Sonntag, 27. Juni 2010

Ohne Garantie.

Als ich mich letztens mit einer Freundin unterhielt fragte sie mich, ob ich keine Angst vor der Zukunft hätte und ich antwortete ihr mit dem tollen Postkartenspruch: Wer im Leben eine Garantie haben will, soll sich einen Toaster kaufen.
Die meisten Dinge machen wir im Leben ohne Garantie. Wir gehen schlafen, ohne die Garantie zu haben, dass wir am nächsten Morgen wieder aufwachen. Wir fahren Auto, ohne die Garantie zu haben, dass wir keinen Unfall bauen. Wir lassen uns auf Menschen ein, ohne die Garantie zu haben, dass es immer funktioniert.
Was ist eigentlich Garantie? Nach Wikipedia ist Garantie in der Umgangssprache „die Zusicherung der Funktionsfähigkeit von Gütern – insbesondere technischer Konsumgüter – für eine bestimmte Periode. Bei Funktionsmängeln während dieser Periode verpflichtet sich der Hersteller, der die Garantie abgegeben hat, die Funktionsfähigkeit kostenlos wieder herzustellen.“
Garantie heißt also eigentlich nicht „für immer“. Es heißt eher, dass man etwas immer wieder heile gemacht bekommt, wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll.
Im Leben gibt es keine Garantie. Niemand kann etwas einfach wieder heile machen, wenn Menschen sich streiten und getrennte Wege gehen. Niemand kann sein Leben austauschen, wieder funktionstüchtig machen, wenn es mal nicht funktioniert. Und wenn man stirbt, kann man das auch nicht wieder gut machen. Es gibt keine Garantie.
Wenn ich länger darüber nachdenke macht mir das natürlich Angst. Man möchte Sicherheiten im Leben. Man wünscht sich, dass alles funktioniert und wenn es mal Probleme gibt, dass man sie beheben kann. Doch das geht halt oftmals nicht.
Ich glaube, die einzige „Garantie“ die man im Leben haben kann heißt Vertrauen. Ich muss in mein Auto und in meine Fahrkünste und in die Autos und Fahrkünste der anderen vertrauen um sicher anzukommen. Ich muss anderen Menschen vertrauen können, um mit ihnen Beziehungen zu bauen und auch durch schwierige Situationen hindurch zu kommen. Und ich muss Gott vertrauen, dass ich morgen wieder aufwache.
Wenn man schon keine Garantie im Leben hat, sollte man wenigstens Vertrauen haben. Denn ich glaube, ohne Garantie und ohne Vertrauen, wird das Leben wirklich schwer.

Danke fürs lesen.

Sonntag, 13. Juni 2010

Tausend und ein Buch.

Da ich im letzten Post geschrieben habe, dass ich faktisch eine Menge (guter) Bücher habe, wollte ich heute nochmal darauf eingehen. Ich habe wirklich schon eine Menge Bücher, die alle schön in meiner dunklen IVAR-Wand in meiner kleiner Wohnung stehen. Ich muss gestehen, dass ich eigentlich nie übermäßig viel gelesen habe. Als ich kleiner war fand ich es mühselig. In der anfänglichen Jugendzeit gab es keine Bücher, die mich begeistert haben. Entweder waren sie zu „kindisch“ und langweilig oder zu spannend oder zu dick. Deswegen hab ich angefangen Geschichten zu schreiben (wer sich daran erinnern kann: die „Sara und Ben“-Geschichte), damit mal GUTE Geschichten auf den Markt kommen. Haben auch einige Menschen gelesen. Aber fertig geworden ist sie bis heute nicht. Dann musste ich einige Bücher für die Schule lesen, was mich aber nicht dazu gebracht hat, auch in der Freizeit zu lesen. Dann kamen die Harry Potter Bücher, die ich alle gelesen hab und dann kamen noch ein paar mehr dazu.
Aber das BEDÜRFNIS zu lesen, hab ich erst seit meinem Studium. Ich glaube nicht, dass es etwas damit zu tun hat, dass ich Germanistik studiere.. oder vielleicht doch?
Mein Problem ist vor allem folgendes: Ich möchte am liebsten ALLES lesen, aber nicht alles interessiert mich immer zur gleichen Zeit. Deswegen lese ich parallel. Im Moment sind es sechs Bücher, die ich parallel lese. Ich dachte, ich stell sie euch mal hier vor.

Nummer 1
Anna Karenina von Tolstoi. 975 Seiten. Ich bin bei 383. Ein schönes Buch. Ein Roman. Spielt irgendwann im 19. Jahrhundert, meinem Lieblingsjahundert. Ist aber zwischendurch etwas zäh und ausführlich. Aber mein Ziel ist es durchzukommen. Ich bin in einem Seminar drauf gestoßen, in dem wir eine Szene aus dem Werk analysierten. (also ist doch auch das Studium ein bisschen Schuld^^)

Nummer 2
Aus Tränen werden Edelsteine von Robert H. Schuller. 198 Seiten. Ich bin auf Seite 83. Ein Sachbuch über Schmerz- und Leidüberwindung. Lässt sich relativ leicht lesen, aber der Inhalt ist nicht immer so leicht zu verarbeiten. Hat mir meine Mutter empfohlen. Das schaff ich wohl in den nächsten Wochen.

