Donnerstag, 20. April 2017

Begegnungen mit dem Leben.

Wenn ich Menschen begegnen, versuche ich mir oftmals die Lebensgeschichte dieser Menschen vorzustellen. Was ein bisschen wahnwitzig ist, denn man kann eigentlich bei keiner Person erahnen, was sich hinter der Fassade befindet und schon gar nicht, was den Menschen zu dem gemacht hat, was er heute ist.

Und doch machen die meisten Menschen eine ähnliche Geschichte durch. Gehen zur Schule. Erlernen einen Beruf. Schließen Freundschaften. Verlieren sich aus den Augen. Verlieben sich. Leben in Beziehungen. Trennen sich. Ziehen um. Bekommen Kinder. Bauen sich ein Leben auf. Jeder auf seine Weise. Jeder individuell. Und doch irgendwie ähnlich.

Und trotzdem, obwohl wir alle Menschen sind und alle ähnliches durchmachen, kommt man sich den anderen fremd vor. Es fällt mir als junger Mensch so schwer mir vorzustellen, dass meine Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, sonstige Menschen mit einer gewissen Lebenserfahrung, an den gleichen oder ähnlichen Punkten gestanden haben, wie ich heute. Wegen dem Mangel an Vorstellungskraft, glaubt man manches besser zu wissen. „Das kannst du dir nicht vorstellen.“ Und selbst wenn einem gesagt wird, dass die andere Person genau das gleiche durchgemacht hat – es ist doch immer noch ein bisschen was anderes – oder? Ein bisschen schon, weil wir alle unterschiedliche Menschen sind. Und trotzdem:

Das Leben schreibt Geschichte. Immer wieder ähnliche. Und doch können wir lernen aus dem Vergangenen. SOLLTEN wir lernen. Auch wenn wir das Leben alle am eigenen Leib erfahren müssen bzw. dürfen, muss man doch nicht in die gleichen Fallen tappen. Kann Dinge und Herangehensweisen optimieren. Das Rad nicht neuerfinden sondern weiterfahren. Schätzenlernen und doch seinen eigenen Weg finden.

Wenn ich Menschen begegne, versuche ich das Leben, das hinter ihnen liegt, wahrzunehmen und in eine gewisse Art und Weise zu ehren. Auch wenn ich nicht viel davon sehe und bestimmt nicht alles verstehe, sondern vor allem der Person, die vor mir steht, die aus all den Prozessen und Erlebnissen geformt wurde, begegnen darf.

Die Kunst ist es, zu verstehen, dass schon Milliarden Menschen vor einem das Leben gemeistert haben, und es auch noch sehr viele nach einem tun werden, und dass das eigene Leben dennoch wertvoll und lebenswert ist.


Auf baldigst.
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