Donnerstag, 27. September 2012

Einzigartigkeit

Der Mensch, das Herdentier, passt sich gerne an. Wir schauen, was es alles gibt, wie die anderen sind, was sie tun, wohin sie gehen, womit sie Erfolg haben, was sie denken und meinen. Und dann wird schnell auf Autopilot geschaltet. Wir laufen hinterher. Wollen so sein wie die anderen. So aussehen, das gleiche Tun, den gleichen Erfolg haben, das gleiche Leben leben.

Und ein bisschen von dieser Gleichförmigkeit steckt auch in der Natur des Menschen, denn von der Grundstruktur läuft unser Leben gleich ab. Wir werden geboren, leben und sterben. Wir gehen zur Schule, erlernen einen Beruf und gehen in Rente. Wir lernen Menschen kennen, knüpfen Freundschaften und verlieren uns aus den Augen. Unglaublich viele Dinge im Leben passieren uns auf eine ähnliche Weise. Wir finden uns in anderen wieder, weil ihr Leben unserem so ähnlich erscheint.

Aber letztendlich ist doch alles anders. Ich glaube mittlerweile, dass sich kein Mensch vorstellen kann, dass die anderen WIRKLICH anders sind als man selbst. Dass sie anders denken, empfinden, sehen, verstehen. Das kein Mensch dem anderen gleicht. Weder äußerlich noch innerlich. Wir haben Gemeinsamkeiten, die uns gut tun. Und wir haben Unterschiede, die genauso wichtig sind.

Doch wir sehen oft nur die Gemeinsamkeiten, die Ähnlichkeiten und fangen an zu vergleichen. Und in den wenigsten Fällen fühlen wir uns überlegen. Wir betrachten uns als minderwertig, weil der andere dieses oder jenes schon erreicht hat, weil er dieses besser kann und jenes besser verarbeitet. Ich frage mich, was passieren würde, wenn wir aufhörten uns gegenseitig zu bewerten und anfingen uns selbst und den anderen als das zu nehmen, was er ist: Ein Einzelstück. Ein besonderes, einzigartiges Einzelstück.

Denn der ewige Vergleich führt doch meistens dazu, dass wir nicht das sind und tun, was wir eigentlich sind und sein wollen. Und wie schön wäre es, wenn wir so einzigartig sein könnten, wie wir eigentlich erdacht wurden?

Montag, 24. September 2012

Wenn's nicht reicht.

Alles im Leben ist eine Frage der Perspektive. Ein Tag, der seltsam beginnt, erscheint uns als vertan. Eine Begegnung, die nicht das Erhoffte bringt, kommt uns vor wie vergeudete Zeit. Bei der Frage „Ist das Glas für dich halbleer oder halbvoll?“ antwortet jeder „halbvoll“ und doch kommt uns unser Leben meistens eher halbleer vor. Es gibt immer einen Grund zum meckern und noch mehr. Bei vielen Dingen haben wir das Gefühl, an unsere Grenzen zu kommen, egal ob an die der Geduld, finanziell oder emotional. Und es gibt Tage, in denen wir schreiend im Kreis laufen könnten. Wir könnten. Aber wir machen es nicht. Denn wir haben ja einen gewissen Anstand gelernt, wissen uns zu benehmen und zu beherrschen.

Es reicht also nicht um auszurasten. Das, was uns auf die Palme bringt, uns wütend oder traurig macht, reicht nicht aus, damit wir unseren Job hinschmeißen, die Beziehung aufgeben oder auswandern. Es reicht nicht, um zu streiken, um zu rebellieren oder um am Morgen mal nicht aufzustehen. Es regt uns auf. Aber es ist auszuhalten. Irgendwie ist es in den allermeisten Fällen auszuhalten. Deshalb leben wir in einer Grauzone der Unzufriedenheit. Grummeln jeden Tag vor uns hin, an manchen lauter als an anderen. Aber es reicht oft nicht um uns zu einer drastischen Veränderung zu bewegen oder ähnliches.

Mir ist vor ein paar Tagen eine Liedzeile über den Weg gerannt, die mich sehr ins Nachdenken gebracht hat. Der gute Herbert Grönemeyer singt in einem seiner Lieder:

Lache, wenn's nicht zum Weinen reicht.

