Dienstag, 31. August 2010

Es jährt sich...

… zum ersten Mal mein Auszug in die weite Welt und mein Einzug in mein neues Leben. Das klingt ziemlich revolutionär, aufregend, verändernd, besonders. Und das war und ist es auch. Auch wenn es wohl jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben erlebt und jeder sein eigens Leben für besonders aufregend hält. Aber so ist es wohl mit der subjektiven Betrachtung.

Vor einem Jahr also zog ich aus meiner „Heimat“ weg, verließ mein Elternhaus, zog in ein neues Bundesland, drei Autostunden von meinem Nest entfernt. Es war eine bewusste Entscheidung für mich „so weit weg“ zu gehen und ich habe sie bis heute nicht bereut.

Das neue Leben ist spannend, aber auch nicht immer einfach. Man muss Verantwortung übernehmen, stärker als ich bisher tun musste und vor allem auch bewusster. Aber man lernt auch, dass viele Dinge relativ automatisch ablaufen, ohne das sie einen besonders bewegen. Zum Beispiel hatte ich mir das selbstständige Zahlen von der Miete wesentlich „aufregender“ vorgestellt. Durch den Dauerauftrag meiner Bank bekomme ich es jedoch eigentlich gar nicht mit. Und ich dachte auch, viele Dinge würden sich ändern, mein Lebensstil würde sich mehr verändern, weil ich ja nun vollkommen unabhängig bin. Auch das ist nicht eingetroffen. Eine Erkenntnis die mich seit Jahren immer wieder einholt: Am Ende bleibe ich doch ich selbst.

Und gleichzeitig kommt es dennoch zu Veränderungen. Alltagsangewohnheiten werden hinterfragt, denn die Frage, die mich in diesem Jahr wohl mit am meisten bewegt hat, lautet: Wie möchte ICH es denn gerne haben? Was ist MEINE Vorstellung von diesen Dingen?
Manchmal gibt es Antworten, manchmal nicht. Manche Antworten gefallen mir, andere erschüttern mich.

Ich glaube, dieses Jahr hat mir sehr viel Ehrlichkeit mir selbst gegenüber gebracht.

Und obwohl mir mein Leben „hier unten“ gefällt und ich es mag, weil es u. a. meistens relativ entspannt ist, gibt es natürlich auch Dinge, die ich manchmal vermisse. Wie z.B. nach Hause zu kommen und den Duft von fertigem Essen in der Luft wahrzunehmen, weil schon jemand gekocht hat. Und manchmal fehlt es mir auch, dass Menschen, die mir so wichtig sind, nicht viel von meinem Leben und meinem Glück mitbekommen, weil ich zu weit weg bin und man halt nicht alles so wiedergeben kann.

Und eine weitere Erkenntnis, die ich in diesem Jahr bekommen habe: Es ist (für mich) unendlich wichtig, vielleicht sogar das wichtigste in meinem Leben, ein „zu Hause“ zu haben. Und dabei geht es bei mir immer nach den beiden folgenden Sprüchen:

„Home is where your heart is“ und „Heimat ist, was du vermisst.“

Achja, und bevor es zu melancholisch wird: Es ist so schön, neue Leute kennen zu lernen. Ich habe hier ein paar Menschen getroffen, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind. Und ich glaube, es kommen noch ein paar dazu. Und darüber freue ich mich immer wieder gerne.

Eigentlich dachte ich, dieser Jahrespost wird eher etwas amüsant. Aber manchmal kommt halt einfach was anderes am Ende dabei raus.. hab trotzdem Dank fürs lesen.

Die Quintessenz (eines meiner „neuen“ Lieblingswörter):
Ich mag mein Leben!

Sonntag, 22. August 2010

Ein Abenddialog.

Zum Schmunzeln. Sonntag, 22.August 2010 - kurz vor 21 Uhr.

Anna: Schau mal, da fliegt eine Ente!
Michi: Wo?
Anna: Da! Eine Wolkenente!
Michi: Aha.. *betrachtet die Wolkenformation am Himmel* Ich seh' da keine Ente.
Anna: Ich glaub, dass kannst du auch nicht. Sie hat eine Mütze auf.. *kurze Pause* und eine Fliegerbrille!



