Freitag, 26. September 2014

Can u send God to Syria, please?

Diese Frage las ich heute morgen bei Facebook. „Kannst du Gott bitte nach Syrien schicken?“ So wie wir Ärzte und Freiwillige nach Westafrika schicken, um dem Ebola-Virus Einhalt zu gebieten. So wie wir Geld an bedürftige Menschen schicken oder Hilfsgüter in Katastrophengebiete. Wir schicken alles mögliche in Regionen, in denen Hilfe benötigt wird. Aber schicken wir Gott dahin?
Nicht so wirklich. Zum einen, weil sich Gott nicht so gut in Pakete stecken lässt und zum anderen, weil er schon da ist. Gott ist an all den Orten, an denen Leid und Unrecht geschieht, dort, wo wir Dinge hinschicken, und dort, wo wir noch nicht realisiert haben, dass dort Leid passiert.

„Kannst du mir Gott vorbeischicken?“ Manchmal wünschte ich, das ginge genau so. Eine Portion Gott in eine Schachtel abfüllen und jemanden schicken, der ihn gerade braucht. Und wenn derjenige dann die Schachtel öffnet, wird es erfüllt von Gottes Frieden, seine Liebe macht sich breit und die Person wird von all dem Leid und Unheil gerettet. Wenn es doch so einfach wäre... Wobei, eigentlich ist es das. Denn diese „Gottespakte“ lassen sich in Form von Gebeten eigentlich richtig gut verpacken und verschicken.

„Aber bringt denn ein Gebet so viel? Was ist, wenn Gott nichts macht, obwohl ich bete?“
Das ist, glaube ich, so wie mit einem Paket: Wenn du jemanden ein Paket schickst, weißt du auch nicht, was die Person damit macht. Ob sie sich freut, ob sie was damit anfangen kann, ob sie es sehnsüchtig aufreißt oder es erstmal in die Ecke stellt. Der Inhalt bleibt derselbe und auf den kommt es an. Also hör nicht auf, Pakete zu verschicken, nur weil du dir der Wirkung nicht sicher bist. Gott selbst wird sich nicht lumpen lassen, wenn wir beten. Auch wenn der Effekt unserer Gebete vielleicht anders ist, als wir es zunächst erwarten, ist er doch derjenige, der eh schon vor Ort ist und weiß, was die Menschen brauchen.

»Hört nicht auf zu beten und Gott zu danken.« (Kolosser 4,2)

Donnerstag, 25. September 2014

Was machst du eigentlich gerade so?

Manchmal wünschte ich, ich hätte etwas vernünftiges gelernt. So etwas, was man antworten kann, wenn man gefragt wird: „Was willst du denn mal werden, Kind?“ Arzt oder Rechtsanwältin oder Krankenschwester oder wenigstens Lehrer. All das habe ich nicht gelernt, aus gutem Grund. Ich ertrage es nicht mit anzusehen, wie sich eine Nadel im Fleisch versenkt, noch nicht mal, wenn mir selbst Blut abgenommen wird. Grundsätzlich bin ich reichlich überfordert, wenn es Menschen gesundheitlich nicht gut geht – ich kann ihnen ja auch nicht helfen. All der Juristikkram reizt mich eigentlich überhaupt nicht. Naja und Lehrer wollt ich auch nicht werden, weil mir meine Zeit zu schade war, um vor Heranwachesenden zu stehen und sie davon zu überzeugen, dass Fontane ein ganz klasse Typ war, während sie unter dem Tisch WhatsApp-Nachrichten schreiben und sich für alles andere mehr interessieren, als für Fontane (den ich wirklich sehr toll finde). Natürlich bleiben dann noch unzählbar viele andere Berufe übrig, die ich hätte erlernen können. Das habe ich aber nicht getan. Und während ich auf Lust und Laune studierte und nun alle möglichen anderen Dinge tue, lerne ich viel vernünftiges. Ich lerne das Leben kennen. Und Menschen. Und das Leben der Menschen. Ich höre zu, mit Kopf und Herz. Ich frage nach, denke nach, bin einfach ich in meinem Leben. Und das ist eigentlich ziemlich großartig.

Nur manchmal hätte ich gerne eine zufriedenstellende Antwort für die Fragenden, die fragen: „Was machst du eigentlich gerade so?“ Vielleicht sollte ich beim nächsten mal antworten: „Ich bin Ärztin.“ Das würde zwar Irritation hervorrufen, aber wäre sicherlich auch sehr amüsant. Und in dem kleinen Moment der Verwirrung würde mir dann vielleicht ein Themenwechsel einfallen. Es macht mir nichts aus, Menschen davon zu erzählen, was ich derzeit so tue, wenn es nicht immer so große Fragezeichen in ihren Gesichtern auslösen würde, die sich in mein Hirn einbrennen und mich selbst wieder ins fragen bringen, obwohl ich doch eigentlich weiß, warum ich was tue und warum manches nicht und warum mein Leben so funktioniert, wie es das im Moment tut. Menschen fragen und wollen ehrliche Antworten, aber bitte nur so, dass man die Antwort problemlos abspeichern kann und beim nächsten Wiedersehen sagen kann: „Was macht die Ärzterei?“ oder „Lehrer zu sein, stelle ich mir heutzutage ziemlich taff vor.“ und nicht immer wieder auf die Frage zurückzukommen müssen: „Was machst du jetzt eigentlich gerade so?“ Wie sehr sich doch unsere Leben über und wir uns mit unseren erlernten Berufen definieren. Fände ich vermutlich völlig normal, wenn man mit Germanistik einen Beruf erlernt hätte, der nicht jeden (ja sogar den Typen vom Arbeitsamt) fragen lässt: „Was macht man denn als Germanist?“

Auf die Frage, was man denn gerade so mache, zu antworten „Ich lebe.“ klingt traurig und sarkastisch. Aber irgendwie ist es doch die Wahrheit. Ich lebe. Du lebst. Es gibt Zeiten, in denen ist das das Einzige, was zählt. Ich liebe mein Leben. Und dass ich leben darf, mit den Menschen an meiner Seite und den Aufgaben, die mir das Leben stellt, ist für mich ein Geschenk. Und was die Zukunft bringt, weiß ich nicht, aber weiß mein Schöpfer, und auch das ist eigentlich das Einzige, was zählt. Mein Leben, so wie es gerade ist, ist für mich ein Segen, ganz egal was ich eigentlich gerade so mache.

Mittwoch, 10. September 2014

Immer noch dasselbe.

Ich kann dir nichts neues erzählen,
denn das Leben, ja das Leben,
ist immer noch dasselbe.


Schwebend zwischen Hoffnungsschimmern
und Selbstzweifelkrümmeln,
fragend und fragend
und immer wieder fragend.


Und selbst wenn nichts mehr dem früheren gleicht,
mein Leben und ich, wir sind wie immer,
irgendwie zusammen und immer auf der Suche.


Daran hat sich nichts geändert,
denn das Leben, ja das Leben,
ist immer noch dasselbe.


Atmen, Denken, Sein,
nichts hat aufgehört und
nichts ist in Gefahr.


Die Fragen sind dieselben,
wenn auch mit neuer Betonung,
aber der Inhalt bleibt gleich.


Aber ich bin immer noch ich,
denn das Leben und ich,
sind immer noch dieselben.


(Und doch ganz anders.)

Montag, 1. September 2014

Freundschaft.

Freundschaft ist für mich
dass man sich manchmal
nichts belangloses zu sagen hat,
aber immer und immer
gemeinsam in die Tiefe springt
und sich hält, wenn alles bricht.
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