Montag, 17. Oktober 2011

Laubgebläse.

Mit der herbstlichen Jahreszeit, in der wir uns gerade befinden, passiert es jedes Jahr, das alle Laubbäume ihre Blätter verlieren. Das ist ein ganz natürlicher Prozess und es ist überhaupt nichts Neues daran. Die Blätter verfärben sich, sterben ab und machen letztendlich Platz, damit im nächsten Frühjahr die neuen Knospen raus kommen und sich breit machen dürfen und zu einer neuen Blätterpracht wachsen.
Wenn sich die Blätter von ihrem Baum lösen und zur Erde segeln tun sie das in den seltensten Fällen alle gleichzeitig. Zu unterschiedlichen Zeiten und durch unterschiedliche Windstöße werden immer mal ein paar Blätter herunter gerissen, bis der Baum irgendwann ganz kahl ist. So kommt es, dass jeden Tag ein paar mehr Blätter auf dem Boden um den Baum herum liegen.

Als ich letztens durch die Stadt lief, musste ich von meiner gewohnten Strecke abweichen, weil dort Landschaftsmenschen mit Laubgebläsen die Blätter zusammengepustet haben, um sie dann in ein Transporter zu schaufeln und irgendwo anders hinzubringen. Diese Laubgebläse machen unheimlich viel Lärm und wirbeln nicht nur die Blätter, sondern auch allen Staub und Dreck der Straße auf und es ist unangenehm dieses aufgewirbelte Zeug in die Augen zu bekommen.
Ich ärgerte mich also, dass sie mit diesen lauten Maschinen das Laub weg bliesen und dachte mir: „Das hat doch eh keinen Sinn, morgen fallen neue Blätter herunter und ihr müsst den ganzen Kram wieder von vorne anfangen.. spätestens in zwei Tagen liegt genau die gleiche Laubmenge dort rum.“ Und ich fragte mich, warum man nicht einfach wartet, bis alle Blätter ihren Weg nach unten gefunden haben um dann mit einem Rutsch alles weg zu machen. Natürlich würde das dann länger dauern. Vielleicht ließ sich das Laub dann auch nicht mehr so gut rumpusten, weil es ja bis in zwei Tagen eventuell regnen könnte und dann pappen die Blätter alle schön zusammen. Aber wäre es am Ende nicht angenehmer, alles auf einmal zu machen, als jeden Tag neu mit der Arbeit anzufangen?

Ich glaube, so ist es auch in unserem Leben, wenn wir in schwierigen Zeiten und Phasen stecken und man das Gefühl hat, jeden Tag kommt irgendwas dazu, was einen noch mehr nervt und hier noch ein Problem, da eine Unstimmigkeit, dort hinten ein Konflikt und da kommt auch schon eine neue Fuhre Sorgenblätter auf uns herunter gerauscht. Das kennt man doch. Und da lohnt es sich doch fast nicht, sich mit jedem Problemblatt einzeln auseinanderzusetzen. Sollte man nicht einfach abwarten, bis der Problemregen einfach irgendwann von alleine aufhört? Und überhaupt, über Laub kann man auch laufen – kann ich dann nicht einfach die Probleme liegen lassen? Sie werden dann zwar vielleicht zu einem großen Teppich, aber wen stört das schon. Oder vielleicht schneit es ja auch bald und überdeckt die ganzen Probleme mit seinem schönen Weiß...

Das Problem an unseren Problemen ist, sie gehen nicht von alleine weg und es wird nicht einfacher mit ihnen zu leben, wenn sie mehr werden. Sie werden dann zu einer großen Problemmasse, auf der wir sehr schnell ausrutschen können und dann am Boden liegen.

Deswegen ist es sinnvoll jeden Tag zu schauen, welche Probleme heute auf unseren Lebensboden gefallen sind und sie nicht nur zu sehen, sondern auch was gegen sie zu unternehmen. Und auch wenn das Laubgebläse laut ist und Energie verbraucht und Staub aufwirbelt: Wir werden froh sein, am Ende nicht alle Probleme auf einmal bewältigen zu müssen, wenn wir jeden Tag etwas daran arbeiten die Probleme zu beseitigen.

Also rede mit der Person, mit der du im Streit liegst. Öffne die Briefe, vor denen du dich fürchtest. Mache die Anrufe, die du schon seit Wochen vor dir herschiebst. Setz dich hin und denke über dich und dein Verhalten nach und arbeite dran. Sonst wirst du früher oder später auf die Schnauze fallen.

Danke fürs Lesen.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Jetzt ist es auch egal.

Der Regen fällt in langen, schrägen Fäden auf die Erde. Wasser rinnt über die Dachziegel der Häuser. Menschen mit Regenschirmen eilen über die Straße und suchen ihren Weg ins Trockene.
Das Herbstwetter ist, wie angekündigt, eingetroffen.