:)

Mittwoch, 18. August 2010

Sicherheiten

Den folgenden Text habe ich schon vor ein paar Monaten geschrieben und ich habe ihn vor ein paar Tagen wiedergefunden. Und da er das aussagt, was ich mir in den letzten Tagen auch immer mal wieder gedacht hab, poste ich ihn heute mal. Quasi ein Konserven-Post :D Viel Spaß. Oder was auch immer.

«Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch sich nach Sicherheit und Geborgenheit sehnt. Vor allem heute, in einer Gesellschaft, in der fast nichts mehr sicher ist. Nicht der Job, nicht der Lebensstandart, nicht die Freunde und Beziehungen. Kaum jemand kann oder will sich noch festlegen, das meiste wird spontan entschieden. Und doch geht es den Menschen nicht gut damit. Man sehnt sich nach Gewissheit und Sicherheit.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich Traumschlösser der Sicherheit bauen. Ich male mir die Zukunft aus, lege mich und andere Menschen im Traum damit fest, und Dinge, die sich überhaupt nicht planen lassen, blende ich einfach aus. Und irgendwann sind diese Traumschlösser so groß, dass sie mich entweder erdrücken, was meistens der Fall ist, oder ich merke, dass sie langsam, aber sicher, zur Wirklichkeit werden. Und dann stehe ich vor dieser anbrechenden Wirklichkeit aus Sicherheit und denke mir: Will ich das alles überhaupt so? Sind diese Träume nur der Wunsch nach Beständigkeit oder auch die Träume meines Herzens? Oder ist der Traum meines Herzens nur die Sicherheit? Und dann komme ich wieder an den Punkt, an dem ich feststelle, dass es nur eine Sicherheit im Leben und darüber hinaus gibt und das ist Gott. »

(An dieser Stelle sollte eigentlich ein Video zu dem passenden Lied "Irgendwas bleibt" stehen, aber die Formatierung will nicht so wie ich will. Deswegen hier der Link:
http://www.youtube.com/watch?v=r5OOMRcb6OE&feature=related )

Danke fürs lesen!

Montag, 16. August 2010

Die ewige Alternative.

Als ich letzte Woche bei der SfC (Studenten für Christus) war, sagte jemand: „Als Christ will man ja eigentlich, dass Gott einem seinen Willen zeigt. Aber manchmal wünschte ich mir, Gott würde mir zeigen, was ICH will.“ Ich hab länger über diesen Satz nachgedacht und ich kann dem zustimmen. Oft wünsche ich mir, dass Gott mir MEINEN Willen zeigt. Denn ich weiß oft nicht, was ich will. Und wenn ich mich für etwas entschieden habe, dann zweifel ich an dieser Entscheidung, hinterfrage sie tausendmal, mache Pro und Contra Listen, so als ob ich diese Entscheidung nochmal zu treffen hätte. Und vielleicht ist es auch so. Vielleicht muss man sich jeden Tag neu für das Leben entscheiden, was man lebt.

Aber das führt dazu, dass ich in zig Alternativen denke. Hätte ich nicht doch etwas anderes studieren sollen, in einer anderen Stadt? Hätte ich nicht vielleicht doch was soziales machen sollen? Hätte ich nicht doch in ein Studentenwohnheim ziehen sollen oder in eine WG? Und andere, persönlichere Gedanken. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie viel die Entscheidungen in unserem Leben ausmachen. Natürlich kann man Entscheidungen auch rückgängig machen, aber nicht alle. Das Leben hat keine „Bearbeiten-Rückgänig“-Funktion. Wir leben in einer Welt die überquillt an Alternativen. Aber unser Leben können wir nur einmal leben.
Deswegen ist es eigentlich wichtig, dass wir UNSEREN Willen erkennen und uns sicher sind, dass wir unser Leben so leben, wie es uns ganz persönlich am besten gefällt. Und wie wir es vor Gott verantworten können. Alle anderen sind eigentlich egal.

Ich weiß nicht, ob ich jemals aufhöre in Alternativen zu denken und stattdessen zufrieden bin. Ich hoffe es sehr und es gibt auch immer mal wieder Momente, in denen ich zufrieden bin.

Vielleicht hat auch niemand sonst solche Gedankenverwirrungen.
Trotzdem danke fürs lesen.

