Freitag, 20. November 2015

Finish up!

Stell dir vor, du arbeitest an irgendeinem Projekt, das du gerne machst. Das muss noch nicht mal besonders ernstlich sein, kann es aber: Du liest ein gutes Buch, du schreibst deine Masterarbeit, du bastelst etwas, du gewöhnst dir etwas an oder ab. Was auch immer. Stell dir vor, dass du gut voran kommst und schon über die Hälfte geschafft hast! Du kannst dir schon vorstellen, wie du das Projekt beendest, wenn es etwas praktisches ist, wie es ausschauen wird. Und dann, kurz vor Schluss, hast du plötzlich keine Lust mehr. Das Projekt, dass dir Freude bereitet hat und/oder so wichtig war, liegt plötzlich völlig unattraktiv in der Ecke und du machst alles – nur nicht das Projekt zu Ende.

Klingt komisch? Ich beobachte dieses Phänomen bei mir und bei Menschen um mich herum immer häufiger. Man macht irgendetwas und hat vielleicht sogar Erfolg, übersteht die Anfangsphase, kämpft sich durch das Durchhalten und die Ziellinie ist endlich sichtbar und plötzlich ist alle Motivation raus. Andere Dinge sind wichtiger. Es scheint plötzlich nicht mehr wichtig, dass Ziel zu erreichen. Der Weg ist scheinbar doch das Ziel und das Ziel ein Ende.

Ich glaube, hier liegt oft das Problem: Das Ziel sieht aus wie ein Ende. Wie geht es weiter? Was ist mein nächstes Projekt, mein nächstes Buch, meine neue Herausforderung, mein nächster Lebensabschnitt? Was ist, wenn ich erreiche, was ich will und ich merke, dass es doch noch weiter geht? Dass ich mit dem Erreichen des Ziels entweder doch nicht die Zufriedenheit erreicht habe, die ich mir erwünsche oder aber neue Herausforderungen kommen, denen ich mich (wieder) nicht gewachsen sehe?

Manchmal scheint es leichter, „immer so weiter zu machen“, auch wenn das eigentlich ermüdend und langweilig ist. Manchmal ist der Anblick des Ziels aber auch ein Bewusstwerden der bisherigen Leistung, der Kraft und Zeit die man investiert hat (wie gesagt, nicht alles ist gleichermaßen ernstlich). Und vielleicht fühlt man sich genau dann müde und motivationslos, weil man doch schon so vieles geschafft hat.

Und ja: Es ist toll zu sehen, was man schon geschafft hat! Aber 3/4 sind eben nicht ein Ganzes. Und etwas zu beenden, etwas zu komplettieren, zu erreichen, was man sich vorgenommen hat – das ist die Kunst. Es ist eine Kunst, anzufangen und den werten Hintern hochzubekommen. Es ist eine Kunst, durchzuhalten und nicht aufzugeben. Aber es ist auch eine Kunst, abzuschließen und zu Ende zu bringen.

Denn eigentlich funktioniert das Leben so: Es geht weiter. Wenn du ein Projekt abschließt, dann geht es weiter. Das ist nicht doof, sondern immer eine Chance. Du bist schon so weit gekommen, warum jetzt so tun, als sei das Ziel nichts wert? Ein nicht erreichtes Ziel ist kein Weltuntergang, aber es ist auch nicht das, wofür du das Ziel gesetzt hast! Ziele sind da, um erreicht zu werden und nicht nur zur Motivation, um überhaupt anzufangen. Limonade gibt’s nach der Zielgraden! Also mach weiter und hör auf, aufzugeben. Egal wann.

Auf baldigst.

Sonntag, 15. November 2015

Von Mücken und Elefanten.

Treffen sich eine Mücke und ein Elefant.
Sagt die Mücke: „Elefant, ständig behaupten Menschen, ich wäre du!“
Sagt der Elefant: „Sind die Menschen dumm? Du bist doch viel kleiner als ich.“
Sagt die Mücke: „Ich verstehe es auch nicht. Aber wenn ich vorbei fliege und mich irgendwo niederlasse, bekommen sie Angst und werfen Sachen nach mir! Sie seufzen, schreien und jammern und sagen immerzu: Was für ein großer Elefant ist das in meinem Leben! Dabei bin ich doch nur eine Mücke!“
Fragt der Elefant: „Und was machst du dann?“
Sagt die Mücke: „Ich fliege um sie herum, um ihnen zu zeigen, dass ich doch nur eine kleine Mücke bin. Aber sie hören nicht auf nach mir zu schlagen und sind den ganzen Tag damit beschäftigt, mich loszuwerden. Weil ich ihnen so eine große Last bin.“
Da lacht der Elefant: „Du bist ihnen eine Last? Du kleines Ding? Wenn sie dich einmal gezielt treffen, bist du platt! Was würden diese Menschen nur tun, wenn ein echter Elefant in ihrem Wohnzimmer sitzen würde?“
Sagt die Mücke: „Ich glaube, sie würden dich nicht bemerken.“
Fragt der Elefant: „Warum das denn nicht? Ich bin groß und dick und schwer und versperre ihnen den Weg!“
Sagt die Mücke: „Aber sie stören sich nicht an großen Dingen, die ihnen das Leben schwermachen. Die integrieren sie irgendwie. Aber kleine Dinge, die um ihren Kopf schwirren und eigentlich leicht loszuwerden sind, denen schenken sie ihre volle Aufmerksamkeit.“
Sagt der Elefant: „Also müsste ich fliegen können, damit sie mich bemerken?“
Sagt die Fliege: „Ich glaube schon. Und du solltest summen lernen. Das nervt sie scheinbar tierisch.“
Sagt der Elefant: „Komische Menschen.“
Sagte die Fliege: „Wem sagst du das.“
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