Heute Morgen noch hat sich jemand bei mir beklagt, dass es so warm sei. „Ich hätte nichts dagegen, wenn jetzt der Herbst mal kommen würde. Ist ja nicht normal, dass es so warm ist!“ Ich kann mich nicht beklagen, ich fand die warmen, sonnigen Tage schön. Gleichzeitig habe ich mich heute gefreut, als mit der Herbstwind die Haare zerzauste. Aber ich mag ja auch den Herbst.

Aber irgendwie kam mir die Bemerkung über das warme Wetter undankbar vor. Da gibt sich der Herbst alle Mühe, uns etwas für den miserablen Sommer zu entschädigen und das einzige, was uns dazu einfällt, ist: „Du kannst dir deine Sonne sonst wo hin stecken. Jetzt ist es auch egal.“
Wir sind wie kleine Kinder, die etwas haben wollen und zwar sofort. Und wenn wir es nicht bekommen, dann sind wir beleidigt. (Man denke an alle Sommer-Beschwerden.) Aber wenn wir es dann doch plötzlich bekommen, aus welchem Grund auch immer, dann sind wir nicht wie kleine Kinder. Die würden sich einfach daran freuen, dass sie das, was sich gewünscht haben, bekommen, wenn auch verspätet. Nein, dann sind wir total „erwachsen“ und tun so, als ob wir es jetzt gar nicht mehr haben wollen, finden genug Gründe, es nicht anzunehmen und in einer Mecker-Haltung zu bleiben.
Und ich bin davon überzeugt, dieses Verhalten legen „wir Erwachsene“ nicht nur bei Wetterfragen an den Tag.
Wenn du um etwas bittest und es später bekommst, als du es dir vorgestellt hast – bist du dann dankbar oder vorwurfsvoll?
Wenn dich jemand um Verzeihung bittet, später als du es für angemessen gehalten hättest – vergibst du ihm dann oder bist du weiter beleidigt und distanziert?
Wenn dich jemand anrufen sollte oder du mit jemanden verabredet bist und er es später tut oder später kommt als vereinbart – freust du dich dann, Zeit mit der Person zu verbringen oder bist du genervt, weil dein Zeitplan gestört wurde?

Ich glaube, es ist wertvoller, sich wie ein Kind zu verhalten und sich über etwas zu freuen, auch wenn es später kommt als erwartet, anstatt sich „erwachsen“ mit den Worten „Jetzt ist es auch egal.“ abzuwenden.

Danke fürs Lesen.

Montag, 3. Oktober 2011

Überwindung.

Es gibt Tage, die sind eigentlich gut, auch wenn sie sich nicht so anfühlen. Man macht Sachen, die einen viel Überwindung kosten. Ruft vielleicht jemanden an, beantwortet eine Mail, setzt sich an etwas, was man lange vor sich hergeschoben hat, räumt mal richtig auf, kehrt vielleicht seit längerem in sich, ist ehrlich zu sich selbst und zu seiner Umwelt.
Was dabei raus kommt, sind nicht immer gute Gefühle. Da kann Frust entstehen oder auch Angst. Manches, was man endlich mal in Angriff nimmt, hat man vielleicht schon so lange vor sich her geschoben, dass es knapp wird oder Probleme geben könnte. Oder es sind Probleme, die man anfängt zu bearbeiten, bei denen mehr Rattenschwanz hinterher kommt, als man sich vorgestellt hat.
Im gesamten ist man am Abend dann vielleicht erschöpft, erschlagen, erledigt. Vielleicht auch noch nicht befriedigt, weil man für ein Projekt länger braucht als einen Tag. Oder weil man weiß, dass Reaktionen erst in den nächsten Tagen kommen werden.
Aber egal wie schlecht es sich in dem Moment vielleicht anfühlt: Eigentlich ist es ein guter Tag.

Du hast angefangen, an etwas zu arbeiten. Du hast dich bei jemanden gemeldet, den du erfreut hast. Du hast eine neue Perspektive erlangt. Du hast dir endlich mal wieder Zeit für dein Seelenleben genommen. Du hast etwas neues gelernt, etwas altes wieder entdeckt.

Das sind alles positive Dinge, denn du hast dich ÜBERWUNDEN.
Etwas zu überwinden, sei es der innere Schweinehund, Stolz, Angst oder sonst etwas, zeugt von viel Kraft und Mut und einem guten Charakter.

Also sei erfreut über dich selbst, wenn du heute etwas überwunden hast und einen Schritt weiter gegangen bist. Auch wenn es sich zunächst nicht so anfühlt, als ob man sich freuen sollte – du hast ein Recht dazu, weil du etwas geschafft hast. Egal ob es ein winzig kleiner Ameisenschritt oder ein riesiger Gepardensprung war.

Und versuche morgen, wieder einen Schritt weiter zu gehen. Denn so kommen wir im Leben voran: Schritt für Schritt.

Danke fürs Lesen.
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