Samstag, 14. August 2010

Stell dir vor...

Es wird schon fast zur „schlechten Angewohnheit“, dass ich abends ins Bett gehe, dass Licht ausmache und nach wenigen Minuten des Nachdenkens das Licht wieder anmache und meinen Laptop ins Bett hole, weil ich ein paar Gedanken für den Blog habe. Was solls.

Könnte man sichtbar alles erkennen, was einen Menschen ausmacht, so würde man vermutlich eine Menge Menschen mit Fesseln sehen. Damit meine ich nicht irgendwelche nicht weiter definierten Vorlieben, sondern eher den Umstand, dass die meisten Menschen in ihrem Leben an irgendwelche Dinge gebunden sind beziehungsweise von Umständen gefesselt.
Oft sind es Ängste, Geheimnisse, Minderwertigkeitsgefühle, Faulheit und Verletzungen. Es sind die Dinge in unserem Leben, die uns einschränken. Die uns daran hindern Sachen zu machen, die wir gerne tun würden. Oder sie hindern uns daran, Vertrauen zu fassen. Diese Fesseln sind für alle um uns herum unsichtbar und manchmal erkennen wir sie selbst nicht einmal. Aber sie sind da und wenn wir etwas tun wollen, dann werden wir von diesen Fesseln festgehalten. Sie schneiden sich in unser Fleisch. Wir wissen, dass wir sie loswerden sollten. Wir wissen, dass sie uns einschränken. Aber manchmal hat man sich so an sie gewöhnt, dass man gar nicht mehr weiß, wie es ist, ohne diese Fesseln zu leben. Und dann bekommen wir vielleicht Angst davor, ohne diese Fesseln zu leben und das wir uns dann nicht mehr unter Kontrolle hätten. Weil diese Fesseln schon so in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Und jetzt denk mal ein paar Momente darüber nach, wie es wirklich wäre, ohne diese Fesseln zu leben. Ohne diese Ängste, die dich Tag für Tag übermannen. Ohne die Geheimnisse, die dich quälen. Ohne die Minderwertigkeitsgefühle, die dich so nutzlos vorkommen lassen. Ohne deine Faulheit, die dich davon abhält, dass zu tun, was du eigentlich schon immer mal machen wolltest. Ohne die ganzen Verletzungen, die du schon seit Jahren mit dir rumträgst.
Und was ist das für ein Gefühl?

Stell dir vor, du wärst frei.



Danke fürs lesen.

Freitag, 13. August 2010

Das kommt mit dem Alter.

Man glaubt es ja irgendwie nie, aber man wird älter. Es klingt vermutlich für einige seltsam, das aus dem Mund einer zwanzigjährigen zu hören. Aber es ist doch so.
Ich mach mir eigentlich nicht viel aus dem Alter. Es war für mich nichts besonderes achtzehn Jahre alt zu werden oder dass jetzt eine zwei an der ersten Stelle steht. Ich bin eigentlich davon überzeugt, dass die Anzahl der Jahre, die wir schon auf der Erde sind, nicht von Bedeutung sind und davon weder Reife noch Weisheit noch Leichtsinn abhängig sind. All diese Dinge kann man mit jedem Alter besitzen und man wird niemals alles voll ausgeprägt haben.

Ich schätze eigentlich grundsätzlich alle „erwachsenen“ Menschen, die ich neu kennenlerne, älter als mich ein. Und nicht nur ein oder zwei Jahre, sondern mindestens vier oder fünf. Das kommt sicherlich daher, dass ich das Nesthäkchen in meiner Familie bin. Ich zolle diesen „älteren Menschen“ einen gewissen Respekt, sehe mich selbst als klein, naiv und unerfahren daneben. Und dann erfahre ich plötzlich, dass manche dieser Menschen dann doch nur zwei bis drei Jahre älter sind als ich und in dem Sinne gar nicht so weit weg und gar nicht so viel „erwachsener“. Und daran merke ich, dass ich älter werde. Die „Erwachsenen“ sind nicht mehr so weit weg, weil ich selbst „erwachsen“ werde oder bin.
Ich merke es auch daran, dass ich Jugendliche beobachte und mich selbst wiedererkenne. Aber in einer Art und Weise, wie ich heute nicht mehr bin. Ich betrachte diese Welt plötzlich von „oben“ und es ist ein total seltsames Gefühl.

