Samstag, 24. September 2011

Lebenserfahrung.

Es hat sich nichts geändert: Wir sind alle immer noch Jäger und Sammler. Wir jagen unseren Lebenszielen nach und sammeln Erfahrungen. Wir sind auf der Suche nach dem, was uns das Leben und Überleben ermöglicht. Wir jagen Jobs hinter her und sammeln Geld. Wir suchen nach Anerkennung, springen mit unseren Netzen jedem Lob hinter, sammeln jede Meinung, jeden Gedanken auf, betrachten ihn und stecken ihn ein wenn wir auch nur im entferntesten das Gefühl haben, damit etwas anfangen zu können. Und so füllt sich unser Sack, den wir mit uns rumschleppen.

Es gibt unterschiedliche Suchverhalten. Einige suchen gezielt, legen sich auf die Lauer, laufen die ganze Nacht hindurch, um das Objekt ihrer Begierde zu fangen. Andere setzten sich scheinbar wahllos an einen Platz und sammeln alles auf, was in ihrer Reichweite liegt. Manche gehen dort hin, wo sich noch niemand hin getraut hat, andere bleiben dort, wo sie wissen, was sie haben.

Wir sammeln und jagen unser ganzes Leben. Wir sammeln Lebenserfahrungen.

Wenn man jünger ist, ärgert man sich manchmal. Man findet etwas, von dem man glaubt, es wäre etwas ganz besonderes, was einen sicherlich weiterbringt und steckt es in seinen Sack und dann kommt jemand älteres vorbei und sagt: Das brauchst du nicht aufheben, das ist nutzlos. Oder: Warte noch ein paar Jahre, dann wirst du merken, dass es nur Platz in deinem Sack wegnimmt. Oder: Ach, als ich so alt war wie du, habe ich sowas auch mal gefunden – das waren noch Zeiten! Und als jüngerer Mensch nimmt man sich vor, niemals sowas zu sagen, wenn man auch mal älter ist.

Und dann ist man plötzlich älter, der Sack mit Lebenserfahrung ist voller geworden und man hat wirklich so manches, von dem man sich doch wieder getrennt hat oder was sich doch als völlig unbrauchbar erwiesen hat. Und man trifft auf seinem Weg jüngere Sammler und Jäger und man ist versucht ihnen zu sagen, wo sie suchen sollen, was sie mitnehmen sollten und was nicht. Man beißt sich auf die Zunge – man wollte doch sowas nicht sagen...

Und immer noch kommen ältere Sammler und Jäger vorbei die dir sagen wollen, was in deinen Sack an Lebenserfahrungen gehört und was nicht. Ebenso wie du es den jüngeren sagen willst.

Aber am Ende muss doch jeder seinen Sack selbst füllen und sortieren und sich überlegen, was er braucht und was nicht, wo er suchen will, ob er sich auf die Lauer legen will oder doch lieber unter jeden Blatt einzeln nachschauen will, ob sich dort vielleicht ein großer Schatz befindet. Und keiner weiß, was sich in dem Sack des anderen alles befindet. Auch wenn es von außen vielleicht so aussieht, als ob zwei Säcke ähnlich voll gefüllt sind – den Inhalt kennt doch nur derjenige, der ihn gefüllt hat.

Und am Ende unserer Jagd und Sammelreise schütten wir alles aus. Und ich glaube, wir werden vieles entdecken, was uns nicht weitergeholfen hat und den Weg vielleicht nur schwerer gemacht hat. Und manches, das vielleicht klein und unscheinbar erscheint, das unseren Weg wirklich bereichert hat.

Am Ende ist es jedoch eigentlich nur wichtig, dass wir auf unserem Weg den Schlüssel gefunden haben, der uns, wenn die Reise vorbei ist, die Tür für unser zu Hause öffnet.

Danke fürs Lesen.

Montag, 19. September 2011

Vorverurteilt.