Wenn unser Alltagsfrust uns nicht dazu bringt, nach den Ursachen oder Veränderung zu suchen, sollten wir anfangen zu lachen. Wenn's nicht zum Weinen reicht, sollten wir das Beste aus dem machen, was wir machen und was uns ausmacht. Und weniger jammern, meckern, fluchen und unken. Denn dabei geht eine Menge Lebenszeit flöten, die wir mit mehr Freude im Herzen, im Gesicht und im Miteinander haben könnten.

Sonntag, 23. September 2012

Nicht nur gut.

Ich habe mich heute gefragt, was passieren würde, wenn das Wort „gut“ von jetzt auf gleich aus unserem Wortschatz verschwinden würde. Vermutlich würden wir es nicht direkt merken, je nach dem, wie oft wir es im Alltag verwenden. Aber spätestens wenn wir auf eine Menge an Menschen treffen, bei der dich fast jeder fragt: „Wie geht’s dir?“ würde es uns auffallen, wenn wir nicht mehr einfach nur „gut“ sagen könnten. In manchen Fällen wurde das „Gut“ bereits durch ein „Geht so“ oder „Muss ja“ ersetzt. Aber vom Prinzip her kommt es aufs gleiche drauf raus: Wir geben eine kurze, nicht sehr tiefgehende Antwort, damit man sich entweder der nächsten Person oder dem eigentlich Gesprächsanliegen zuwenden kann.
Was würde wohl passieren, wenn man zu jemandem geht und sagt: „Wie geht es dir? Ich will mindestens fünf Sätze von dir als Antwort bekommen!“ Das würde fast jeden Menschen herausfordern, glaube ich.

Ich kann verstehen, wenn man sich auf die Kurzantwort-Variante beschränkt – ich mache das auch allzu oft. Warum? Meistens nur aus dem einen Grund: Ich weiß nicht, ob es mein Gegenüber wirklich interessiert, wie es mir geht. Und ich gehe jetzt nicht zwingend davon aus, dass es einem total beschissen geht und man sich deswegen nicht dem anderen direkt anvertrauen oder ihn belasten möchte. In dem (hoffentlich) normalen Fall, dass es einem „gut“ geht, antwortet man nicht mehr als das. Denn wenn man mehr antwortet, erzählt was einen gerade bewegt oder was man so tut, dann will man, dass der andere einem zuhört, Interesse zeigt, sich nicht direkt dem nächsten zuwendet oder eigentlich nur fragen wollte, ob du dies oder jenes für ihn übernehmen kannst. Aber zu oft haben wir nicht die volle Aufmerksamkeit unseres Gegenübers. Genauso wenig wie wir demjenigen, den wir die „Wie gehts“-Frage stellen unsere volle Aufmerksamkeit schenken und unsere Ohren und unser Herz für ihn öffnen.

Es ist soviel einfacher nur mit „gut“ oder „geht so“ zu antworten, als einfach in ein paar Sätzen zu sagen, was einen bewegt. Dabei könnte man eine Menge miteinander teilen, für einander da sein, sich mit dem anderen freuen und all das. Aber wenn man ein „Gut“ bekommt, hakt man nicht nach. Weil wir uns so daran gewöhnt haben. Es ist ein Austausch von Höflichkeitsfolskeln. Und es geht so dermaßen an dem vorbei, was es bedeutet, Freundschaft und simple Zwischenmenschlichkeit zu leben.

Sag nicht nur „gut“. Sag mehr. Damit wir mehr teilen als eine abgekaute Floskel.

Freitag, 21. September 2012

Herausforderung.

