Montag, 28. April 2014

Ein Ende.

„Aber hast du nicht immer gesagt, du wärst so zufrieden mit allem?“ Das Entsetzten, das ihr ins Gesicht geschrieben stand, schmerzte ihn mehr, als er gedacht hätte. Sichtbar erschüttert, klammerte sie sich an die Armlehnen des alten Stuhls, den er von seinem Großvater geerbt hatte. „Ich weiß, dass das alles jetzt sehr überraschend kommt..“ Seine Stimme hörte sich seltsam an. „Ja, das kannst du aber glauben, dass das alles sehr überraschend kommt!“ Ihr Echo half ihm nicht weiter. „Ich muss es jetzt tun. Ich muss einfach.“ In dem Entsetzten in ihren Augen stieg Missbilligung auf. „Und es ist dir nicht in den Sinn gekommen, all das vor sagen wir einem halben Jahr sagen zu können? Einfach mal ehrlich zu sein und zu sagen: Du, das Leben, dass ich lebe, gefällt mir nicht, ich glaube, ich brauche eine radikale Veränderung! ?“ Er sah sie an und wusste, sie würde ihm nicht glauben, aber er musste es sagen: „Vor einem halben Jahr habe ich das noch nicht gewusst.“ Sie lachte laut und unpasssend und es fuhr ihm in die Knochen. „Nicht gewusst? Nicht gewusst? Und unser beider Leben einfach so benutzt ohne zu wissen, dass du was ganz anderes willst?“ Sie war aufgesprungen und hatte mit zu viel Schwung den Stuhl umgeschmissen. „Ich glaube dir nicht! Ich kann dir das nicht abkaufen! Von heute auf morgen willst du alles hinschmeißen, nur weil dir irgendetwas quer über die Leber gelaufen ist! Jetzt ist nicht die Zeit um sentimental zu werden und eine Lebenskrise anzuzetteln! Es geht nicht nur um dich! Es geht um uns und um all das, was wir uns aufgebaut haben!“ Sie stand mit wuchtelnden Handbeweungen vor ihm und Tränen standen in ihren Augen. Er wäre so gerne ruhig und besonnen geblieben, hätte so gerne auf jede Rechtfertigung verzichtet. Aber das ging jetzt nicht mehr. Jetzt war er diesen Schritt gegangen und musste weiter. „Weißt du, dass es mich genauso erschüttert wie dich?“ Seine Stimme wurde lauter. „Weißt du, dass ich genauso wenig Lust habe, all das hier aufzugeben und etwas neues anzufangen? Es geht nicht darum, dass ich heute morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden bin oder dass ich eine vorgezogene Lebenskrise durchmache. Es geht nur um eines: Ich habe gelogen. Ich habe dich angelogen und jeden anderen. Und vor allem habe ich mich selbst angelogen. Habe behauptet, das alles hier wäre genau dass, was ich immer haben wollte. Hörst du? Ich lüge! Die ganze Zeit! Und das muss jetzt ein Ende haben! Und ganz ehrlich: Mir tut am meisten weh, dass ich mich selbst die ganze Zeit anlüge! Hier geht es um Grundlegendes. Und du hast immer gesagt, dass man auf Lügen nicht aufbauen kann. Und wenn wir jetzt so weiter machen, dann werden wir ein riesiges Lügenschloss haben, aber wir werden uns niemals darin wohlfühlen!“ Sein Stimme war laut, aber klar. Endlich konnte er Ehrlichkeit in seiner Stimme hören, auch wenn es ungewohnt klang. Ihr liefen ungehalten die Tränen übers Gesicht. Sie schluchzte nicht oder gab sonst irgendetwas von sich. Nur die Tränen des Entsetzten im Angesicht der kahlen Wahrheit konnten ausdrücken, was gerade passierte. Seine Stimme wurde wieder ruhiger. „Ich will einfach nicht mehr so weiter machen. Ich weiß, das Leben hat Höhen und Tiefen. Aber die will ich erleben. Ich will nicht in einem Sumpf der Gleichgültigkeit ersticken, weil ich abgestumpft bin und nicht mehr weiß, was wirklich in mir steckt.“ Sie schaute zu Boden, unfähig ihn anzusehen, als sie sagte: „Ich liebe dich.“ Sie sagte das so leise, so sehr aus einem inneren Impuls, ohne Manipulation, ohne Forderung. Sie sagte einfach die Wahrheit. „Ich liebe dich auch.“, sagte er und die Wahrheit blieb in seiner Stimme. „Ich möchte in Wahrheit leben. Und dich lieben.“ Er schlang seine Arme um sie, hielt sie viel fester als nötig und ihr weinender Köper bebte. „Ich will nicht mehr lügen.“, flüsterte er ihr immer wieder in Ohr und sich selbst ins Herz. „Ich will nicht mehr lügen. Ich will leben.“
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Anregung zu diesem Text: "Imagine someone who tells a lie to himself and others. What would happen if he stopped?"

Dienstag, 22. April 2014

15/40

Das ist die Ausbeute meiner Zeit des Faulheitsverzichts. Nach zwei Monaten völliger Blogleere habe ich die Zeit genutzt für 15 Einträge innerhalb von vierzig Tage.
Bin ich damit zufrieden? Ja! Auch wenn die Zahlen im Vergleich nicht so umwerfend aussehen. 15 sind nun mal weniger als die Hälfte der möglichen Tage. Und trotzdem bin ich zufrieden. Es hätte auch noch weniger werden können...