Dabei möchte ich nicht von oben herab sprechen oder etwas ähnliches. Man sieht nur Situationen und denkt plötzlich: „Ach, das war früher auch so und dann hat es sich so und so entwickelt.“
Natürlich, zwanzig Jahre sind auch eigentlich schon eine lange Zeit, auf die man zurück blicken kann. Auf die letzten zehn Jahre auch nochmal besser als auf die ersten zehn, weil man sich an letztere vielleicht nicht so stark erinnert.
Und gleichzeitig weiß ich, dass alle, die zehn oder zwanzig oder was weiß ich wieviele Jahre älter sind als ich jetzt, denken: „Als ich zwanzig Jahre alt war, fühlte ich mich auch plötzlich „erwachsen“.“ oder ähnliches. Es wird wohl immer so sein.

„Erwachsen“ - Ich mag das Wort nicht. Weil man nie ausgewachsen ist und weil mit dem „Erwachsen“-sein soviel Verantwortung und Vernunft verbunden wird, denen glaub ich die wenigsten gewachsen sind, die sich als solche bezeichnen können. Ich auch nicht. Aber irgendwas verändert sich halt doch.

Danke fürs lesen.

Donnerstag, 12. August 2010

Augen, Herz und Hirn

Mein Gehirn ist wie ein Schwamm. Fast alles, was ich visuell wahrnehme, wird automatisch gespeichert. Ich habe unendlich viele Erinnerungen. Meistens sind es nur kurze Augenblicke, Gesichtsausdrücke, Gesten oder Wörter. Manchmal sind es Gegenstände oder Zahlen. Ich merke mir gewiss nicht alles und ich hab auch kein photographisches Gedächtnis (dann wäre mir das Erlernen von Fremdsprachen nicht so schwer gefallen). Aber die meisten Eindrücke von Menschen nehme ich auf und lasse sie nicht so schnell wieder los.
Deshalb war das LARP auch recht anstrengend für mich an einigen Stellen, denn dabei handelte es sich für mich und mein Gehirn um eine visuelle Reizüberflutung. Am besten verarbeiten kann ich diese unzählige Masse an Aufnahmen im Schlaf und im Dämmerzustand vor dem Schlaf. Wodurch Schlafen für mich aber irgendwie kein besonderer Erholungsakt ist, denn ich weiß, wenn ich zu Bett gehe, was mich erwartet: Bilder von Menschen. Und die Gedanken, die ich mir dazu mache.
Weil es mir heute wieder mal so massiv aufgefallen ist, hier mal ein Einblick: Ein kurzer Gang durch die Stadt für ein paar Erledigungen:

