Freitag, 27. April 2012

Weg in der Nacht.


„Vertrau mir, bitte, vertrau mir!“ Seine Stimme klang flehend, beinahe verzweifelt und sein Blick, immer suchend nach den Augen, die ihn nicht anblicken wollten. „Wir sind schon so weit gegangen. Das letzte Stück, dieses kleine letzte Stück, das schaffen wir jetzt auch noch.“ Stille. Die Worte gesprochen in die Dunkelheit und Schwärze der Nacht, die sie umgab. Und dann die Antwort. Eine Stimme, viel lauter als erwartet, viel durchdringender und schriller als es die Umgebung erlaubte. „Nein!“ Und immer wieder: „Nein!“ Er seufzte. So tief und aus ganzer Seele und er kannte keine Geste, kein Wort, keine Handlung die mehr hätte ausdrücken können, wie er sich fühlte, als dieses tiefe Seufzen. Er sammelte alle seine Kraft, um wieder das zu fragen, was er schon gefühlte tausendmal gefragt hatte. Die Frage, auf die er keine befriedigende Antwort bekam. Die Antwort, die jedes Mal das Gleiche sagte, und die er sogar verstehen, ja, wirklich verstehen und nachempfinden konnte. Und dennoch wollte er es nicht mehr hören, denn er hatte keine Argumente, keine Überzeugungspunkte. Nur Phrasen. Er wollte die Antwort nicht hören. Aber er fragte: "Warum?" Und kaum stand das Wort zwischen ihnen in der schwarzen Nacht, genauso unsichtbar wie sie selbst und alles um sie herum, prasselte die Antwort, die Antworten auf ihn ein. Wie schon tausendmal zuvor. „Warum? Weil ich nicht mehr kann. Weil ich nicht weiß was kommt. Alles ist schwarz. Was ist wenn jemand uns angreift. Was ist wenn wir nicht stark genung sind. Wenn wir uns nicht verteidigen können. Was ist denn hinter der Schwärze. Was soll da tolles kommen. Wir können genauso gut zurück gehen oder für immer hier bleiben. Nicht vor und nicht zurück. Hoffen, dass die Zeit stehen bleibt. Uns klein machen und den Rest der Welt ignorieren. Aber ja nicht weiter gehen. Wer sagt uns denn, dass wir danach die Sonne sehen werden?“ „Jeder.“, entgegnete er leise. „Jeder sagt, dass nach diesem kleinen Stück der Dunkelheit die Sonne kommt. Es warm wird. Wir sehen wo wir hintreten. Wir die Welt sehen.“ Er wusste, dass er mit diesen Worten nichts ausrichten konnte – er hatte es oft genug versucht. Sein kleines, lautes Gegenüber war von seinem Standpunkt, der Aussichtslosigkeit und der Erschöpfung überzeugt. Und er konnte es verstehen. Schließlich sah er auch nichts. Nichts außer Dunkelheit. Kein Schimmer, keine Ahnung, keine Hoffnung auf Licht. Wärme. Ankommen. Sondern nur schwarz. Und doch wusste er, es kommt. Es wird kommen. Es muss kommen. Und er wusste es. Und auch wenn er es nicht fühlte, so glaubte er es trotzdem, weil er es wusste. „Vertrau mir doch einfach. Und lass uns weiter gehen.“ Er hörte wie das kleine etwas wieder tief Luft hohle. Er erahnte erneute Zweifelschwalle. Es hatte keinen Zweck und der Entschluss stand ihm klar vor Augen. Er bückte sich, tastete zielsicher in die Dunkelheit und ergriff das Herz, das zeterte und jaulte, nicht wollte, nicht konnte, verängstigt war von aller Schwärze die seit Tagen oder Wochen um sie herum herrschte. Er wusste, was das Herz nicht wusste, nicht mehr glauben konnte oder wollte. Warum auch immer. Es war seine Aufgabe, es dadurch zu tragen. Sich nicht mehr aufhalten zu lassen. Auf das Ziel zuzustreben. Zu Laufen. Endlich Ankommen. Ins Licht. Und deshalb nahm er das Herz in seine rauen Hände hielt es fest und machte sich auf in die Nacht. Der Verstand, der weitergeht, weil er weiß, dass es weiter geht. Der weiß, dass Licht kommen wird. Auch wenn das Herz es nicht mehr glaubt.