Und wie geht es jetzt weiter? Wieder gähnende Blogleere?
Ich hoffe nicht! Ich werde hier zwar nicht direkt ein neues Projekt starten, aber ich habe Hoffnung, dass ich dran bleibe. Und wenn nicht hier, dann vielleicht in einem der Nebenblogs:

So kann der geneigte Leser sich heute noch ein bisschen mit Theo und mir auseinandersetzen. Und auch in den nächsten Wochen wird dort gewiss Dienstags ein bisschen von uns beiden zu lesen sein.

Wo auch immer: Auf baldigst!

Mittwoch, 16. April 2014

Treffend.

Manchmal scheint es mir ein Zeichen der Zeit,
dass jeder ein Buch über sein Leben schreibt.
Zeichen der Zeit - Felix Meyer

Samstag, 12. April 2014

Inside.

Everyday
there is a missing part.
Dont know
how to explain.
Dont know
how to change.
But something
is missing.
And sometimes
I think
you are the missing part.
And sometime
I think
its just myself -
broken.

Dienstag, 8. April 2014

Mehr als Konsum.

Ich konsumiere gerne Geschichten. In Form von Büchern. Oder Filmen. Oder Serien. Oder auch einfach so erzählt. Ich liebe es, wenn Geschichten mich fesseln. Wenn schwarze Buchstaben auf weißem Papier lebendig werden und wie Stimmen in meinem Kopf reden. Wenn Filme irgendetwas an meiner Seele ankratzen und somit Spuren hinterlassen. Wenn man Charaktere begleitet und mitfiebert, wohin sie sich entwickeln. Und wenn reale Menschen mir reale Geschichten erzählen und ich versuche in meinem Kopf und Herz nachzuvollziehen, was sie mit mir teilen wollen. Wissend, dass es in meinem Kopf nicht so ist, wie es wirklich war, und trotzdem das Gefühl zu haben, dabei gewesen zu sein.

Ich konsumiere gerne. Aber nicht nur des Konsum wegens. Sondern wegen der Berührung der Seele. Wegen des leisen Klopfens und manchmal auch Kratzens an meinem Innersten. Diese Anrührung, die mich bewegt. Und die nicht selten neues Hervorbrechen lässt. Dinge in Bewegung setzt, die in meinem Innersten ruhen. Gedanken. Worte. Sätze. Geschichten.

Manchmal habe ich Angst, dass der Konsum anderer Geschichten meine eigenen verdrängen. Dabei sind es meistens erst die Geschichten der anderen, die meine wecken, inspirieren und wachsen lassen. So wie mein Leben nicht nur meines ist, sondern durch das der Menschen um mich herum bewegt und hervorgebracht wird.

Es ist mehr als Konsum. Es ist Nahrung. Manchmal Fastfood. Öfters Schwarzbrot.

Donnerstag, 3. April 2014

Alltagsweisheit

Wiedergefunden. Für gut befunden.

Mittwoch, 2. April 2014

Neuer Blick.

Menschen wahrnehmen
bedeutet Menschen wahrzunehmen.

Bedeutet, den Menschen zu sehen,
bedeutet, zu sehen, was da ist.

Bedeutet, Vorurteile, Wünsche
und Erwartungen auszuschalten.

Bedeutet, den Blick frei zu bekommen
auf das, was ist:
Der Mensch, so wie er ist.

Bedeutet aber auch,
sich zu interessieren, wahrnehmen zu wollen.

Menschen wahrzunehmen
als das, was sie sind:
Menschen. Persönlichkeiten. Individuen.
Geschichten. Charaktere und Wesen,
mit Kopf und Herz und Sein.

Denn Menschen sind mehr
als der Haufen von Erwartungen,
Hoffnungen und Vorerfahrungen.

Menschen sind Menschen
und wollen auch als solche
wahrgenommen werden.

Dienstag, 1. April 2014

Lerneffekt.

Ich habe etwas gelernt. Letztens berichtete ich ja davon, dass mir eine grandiose Schreibidee auf einer Autofahrt kam und ich sie wieder vergessen hatte, bis ich mein Ziel erreicht hatte. Sie ist mir bis heute nicht mehr so recht eingefallen. (Es gibt einen Halbsatz, der in meinem Gehirn rumschwirrt und mit der Idee zusammenhängen könnte, aber es ist nicht das, was es mal war.)

Jetzt war ich wieder mit meinem Auto unterwegs. Und mein Gehirn ist nicht so nett. Denn ich hatte eine Pause eingelegt und alle Zeit gehabt, tolle Gedanken aufzuschreiben. Aber natürlich kam mir in der Pause gar nicht der Gedanke ans Schreiben. Erst als ich schon wieder zehn Minuten auf der Autobahn war und mit gewissem Tempo Richtung zu Hause düste, formte mein liebes Gehirn schreibwerte Gedanken. Und ich so: Och nö. Ich halt doch jetzt nicht nochmal an, um die paar Gedanken festzuhalten. Gleichzeitig wusste ich aber, dass es mir letztes Mal alles entglitten ist und dass ich den kleinen Gedanken nicht die nächsten 90 Minuten in meinem Kopf festhalten konnte. Was also tun? Stift ist ja immer zur Hand. Das ist dabei rum gekommen...

 Auf baldigst!
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