Manchmal bildet man sich sehr schnell eine Meinung über einen Menschen. Und manchmal geht das so schnell, dass man den eigentlichen Menschen dabei vielleicht übersieht, weil man einfach nur auf den ersten Eindruck achtet, der in den allermeisten Fällen auf Äußerlichkeiten bezogen ist. Hat der Mensch eine krumme Nase? Einen (deines Erachtens) schlechten Geschmack? Redet er nicht so, wie du es gewöhnt bist? Mag er andere Sachen als du? Ist er mit Menschen befreundet, die du nicht magst?
Ich glaube, wenn man es darauf anlegt, findet man an jedem Menschen etwas, was einem nicht passt. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass man dazu neigt, erst nach den Dingen zu suchen (ob bewusst oder unbewusst), die einem nicht gefallen. Das ist ja auch viel einfacher, jemanden nicht zu mögen. Dann muss man sich nicht viel mit ihm auseinandersetzen und vor allem riskiert man dabei nicht, dass der andere vielleicht die komischen Seiten an einem selbst entdeckt. Menschen nicht zu mögen ist quasi eine Art Selbstschutz. Man beschützt sich selbst davor, dass andere einem näher kommen.

Natürlich muss man nicht jeden Menschen mögen oder mit jedem super befreundet sein. Aber es fällt mir bei mir selbst immer wieder auf, dass ich Menschen nach den ersten Begegnungen mit einem Stempel versehen hab ohne genau hinzusehen. Und manchmal fällt es einem erst Jahre später auf, wenn man dann mal richtig hinsieht, dass sich hinter dem Stempel noch was anderes befindet:
Ein Mensch, den man nie richtig kennengelernt hat und trotzdem meint nicht zu mögen.

Es kann vorkommen, dass man, auch wenn man noch so genau hinsieht, keine Gemeinsamkeiten findet. Und das ist ja auch natürlich. Wir sind alle unterschiedlich und es ist selbstverständlich, dass man auf Menschen trifft, mit denen man nicht viel gemein hat. Aber ich glaube, vorverurteilt zu werden, hat kein Mensch verdient.
Und als ich heute so eine Person getroffen habe, von der ich mir sehr schnell ein Bild gemacht hatte ohne sie kennenzulernen, habe ich mich gefragt, was für einen Stempel ich wohl in ihren Augen trage. Verschlossen? Unfreundlich? Abweisend? Nur weil ich nicht bereit war, die Person erst kennenzulernen, bevor ich sie abstemple und von Anfang an die Distanz gewahrt habe, weil mir die Person nicht sympathisch war..

Es ist glaube ich ein Versuch wert, die Menschen um einen herum mal ohne die Stempel zu betrachten, die man ihnen aufgesetzt hat. Vielleicht findet man dann ein paar doch passender Personen, die auf den zweiten Blick doch nicht so unsympathisch sind.

Danke fürs Lesen.

Freitag, 16. September 2011

Was wichtig ist.

Es gibt viele Dinge im Leben, die wichtig sind. Atmen zum Beispiel. Oder Schlaf. Oder Trinken. Solche Dinge sind für alle Menschen überlebenswichtig. Und wenn man davon zu wenig bekommt, geht es einem auf Dauer nicht gut. Darüber braucht man nicht diskutieren.

Aber es gibt eine Menge anderer Dinge, bei denen jeder Mensch selbst entscheiden muss, ob es ihm wichtig ist. Oder wie wichtig es ihm ist. Schulabschluss. Weiterbildung. Geld. Macht. Freizeit. Jeder muss seine eigene Prioritätenliste erstellen. Jeder muss selbst entscheiden, worein er investiert. Bei manchen Sachen kann man sich Rat holen. Zum Beispiel kann ich in eine Bank gehen und mich beraten lassen, wie ich mein Geld am besten anlege. Oder ich schaue mir Erfahrungsberichte an über bestimmte Berufsfelder und Ausbildungswege.