Danke fürs Lesen.

Donnerstag, 12. April 2012

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Mittwoch, 4. April 2012

Das Unselbstverständliche.

Wenn man so durchs Leben geht, passieren immer mal wieder Dinge, die uns völlig aus der Bahn werfen. Das können Dinge sein, mit denen wir nicht gerechnet haben oder die, selbst wenn wir mit ihnen gerechnet haben, uns so sehr erschüttern oder verwirren, dass wir sie nicht einordnen können. Wir reden dann davon, dass etwas Besonderes passiert sei oder etwas unser Leben völlig auf den Kopf gestellt hat oder einfach von der Normalität abgewichen ist.
Es gibt andere Dinge, die wir für völlig selbstverständlich halten. Selbstverständlich ist das, womit wir rechnen. Selbstverständlich ist z.B. bestimmtes Wetter zu einer Jahreszeit. Selbstverständlich ist für uns, dass nun die ganze Welt wieder Grün wird, dass die Vögel zwitschern, um die Sonne sich wieder mehrmals am Tag zeigt. Selbstverständlich ist für uns auch oft, dass wir gesund sind, dass wir einen Ort haben den wir Zuhause nennen, das wir Menschen haben die uns in unserem Leben begleiten, dass wir genug Geld haben und die meiste Zeit in unserem Leben glücklich sein dürfen.
Ich möchte heute gar nicht darüber schreiben, dass all diese Dinge gar nicht so selbstverständlich sind, wie wir sie manchmal behandeln. Obwohl es sicherlich auch immer wieder wichtig ist, das zu betonen.
Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass etwas gibt was wir für selbstverständlich halten, aber was in unserer Gesellschaft völlig unselbstverständlich geworden ist: das Kompliment. Wie oft ist es so, dass uns etwas auffällt und wir D E N K E N: „Oh, das gefällt mir.“ Und obwohl wir durch den starken Facebookeinfluss darauf getrimmt werden in der „Gefällt mir“/„Liken“/„Daumen hoch“ – Kategorie zu denken, fällt es uns doch oft schwer, genau das mit Worten auszudrücken. Und ich denke das liegt daran, dass wir es für selbstverständlich halten, dass unser Gegenüber weiß, dass es etwas Gutes gemacht oder gesagt hat oder ihm etwas gut steht oder ähnliches. Denn wir denken, wenn es uns schon auffällt, dann kann es ja gar nicht so besonders sein und wir wollen ja auch nicht die letzten sein, denen etwas auffällt und ihren Kommentar dazu abgeben. Außerdem ist es viel leichter einen Button im Internet zu klicken, als selbst Worte zu finden.
Aber den meisten Fällen es ist so, dass es der Person doch niemand gesagt hat und sie sich vielleicht schon die ganze Zeit fragt, ob sie dieses oder jenes wirklich gut gemacht hat oder ob ihr die neue Frisur wirklich steht.
Es braucht nicht viele Wörter, um einer anderen Person etwas Aufmerksamkeit, ein gutes Gefühl und ein bisschen mehr Selbstbewusstsein zu schenken. Das einzige was wir dafür tun müssen, wäre unsere eigenen Stolz zu überwinden, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und Menschen genau das zu sagen, was uns positiv auffällt. Wir müssen noch nicht einmal darüber nachdenken, ob die Menschen das komisch finden oder ob es nun schon 1000 andere gesagt haben. Es geht allein und das was jeder von uns ganz persönlich tun kann. Wie würde die Welt sich verändern, wenn wir so positiv aufbauend und stärkend aufeinander zugehen würden und das Selbstverständliche aussprechen und es somit erst wieder selbstverständlich machen. Ich hab es in den letzten Tagen versucht, soweit ich dran gedacht habe, und es fühlt sich gut an – nicht nur für die andere Person, sondern auch für einen selbst. Die Welt ein bisschen positiver zu gestalten ist eigentlich die schönste Aufgabe, die man im Leben annehmen kann. Oder?
Danke fürs Lesen.
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