Nummer 3
Der ewige Wandere von Angela E. Hunt. 334 Seiten. Ich bin auf Seite 31... Ich glaube, ich würde das Buch verschlingen, aber es ist das Buch, was mein Freund und ich uns eigentlich gegenseitig vorlesen wollten. Aber wir sind noch nicht allzu weit gekommen wie man sieht. Mal sehen, wann es weiter geht.

Nummer 4
Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wild. 313 Seiten. Aktueller Stand: Seite 85. Ich hab den Trailer zu der Verfilmung gesehen und dann gabs das Buch für zwei Euro bei Weltbild und ich hab es mitgenommen. Da es sehr handlich ist, hab ich es meistens dabei, wenn ich irgendwo Wartezeiten einrechne und komme deswegen auch nicht ganz so schnell voran. Ist aber eigentlich ganz gut geschrieben aber noch nicht so spannend.

Nummer 5
Das Vorbild von Siegfried Lenz. 526 Seiten – Seite 42. Vermutlich ein sehr guter Roman. Lese ich aber nicht so oft, weil Lenz einfach so starke Charaktere ausarbeitet, dass ich mir viel mehr Zeit und Gedankengut mitnehmen müsste um es ordentlich zu lesen. Ausgeliehen von meiner Mutter.

Nummer 6
Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery. 362 Seiten – Seite 55. Habe ich gleich von zwei meiner Schwestern wärmstens empfohlen bekommen. Ist mir jedoch als Einschlaflektüre zu strange und deswegen längere Zeit schon nicht mehr gelesen worden. Möchte ich aber eigentlich auch nochmal fertig kriegen.

Das wars. Überübermorgen fangen meine Semesterferien an. Ich bin gespannt, wie viel ich lesen werde von diesen Werken. Vielleicht mach ich dann nochmal eine Aktualisierung. Das Problem ist wohl, dass ich mir zu wenig Zeit nehme um wirklich intensiv zu lesen. Das liegt wohl daran, dass ich mich gerne in Geschichten „fallen lasse“ und ganz in ihnen versinke. Aber wenn ich schon weiß, dass ich dafür eigentlich keine Zeit habe, fange ich auch gar nicht richtig damit an.
Soviel zum Thema: Gute Bücher.

Samstag, 12. Juni 2010

Warteschleifen

Manchmal muss man warten. An Ampeln, an der Kasse, auf andere Menschen, auf ein Ziel. Warten kann sehr ermüdend sein und ich neige dazu entweder die Zeit so einzurichten, dass ich nicht warten muss oder mir etwas zur Überbrückung mitzunehmen. Als ich letzte Woche zum Bürgeramt ging, nahm ich ein Buch mit, denn ich rechnete damit einige Zeit warten zu müssen (kam jedoch gar nicht zum lesen, weil die Wartezeit nur fünf Minuten lang war, die ich dazu nutzte meine Mitmenschen zu beobachten..). Warten ist nervig, wenn man unter Zeitdruck steht oder wenn man keine Geduld hat. Geduld ist eine Tugend und Tugendhaftigkeit ist nicht weit verbreitet.

Neben solchen meist doch eher kürzeren Wartezeiten gibt es auch Warteschleifen, in denen man hängt, weil man lange auf etwas wartet und davon etwas abhängig ist. In meinem Leben gibt es eine Menge Warteschleifen. Ich habe Ziele, die ich erreichen will, aber für die ich nicht allzu viel tun kann, sondern in erster Linie warten muss. In den letzten Jahren habe ich zum Beispiel darauf gewartet, dass ich mein Abitur mache und anfangen kann zu studieren. Natürlich konnte ich etwas dafür tun, dass mein Abi gut wird und mein Studium planen, aber letztendlich musste ich die 13 Jahre trotzdem absitzen und warten (wobei ich nicht von der ersten Klasse an aufs Abi gewartet hab ;-) ). Und jetzt studiere ich und warte darauf meinen Bachelor zu machen. Es gibt auch kleinere Warteschleifen, wie die Wartezeit bis Montagabend, wo ich meine letzte Klausur schreibe und das Semester endlich vorbei ist. Darauf warte ich sehr. Und es gibt auch größere Warteschleifen, wie z.B. mein Wunsch eines Tages zu heiraten. Auch da muss ich warten, dass die Zeit vergeht.