Im Leben begegnen uns eine Menge Herausforderungen. Neue Lebensabschnitte benötigen einen neuen Rhythmus, neue Menschen brauchen Einfühlungsvermögen. Eine neue Aufgabe benötigt neue Motivation und oft brauchen wir diese auch, für alle alten Aufgaben. Immer Neue Dinge strömen auf uns herein und es gibt Zeiten, in denen fühlen wir uns vollkommen überfordert und unfähig. Wir probieren etwas aus, vielleicht etwas vollkommen Neues für uns, und es funktioniert nicht. Und ehe wir richtig darüber nachdenken können, rast die nächste Herausforderung auf uns zu. Denn die Redewendung, dass sie „vor der Tür steht“ entspricht nicht der Realität. Wenn etwas vor der Tür steht, kann ich es dort stehen lassen, wenn es mich nicht betrifft und ich nichts mit ihm zutun haben will. Aber Lebensherausforderungen sind nicht so freundlich und bleiben vor der Tür stehen und warten auf dich. Nein, sie brechen ein, schleichen sich an, rennen auf dich zu, zerren an dir, ziehen dich mit. Du hast keine Chance zu entkommen. Und wenn wir scheinbar an jeder Herausforderung scheitern, schalten wir auf einen „Versagensmodus“ um. Wir glauben nicht mehr, irgendetwas zu schaffen, lassen alles an uns vorbeirauschen, bemühen uns nur noch halbherzig – es hat ja keinen Sinn.

Dabei übersehen wir schnell, dass jede Herausforderung ein Einzelexemplar ist. Dass es nicht darum geht, alles hundertprozentig hintereinander zu schaffen, sondern das jede bestandenen Herausforderung ein Einzelsieg ist.
Auch wenn die Abfolge vielleicht miserabel erscheint, eigentlich geht es darum, jede Herausforderung als einzelne wahrzunehmen und zu meistern. Und wenn du scheiterst, dann konzentriere dich auf das nächste und du bekommst es vielleicht besser hin.

Manchmal ist jeder Tag wie eine Herausforderung. Und wenn wir ein paar Tage hintereinander das Gefühl haben, nichts auf die Reihe zu bekommen und alles scheint für die Katz' – dann lass uns umdenken und erkennen: Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, die wir annehmen können, ohne auf das Vergangene zurückzublicken. Jeder Tag und jede Aufgabe kann ein Erfolg werden, wenn wir uns darauf einlassen und uns auf ihn konzentrieren und aufhören immer das „Gesamtbild“ betrachten zu wollen.

Danke fürs Lesen.

Donnerstag, 20. September 2012

Träume.

Wenn du träumst, wovon träumst du dann?
Nicht in der Nacht, wenn du kaum Einfluss auf dein Denken hast,
sondern am helligsten Tage. Träumst du dann?
Und wenn du träumst, sag mir, wovon träumst du dann?
Von der großen Liebe, vergangen und vergessen
oder doch von einem neuen Haustier?
Träumst du von Chancen, die du verpasst hast,
Menschen, die du hast gehen lassen?
Träumst du von Regen oder von der Sonne?
Wenn du träumst, wird dir dann warm ums Herz?
Sag mir, wovon träumst du?
Willst du so sein wie jeder andere auch
oder mehr wie du selbst?
Träumst du von einem großen Becher Eis
oder der sinkenden Zahl auf der Waage?
Was ist es, was dein Herz bewegt?
Was ist es, was dein Hirn die Realität verdrängen lässt?
Sag mir, wovon träumst du?
Dass dich endlich jemand versteht?
Und den Weg mit dir gemeinsam geht?
Träumst du von der großen Bühne, der Anerkennung
oder der ewigen Ruhe, nach der dein Herz sich sehnt?
Sag mir, wovon träumst du?
Und sag, willst du dass es auch passiert?

Sag mir wovon du träumst.
Ich will dich nicht auslachen oder dich geringschätzen.
Alles was dein Herz bewegt, soll auch meines bewegen.
Deine Träume sollen meine sein.
Und die meinen dein Herz erfüllen.
Lass uns träumen
und lass uns unsere Träume teilen.
Damit wir einander besser verstehen
und aufhören nur nebeneinanderher zu leben
und anfangen Herz an Herz zu gehen.
Sag mir, wovon träumst du?


Sonntag, 16. September 2012

Leises Wesen

Laut. Laut. Laut.
Ist die Welt.
Und so dünn
sind die Wände
deines Herzens.
Immer bis aufs
Zerreißen gespannt.
Immer die Angst,
gleich geht es wirklich
kaputt.
Leise. Leise. Leise.
Ist deine Welt.
Und so eigen,
dass du nicht glaubst,
dass irgendwer
sie wirklich versteht.
Leises Wesen
in der lauten Welt,
trau dich zu leben
und zu sein.
So wie du bist.

Mittwoch, 12. September 2012

Ein Brief.