- der Copyshop-Mann meines Vertrauens, kariertes Hemd wie immer, ist heute entspannter als sonst weil nicht viel los ist, hilft mir mein Dokument neu zu formatieren, weil mir ein Fehler unterlaufen ist, ich versuche an seinem Gesicht zu erkennen, ob er mein Dokument liest und frage mich, was er wohl jeden Tag zu sehen bekommt, wenn er das machen würde (macht er vermutlich aus Diskretion nicht, zumindest lässt er es sich nicht anmerken)
- drei junge Mädchen gehen vor mir auf der Straße, eine mit einem Irokesen. Ich überlege, warum sie wohl diese Frisur hat, ob es sich dabei nur um eine Mode handelt, denn ihr Gesicht sieht nicht so aus, als ob sie sehr punkig drauf wäre.
- eine alte Dame sitzt auf einer Bank und isst ein Eis. Ich überlege, wie sie wohl reagieren würde, wenn ich mich zu ihr setzte und mit ihr ein bisschen reden würde. Würde sie sich darüber freuen? Oder fände sie es belästigend?
- die Frau am Schalter in der Post trägt eine Brille mit sehr dicken Gläsern. Ich überlege, ob sie deswegen des öfteren oder früher viel gehänselt wurde und staune darüber, dass es solche Brillen gibt.
- der alte Mann am Brunnen füttert ca. 50 Spatzen und 3 Tauben mit Brotkrumen. Ich überlege, ob er sich die Brötchen gekauft hat, um sie selbst zu essen oder gleich mit der Absicht, die Vögel zu erfreuen. Ich entschließe mich einen kleinen Bogen zu laufen, um nicht durch den Vogelschwarm zu laufen und sie damit alle aufzuscheuchen.
- Ein Mann mittleren Alters und eine jüngere Frau unterhalten sich vor einem Geschäft. Es sieht so aus, als gehöre der Mann zu dem Stand ein paar Meter weiter. Ich frage mich, worüber sie reden, ob er sie angesprochen hat und wie ich reagieren würde, wenn man mich anspräche. Mein erster Gedanke war: „Wenn Sie mir nichts verkaufen wollen, können wir gerne reden.“ (vorausgesetzt ich hätte Zeit..)
- Im Laden steht ein Mann neben einem Kinderwagen mit einem etwa ein Jahr altem Kind auf dem Arm. Sein Gesichtsausdruck schwankt zwischen Stolz und Unsicherheit. Vermutlich sucht die Mutter des Kindes soeben nach den Einkaufswaren.
- Eine Frau steht neben einem Regal und hält einen Babystrampler in der Hand. Ich überlege, ob sie vielleicht nach einem Geschenk sucht. Sie tritt neben dem Regal hervor und ich entdecke ihren Kugelbauch. Ich schmunzle unwillkürlich und frage mich, in welchem Monat sie wohl ist.
- An der Rolltreppe steht ein Mann, den einen Fuß leicht angehoben und betrachtet der Treppenstufen, die nach unten rollen. Er zögert einige Stufen lang und macht dann einen so großen Schritt, dass ich kurz befürchte, er erreicht die Stufe nicht mehr. Entweder hat er Angst vor Rolltreppen oder er kennt sie nicht oder er ist vielleicht autistisch veranlagt.
- Auf dem Weg ins nächste Geschäft fällt mir eine Frau auf, die ihren Kopf zur Seite gedreht hat und dabei ist, eine Zigarette anzuzünden. Ich gehe einen Schritt langsamer, um ihr Gesicht zu sehen, wenn sie es wieder nach vorne wendet. Und ich sehe das was ich erwartet habe, ein Gesicht, dem man ansieht, dass es schon einiges durchgemacht hat. (Die Vermutung rührt nicht von der Zigarette her, sondern von dem Gesamteindruck)
- Der Mann an der Kasse hat helle Flecken im Gesicht. Ich denke darüber nach, ob er sich den Schnurrbart hat stehen lassen, um von den Flecken abzulenken. Bei meiner Betrachtung hat das zumindest nichts gebracht..

Alles, was ich an oder in den Menschen sehe hat keinen Wahrheitsgehalt, denn ich kenne diese Menschen ja nicht und habe noch nicht einmal mit ihnen geredet. Aber es erstaunt mich so sehr, dass ich zum einen in der Situation so viel über diese Menschen nachdenke und zum anderen, dass ich das alles knapp elf Stunden später immer noch so wieder geben kann. Obwohl es eigentlich keine Bedeutung hat...



Dies waren also ein paar Einblicke in mein verwirrtes Hirn.. Danke fürs lesen.

Montag, 9. August 2010

Einmal Mythodea und zurück.

Zu später Stunde möchte ich nun heute doch noch einen Beitrag zu den vergangenen sechs Tagen machen...

Im Leben kommt es mir manchmal so vor, als würde ich in einer anderen Welt leben, weil ich andere Vorstellungen von meinem Leben, vom zwischenmenschlichen Umgang und solchen Sachen habe. Doch letztendlich bleib ich in dieser Welt.
Jetzt ist es mir gelungen in eine andere Welt zu reisen. In eine VÖLLIG andere Welt, die mir absolut unbekannt war, sich meiner Vorstellungskraft entzog und mich trotzdem reizte. Die Welt des Live Role Action Play kurz LARP oder auch Rollenspiel.
Für alle Unwissenden (und ich hoffe, ich erkläre es richtig): In einem solchen Rollenspiel spielt man einen Charakter seiner Wahl, der einen eigenen Namen bekommt und eine eigene Hintergrundgeschichte (zumindest wenn man sich die Mühe macht) und dann trifft man sich mit anderen Menschen, die auch andere Charaktere spielen und all diese Charaktere erleben zusammen ein Abenteuer.
In meinem Fall bewegt sich das Rollenspiel eher im Mittelalter-/Fantasybereich, es gibt aber eigentlich in jedem Stil solche LARPs (Western, Endzeit, Feen etc.). Soviel zum allgemeinen Hintergrund.