Aber am Ende muss man sich doch alleine entscheiden. Keiner kann es einem abnehmen und auch wenn man glaubt, Menschen gefunden zu haben „die genau in der gleichen Situation stecken“ - es ist doch bei jedem anders. Wir sind halt alle fröhliche Individuen, von denen keine zwei gleich sind. Mit unterschiedlichsten Interessen und Begabungen und Träumen. Das ist ja auch schön, wäre sehr langweilig, wenn wir alle den gleichen Einheitsbrei essen müssten.
Und trotzdem wünscht man sich manchmal, dass jemand kommt und sagt: Mach das so und so und dann kommt das und das dabei raus.

Denn wenn man ein Individuum ist, dass eigene Wünsche und Träume hat, die eigentlich kein anderer Mensch auf der Welt exakt nachvollziehen kann, dann muss man auch selbst für diese Dinge einstehen. Und erkennen, was einem wichtig ist. Selbst laufen. Selbst entscheiden. Selbst kämpfen. Und das kann ganz schön anstrengend sein.

Und wenn man das nicht tut, dann muss man sich nicht wundern, wenn einem der Einheitsbrei nicht schmeckt und man frustriert ist. Seine Träume zu verwirklichen heißt, sich selbst in den Allerwertesten zu treten. Das klingt nicht sehr träumerisch und das ist es auch nicht. Aber es ist notwendig, wenn man sich selbst als Individuum verwirklichen will.

Danke fürs Lesen.

Donnerstag, 8. September 2011

Frühherbst.


Der Himmel grau. Die Welt nass. Der Wind kalt. Die Heizung an.
Pullover statt T-Shirt. Heißer Tee statt Saft mit Eiswürfeln. Warme Speisen statt leichtem Salat.
Die Namen der Monate werden länger. Die Tage kürzer.

Er ist über Nacht gekommen, der Frühherbst. Und auch wenn alle über den Sommer frustriert waren, jetzt merkt man wieder, dass der Herbst ganz andere Dimensionen auf Lager hat.
Und jetzt sitzen wieder alle Menschen in ihren Häusern, schauen raus aus dem Fenster und beklagen den Herbst, der auch nur seinen Job macht.

Tage, an denen alles grau in grau ist – so wie heute – werden nun wieder öfters auf uns zu kommen. Nun liegt es an uns, ob wir daran zu Grunde gehen oder was besseres draus machen.
Damit meine ich nicht, dass wir nun alle in unserem Kopf das Sommerradio anstellen sollen und den Sommer in unserem Herzen weiter feiern sollten. Das klingt zwar verlockend, entspricht aber eigentlich nicht der Lebensrealität.

Der Sommer ist vorbei und hat uns einige Sonnenstunden beschert und einigen Menschen Urlaub, Erholung, Auftanken. Anderen vielleicht auch Arbeit und Anstrengungen. So wie der Sommer halt ist.

Jetzt kommt der Herbst, winkt uns von weitem, geht auf uns zu, nimmt uns bei der Hand und führt uns in den Winter. Dass der Herbst eher ein melancholisch veranlagter Zeitgenosse ist, ist den meisten Menschen bekannt. Seine Vorlieben liegen bei Reflexion und Veränderungen, teilweise auch bei Neuanfängen und Besinnungen. Er schickt uns in uns selbst hinein, mal ein bisschen aufräumen und nachdenken. Und manchmal lässt er uns auch nochmal die Sonne erblicken, die uns noch ein bisschen von ihrer Restwärme schenkt. Und der Herbst räumt die Natur auf und bereitet sie auf den Winter vor.
Wie können wir da nur so auf den Herbst schimpfen, nur weil er nicht so eine lockerflockige Frohnatur ist wie der Sommer? Er gehört genauso dazu. Und seine Aufgaben sind wichtig und seine Anwesenheit tut uns genauso gut, wie uns der Sommer gut tut.

Also lasst uns die Vorboten des Herbstes begrüßen und anfangen zu begreifen, dass das Leben nicht nur sommerhaft ist, sondern auch herbstig sein kann – und dass das auch gut ist.

Danke fürs Lesen.
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