Liebster Herbst,

ich freue mich, dass du gut angekommen bist. Das heißt, es ist schon wieder ein Jahr rum und du hast dich nicht verspätet. Ist ja auch nicht deine Art.
Jetzt, wo du endlich wieder da bist, merke ich, dass ich dich vermisst habe und mich jedes Mal an deiner Anwesenheit erfreue. All die Gerüchte, du würdest Depressionen bringen, weil dein Freund die Sonne nicht mehr so viele Auftritte hat, finde ich total albern. Ich mag dich und dein windiges Wesen. Du bringst immer so viel Farbe ins Leben und wenn du da bist, muss man sich nicht mehr beklagen, wie es draußen aussieht – denn du darfst ja eigentlich alles. Außer den Schnee, den könntest du dir sparen, aber du willst deinem Kumpel Winter ja bestimmt nichts vorwegnehmen.

Herbst, ich wünschte, alle würden dich so mögen wie ich. Und du müsstest dir nicht immer die Schimpftiraden der Menschen anhören, die den Sommer lieber mögen und nicht gehen lassen wollen.

Ich freue mich auf warme Socken, Tee und nachdenkliche Blicke in die verregnete Welt, genauso wie ich jeden Sonnenstrahl zu genießen weiß, den du uns noch schenkst und der manchmal sogar noch richtig erwärmend sein kann. Ich freue mich auf das Laub und die Farbenvielfalt.

Danke, dass du wieder da bist. Ich hoffe, wir werden eine gute Zeit haben!

In Liebe

Anna.

Dienstag, 11. September 2012

Apologize.

Jemanden für etwas um Entschuldigung bitten gehört in unserer Kultur eigentlich zum guten Ton. Die Worte „Tut mir leid“ oder zu Neudeutsch „Sorry“ gehen uns oft schnell von den Lippen. Manchmal sogar zu schnell und zu oft. „Tut mir leid, dass ich zu spät komme.“ oder „Sorry, ich schaff's heute nicht.“ gehören in der täglichen Kommunikation zum Standartrepertoire. Wenn wir jemanden im Weg stehen oder versehentlich berühren flutscht uns fast automatisch ein „Verzeihung!“ über die Lippen. Allein der Beginn eines Gesprächs beginnt oft mit einer Entschuldigung: „Entschuldigung, darf ich dich kurz stören?“ und wenn wir versuchen zu unserer Meinung zu stehen sagen wir: „Sorry, aber das ist meine Meinung.“
Wir sind darauf trainiert für alle Banalitäten des Lebens eine Entschuldigung parat zu haben. 
 
Doch es gibt den Fall, in dem uns eine Entschuldigung mehr Kraft und Überwindung kostet als alles andere: Wenn wir einen Fehler eingestehen müssen. Und damit meine ich nicht etwas, was eh nicht weiter von belang ist, sondern die Art der Entschuldigung, die uns selbst weh tut. Beziehungsweise leidet vor allem unser Stolz. Wenn wir etwas aus Überzeugung oder auch Unüberlegtheit tun, ohne das man sich selbst im Unrecht fühlt und erst im Nachhinein oder durch die Reaktion des Gegenübers merkt, dass man sich falsch verhalten hat, dann ist es nicht so einfach ein „Sorry“ über die Lippen zu bringen. Dann suchen wir Ausflüchte, fangen an uns zu verteidigen, gehen dem anderen aus dem Weg, fangen an schlecht über ihn zu reden und haben am Ende das größte Drama. Nur weil man nicht vor dem anderen eingestehen will, dass man Fehler gemacht hat ohne dabei selbst gut dastehen zu können. Eine Entschuldigung, dem kein „aber“ folgt ist furchtbar selten, weil furchtbar schwer. Wir haben ja schließlich ein Recht auf unser Tun, Denken und vor allem Fühlen. Oder?