In diesem Jahr sind mein Freund und ich mit einer Gruppe von Leuten auf das ConQuest Mythodea gereist. Hierbei handelt es sich um das größte LARP weltweit mit rund.. 6.000? 7.000? ich weiß es nicht mehr, Teilnehmern. Also eine unheimlich riesige Anzahl an Personen. Unsere Gruppe (der Bunte Haufen) waren 23 Leute. Davon kannten Michi und ich zwei, den Rest haben wir dann kennengelernt.
Gestaltet hat es sich wie folgt: Von Mittwoch bis Sonntag haben wir in Zelten geschlafen und sind tagsüber unterwegs gewesen um eine Festung einzunehmen. Ich erspare euch an dieser Stelle sämtliche Details der Geschichte, denn dann könnte ich gleich einen Roman schreiben. Fakt ist, dass wir einen Belagerungskrieg nachgestellt haben. Mit vielen Mann-gegen-Mann-Schlachten, vielen Verletzten (also im Spiel), immer wieder neuen Angriffen auf die einzelnen Lager und letztendlich den Sieg über das Böse (vorerst zumindest).

Was es dort alles zu sehen gab, lässt sich kaum in Worte fassen. Allein das Leben in einem Zeltlager ohne Elektrik ist ein Erlebnis. Dann die ganzen Kostüme (oder auch „Gewandungen“) sind wirklich beeindruckend gewesen. Bei manchen wäre ich am liebsten die ganze Zeit daneben gestanden um sie zu betrachten. Macht sich allerdings nicht so gut, weil mich am meisten die Schwarzorks fasziniert haben und die sind nicht unbedingt die freundlichsten Wesen. Es ist wirklich ein Drahtseilakt wenn man sich in diesem Spiel befindet und zum einen völlig fasziniert ist, aber auf der anderen Seite Angst haben sollte. Auch eine Sache, die sehr krass war, was für Panikgefühle man entwickeln kann, wenn „ein Schwarm Schwarzes Eis auf dich zu kommt“ - sprich eine Gruppe von 20-50 Mann die zu den Bösen gehören und alles töten wollen, was ihnen in den Weg kommt. Wie schnell und wie stark man auch Feindbilder verinnerlicht, wie bei den „Viinshars“ - die Töchter der Leere, die ankommen und dich verführen und die man nicht töten kann, weil sie keine materielle Erscheinungen sind (wieviel Wissen ich mir in den letzten Tagen zugelegt habe ;) ) - da läufst du am besten einfach nur weg, was ich auch getan habe.

Um irgendwie zu einer Quintessenz zu kommen:
Dieses Erlebnis war ein wirkliches Abenteuer. Es war vollkommen anderes, als ich es mir vorgestellt habe. Es hat mich teilweise sowohl an meine psychischen, als auch an meine physischen Grenzen gebracht. Es war sehr beeindruckend. Ich habe 20 neue Leute kennengelernt und es hat Spaß gemacht mit ihnen zu spielen. Ich konnte nicht mit allen Dingen etwas anfangen, zum Teil, weil es mir an Vorstellungskraft fehlte, zum Teil aus persönlichen Gründen. Es war wirklich eine Reise in eine andere Welt. Und (weil ich es schon ein paar mal gefragt wurde): Ich kann mir schon vorstellen, soetwas nochmal mit zu machen, aber ich kann mir nicht vorstellen das es zu meinem neuen Super-lieblings-Hobby wird (sowas hatte ich eh noch nie, glaub ich^^).

Ich befürchte, dass dieser Beitrag relativ wirr geschrieben ist und er wird den 5 Tagen lange nicht gerecht, aber es ist wirklich nicht einfach, die Dinge zu erklären ohne in ein LARP-Fachchinesisch zu verfallen oder alles ganz ausführlich zu erklären.... Falls noch jemand Fragen hat, fragt.

Danke jedenfalls an Lars und Suse und den Rest des Bunten Haufens, dass ihr uns habt mitreisen lassen. Dieses Erlebnis wird noch lange in meinem Gedächtnis sein.
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