufs am vorangegangen Abend merkte sie, wie alle ihre Erwartungen und all die Freude langsam verpuffte. Aber was hatte sie denn erwartet? Romantik? Ein ungezwungenes Wiedersehen? Eine besondere Nachricht? Er lief neben ihr her, sein Blick war auf die nasse Landschaft gerichtet. Als er plötzlich stehenblieb, kam sie fast ins Stolpern, so unerwartet brach er den schweigsamen Trott ab und wendete sich ihr zu. „Weißt du,“ fing er an und sah auf ihre Stirn. „Ich hatte gehofft, das Schnee liegt. Ich hatte gehofft, dass wir genauso fröhlich und unverkrampft miteinander reden können wie früher.“ Ihre Blicke trafen sich kurz, doch sie hielt es nicht lange aus, zu sehr fühlte sie eine unbeschreibliche Stimmung zwischen Anklage, Enttäuschung und Aufregung. „Aber irgendwie geht das nicht.“ Sie fasste kurz Mut und fragte: „Weißt du woran das liegt?“ „Ja,“ antwortete er überraschend schnell. Nun blieb ihr vor Erstaunen und Neugier nichts anderes übrig, als ihm direkt in die Augen zu schauen. „Ich habe mich so sehr darauf gefreut, dich endlich wieder zu sehen. Schon seit einem halben Jahr freue ich mich auf Neujahr. So oft habe ich mir vorgestellt wie wir uns heute treffen und miteinander hier lang laufen. Und jetzt merke ich, dass ich eines dabei vergessen habe.“ Sie sah ihn fragend an. Er schaute über ihre Schulter hinweg in die Ferne und sie konnte sehen, wie er nach den richtigen Worten suchte. Er holte tief Luft und sagte leise: „Ich.. ich habe dabei nicht gewusst, wie sehr ich dich vermisse. Und wie unsagbar schön es ist, neben dir zu sein. Und wie sprachlos du mich machen kannst. Und wie schlimm es ist, so weit weg von dir zu sein. Und dass ich viel lieber immer und immer und immer mit dir durch den Regen laufen würde, auch wenn wir kein Wort sagen würden.“ Eine wohlige Wärme durchfloss ihren Körper und spülte all die Betrübnis fort, die sich in ihrem Herz gesammelt hatte und sie merkte, wie ihre Wangen rot und heiß wurden. „Mir war nichts wichtiger, als den ersten Tag diesen neuen Jahres mit dir zu teilen.“, schloss er noch leiser. Sie sah ihn mit großen Augen an. Ihr Herz fühlte sich unendlich groß an und eine Millisekunde wusste sie nicht was sie tun sollte. Dann, sehr plötzlich, schlang sie ihre Arme um ihn, drückte ihn an sich. Einen Moment stand er nur ganz still da ohne sich zu bewegen, dann legte er den Arm, der nicht den Regenschirm festhielt, um sie und erwiederte die Umarmung. „Ich habe dich auch vermisst. So sehr.“, flüsterte sie in seine Jacke unter dem weißen Regenschirm in der verregneten Landschaft stehend.
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