Die Frage ist wohl, was man mit der Zeit in diesen Warteschleifen anfängt. Mir kommt es aktuell öfter so vor, als ob ich mein Buch vergessen hätte und so keine Ablenkung von der Wartezeit hab. Und nur sehe: Ich muss warten und die Zeit vergeht zu langsam. Und dann kann ein Tag sehr lang werden.
Faktisch habe ich eine Menge Bücher, auch eine Menge Musik und theoretisch eine Reihe von Dingen die getan werden könnten. Aber das ich warte, merke ich doch. Und leider ist meistens nach dem Warten vor dem Warten.

Hat nicht jemand „ein gutes Buch“ um die Warteschleifen im Leben zu verkürzen?

Samstag, 5. Juni 2010

Gewohnheitsungeheuer

Es ist nichts Neues, dass das Leben sich ab und an verändert. Allein in diesem Blog kann man meine beide Umzüge in neue Leben verfolgen (2007/2009). Neue Lebensabschnitte werden eingeleitet durch das Hinzukommen oder das Weggehen von Menschen, die einem wichtig sind oder durch berufliche Neuerungen. Auch können bewusste Entscheidungen das Leben stark verändern. Wie gesagt, dass ist alles nichts Neues.

Ich hab mich heute gefragt, wie viele Veränderungen der Mensch in seinem Leben so mitmacht. Wie viel ein gesundes Maß ist, wann es zu viel wird und wann es zu wenig ist. Und ob man das überhaupt messen kann. Vermutlich kann man es nicht.
Veränderungen passieren, gewollt und ungewollt, gegen das meiste kann man nichts machen und es bringt einen trotzdem nicht um, auch wenn man sich erst einmal daran gewöhnen muss.

Aber ich glaube, richtig schwierig sind vor allem die Dinge, zu denen man sich bewusst entscheiden will oder auch muss. Wenn es an einem selbst liegt, ob diese Veränderung wirklich von Dauer ist oder nur eine Tages- oder meinetwegen Wochenlaune. Denn dort zeigt sich: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Durch und durch. Wir gewöhnen uns an Dinge und leben mit ihnen, meist ohne sie großartig zu reflektieren. Und manchmal entwickeln wir so ein „Ur-Anspruch“: Das hab ich schon immer so gemacht. Dabei habe ich mich schon immer nicht gut gefühlt. Das fand ich schon immer toll.
Und wenn dann der Bedarf nach Veränderung auftritt, sei es durch innerliche Wünsche oder äußerliche Einflüsse, und man bewusst entscheiden muss: Diese oder jene Eigenschaft will ich ändern, diesen Punkt in meinem Tagesablauf möchte ich den Kampf ansagen oder ähnliches, dann kommt das Gewohnheitstier und manchmal auch Gewohnheitsungeheuer in uns hoch und wir sehen uns ÜBERHAUPT NICHT in der Lage irgendwas an uns und an den Umständen, die uns umgeben, zu ändern. Oder es fällt uns zumindest sehr schwer.
Unbewusste Veränderungen sind meisten einfacher zu verarbeiten, ebenso wie offizielle oder bedeutsame, wie ein Umzug in eine neue Stadt. Natürlich fällt die Veränderung auf, aber man kann in den wenigsten Fällen nach drei Tagen sagen: So, jetzt hab ich doch keine Lust mehr darauf. Es gibt zwar vielleicht Momente, in denen man das denkt, aber solche Veränderungen macht man selten rückgängig.
Ganz im Gegenteil zu Veränderungen, die das alltägliche Leben betreffen. Wie z.B. Ordnung halten (bin ich kein Held drin) oder aber auch Bibel lesen (was für mich als Christ eigentlich wichtig ist) oder irgendwelche Neuerungen durchzuziehen, die man sich vorgenommen hat (neuer Style, neue Frisur, neues Auftreten o.ä.).. Die meisten Sachen macht man ein paar Mal, aber es entspricht nicht der Gewöhnung und man merkt, dass die Veränderung vielleicht mit Arbeit und Überwindung verbunden ist. Und das kann anstrengend sein – und dann lässt man es gleich wieder.
Dazu neige ich. Und das ärgert mich an einigen Stellen in meinem Leben.

Ich hab gehört, wenn man sich etwas neu angewöhnen will, muss man es einmal vier Wochen am Stück durchhalten und dann zählt das Gehirn oder das Gewohnheitsungeheuer oder wer sonst dafür zuständig ist diese Veränderung als neue Gewohnheit an.
Ich hab es selbst noch nicht ausprobiert oder solche eigenen, bewussten Veränderung noch keine vier Wochen durchgehalten, weshalb ich nicht sagen kann, ob es funktioniert.

Aber was ich sagen kann, ist dieser Gedanke:
Ich glaube, nicht alle Dinge, die man im „Ur-Anspruch“ sieht können nicht auch mal verändert werden. Und dem Gewohnheitsungeheuer darf auch mal der Kampf angesagt werden.
Auf dass man Erfolg hat. Wichtig ist wohl am Ende nur, dass man mit seiner bewussten Veränderung glücklich wird.
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