Ich glaube, Ehrlichkeit ist das wichtigste in der Zwischenmenschlichkeit. Und dazu gehört auch, dass man ehrlich und sichtbar eingesteht, dass man Fehler macht.
In einem bekannten Lied heißt es „It's too late to apologize.“ Das ist schlichtweg eine Lüge. Eine Entschuldigung kann niemals zu spät kommen. Selbst wenn die Person, bei der man sich entschuldigen soll oder will, bereits nicht mehr auf dieser Erde weilt, bringt es etwas, sich zu entschuldigen. Bei der Person in Gedanken oder bei Angehörigen. Und auch wenn Beziehungen zerbrochen und Kontakte abgebrochen sind, ist eine Entschuldigung das Einzige, was Frieden bringen und Brücken bauen kann.
Ich glaube nicht, dass eine Entschuldigung alles wieder gut macht. Beim besten Willen nicht. Manchmal braucht es mehrere Eingeständnisse des Verfehlens und oft muss man Vertrauen neu aufbauen, damit Beziehungen eine Chance haben (neu) zu wachsen.
Auch dreht eine Entschuldigung nicht die Zeit zurück, man muss an sich arbeiten, verstehen lernen, reflektieren, neu anfangen.
Aber erst wenn wir lernen einzugestehen, dass wir nicht perfekt sind und dass wir Fehler machen, zu denen wir stehen müssen, kommen wir näher aneinander. 
 
Jedes Verzeihen durchbricht den Kreislauf des Bösen.
Kyrilla Spiecker

Danke fürs Lesen

Freitag, 7. September 2012

Ein Mensch.

Ein Mensch
ist ein Mensch
ist ein Mensch
ist ein Mensch.
Egal welchen Titel er trägt,
auf wie viel Geld er sitzt.
Egal wie alt er ist,
oder wie viele Erfahrungen er hat.
Egal was er getan oder nicht getan hat,
egal wovon er träumt.
Egal was er versteht, was seine Ziel ist,
egal wie er dahin kommen will.
Egal wie er sich fühlt,
ob er ein großer ist oder kleiner.
Egal wie er aussieht.
Ein Mensch
bleibt ein Mensch
bleibt ein Mensch
bleibt ein Mensch.

Mittwoch, 5. September 2012

Perfektion.

Die Menschheit strebt nach Perfektion. Vermutlich schon so lange sie auf der Erde rum fleucht und kreucht. Wir wollen, dass unsere Träume in Erfüllung gehen. Und zwar bis ins Detail so, wie wir es uns erdacht haben. Wir haben einen Schöpferanspruch: Was wir uns ausdenken, das muss so auch funktionieren. Aber wie oft schauen wir auf das, was wir tun, das was wir sind, und können nicht sagen: „Siehe es war sehr gut.“ Ein „Gut“ würde uns vermutlich schon nicht reichen. Wir wollen Perfektion, weil wir an sie glauben. Weil wir wissen, irgendwo in uns, dass es etwas gibt was Perfekt ist und da wollen wir hin. Nur das sind nicht wir. Wir sind unperfekt. In allem was wir sind und tun. Wir leben ein unperfektes Leben. Weil wir Menschen sind. Unser Leben läuft nicht immer so, wie wir es uns erträumen. Dinge entwickeln sich nicht so, wie wir es für richtig halten. Wir sind von äußeren Umständen abhängig. Von Menschen, Entscheidungen, der Gesellschaft, der Sozialisation, unserer Kultur, der Politik. Alles nimmt Einfluss auf uns. Und wir wehren uns nicht, denn wir können es nicht. Wir leben. Und sind unzufrieden. Murren. Zetern. Heulen. Schimpfen. Verzagen. Verklagen. Fluchen. Streiten. Wir sind nicht perfekt. Und wenn es etwas gibt, was nahe an das ran kommt, was wir uns erträumt haben, sind wir trotzdem nicht froh. Denn es ist ja nicht so wie es sein sollte. Nicht Hundertprozentig.
Die Sache ist nur: Auch wenn uns vor lauter Unzufriedenheit graue Haare und schlimmeres wachsen, während wir darauf fixiert sind, wie furchtbar unperfekt wir und vor allem alles um uns herum ist, wird es immer den einen geben, der uns ansieht, uns, die wir so schrecklich unvollkommen sind, und sagt: „Siehe, sie sind sehr gut.“
Vielleicht ist unser Verhalten böse, unsere Entscheidung die falsche, unser Selbstbild verkorkst und unsere Umwelt nicht viel besser. Aber er sieht uns an und sagt: „Das was ich sehe, ist sehr gut. Denn ich sehe mehr, als du sehen kannst. Und meine Liebe ist größer als alle Unperfektion.“
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