Freitag, 28. Dezember 2012

2013.

2013
wird
alles
anders.

Hast du diesen Satz in den letzten Tagen auch so oft gehört oder gesagt? In wenigen Tagen beginnt ein neues Jahr. Viele Menschen haben schon vieles für das neu Jahr geplant. Viele Menschen sind froh, wenn 2012 endlich vorbei ist. Am Ende des Jahres überkommt einen gerne eine leichter Erschöpfungswelle, wenn man rekapituliert, was man in den letzten 365 bzw. 366 Tagen alles erlebt, überstanden, erfahren und verstanden hat. Oder eben auch nicht. Man hofft, dass einem das ein oder andere im neuen Jahr erspart bleibt und man dafür dieses oder jenes endlich erreicht.
Alle halten große Stücke auf das unberührte Jahr. Denn 2013 wird alles anders.
Nüchtern betrachtet ist es eigentlich Quatsch. Denn jedes Jahr wird alles anders. Ja sogar jeden Tag wird alles anders. Auch 2012 ist vieles, wenn nicht sogar alles anders geworden.
Am Ende zählt halt nur, wie man mit jeder einzelnen Veränderung umgeht.
Denn wenn wir sagen „es wird sich alles ändern“ denken wir an all das, was sich zum Positiven verändern und zum Guten wenden wird. Aber es gibt immer mehr Veränderungen als diese. Und wir müssen alle aufnehmen, annehmen und verarbeiten. Also egal, was du dir vornimmst, auf was du hoffst, was du erwartest von dem Jahr 2013:
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Lasst uns das Gute erwarten, Verbesserungen erhoffen, Rückschläge überwinden
und in allem die Dankbarkeit bewahren.

Montag, 24. Dezember 2012

24 - Stille Nacht.

Sie sitzt in ihrem Auto und lauscht dem Motorgeräusch. Regen prasselt auf die Windschutzscheiben. Die Scheibenwischer machen leise surrend die Sicht wieder frei. Das Geräusch von Reifen auf unebener Fahrbahn. Und immer wieder das monotone Motorgeräusch. Erst nach der halben Strecke fällt ihr auf, dass sie das Radio nicht eingeschaltet hat. Deswegen diese ungewohnte Geräuschkulisse. Meistens ist das Radio noch vor dem Motor an. Aber heute war es ihr gar nicht in den Sinn gekommen. Ihre Gedanken und ihr Herz sind so laut, dass sie genug Beschallung hat. Weihnachtslieder summen in ihrem Kopf herum. Und eine Menge Fragen. Und wenig Freude kommt da aus ihrem Herzen. Dieses Jahr ist alles anders. Wie sollte man sich freuen, wenn doch das Herz sich nicht freuen kann? Lächeln zum Schein? Fröhliche Weihnachten wünschen und sich den freudigen Gesichtsausdruck abzwingen, der dann doch nicht überzeugend wirken würde? Nein. Dieses Jahr ist wieder ein Jahr vergangen. Wieder ein Jahr älter. Wieder ein bisschen weniger kindliche Weihnachtseuphorie. Aber worauf kommt es denn an? Das alle fröhlich und glücklich sind? Geht es darum? Jesus ist ja schließlich auch nicht in die tollsten Lebensumstände geboren worden. Und trotzdem. Weihnachten ohne Herzensfreude fühlt sich auch nicht richtig an. Aber wo kann man diese Freude jetzt noch herbekommen? Die Geschäfte haben noch auf, aber dass auch das absolut perfekte Geschenk nicht die Freude aus ihr rauslocken kann, nach der sie sich sehnt, war ihr mit den Jahren doch auch schon aufgefallen. Es geht um ihr Herz. Um das, was im Alltag so oft untergeht. Und um das, was da im Herzen wohnt. Und um das, was da fehlt. Dieses Jahr würde sie ihre Gebete nicht dafür verschwenden, noch schnell eine weiße Weihnacht herbei zu sehnen oder um die Erfüllung ihrer gesamten Wunschliste zu hoffen. Dieses Jahr hat sie nur eine Bitte: Frieden. Im Herzen. Aller Menschen. Die keinen finden. Und Freude. All denen. Die sie nicht selbst aufbringen können. Weihnachten. Die Geburt von Jesus. Nicht nur vor über 2000 Jahren in Bethlehem. Sondern heute. In ihrem Herzen. Jesus dorthin geboren, wo kein anderer ist und hinkommt. Jesus dorthin geboren, wo man selbst nicht hinschauen will. Jesus dorthin geboren, wo man sich allein, verlassen und traurig fühlt. In die dunkelsten Situationen und Gefühle des Lebens. Jesus dorthin geboren, wo wir ihn einlassen.

Gott wird Mensch. Nimmt uns an die Hand. Wenn wir es ihm erlauben. 
(Benedikta Buddeberg) 


In diesem Sinne wünsche ich euch friedvoll Weihnachten! 

Sonntag, 23. Dezember 2012

22 - Ruhe

„Guten Tag, darf ich Ihnen ein wenig Ruhe schenken?“
Die Frage, kaum gehört, belächelnd abgelehnt.
„Nein danke, Ruhe brauch ich nicht.“
„Ah, sind Sie ein ruhiger Mensch?“
„Ich? Nein! Keines Falls! Ich brauche Leben um mich herum!“
„Und komm Sie auch mal zur Ruhe?“
„Wie meinen Sie das?!“
„Na, so wie es gesagt wurde: Kommen Sie zur Ruhe?“
„Nein. Ich habe keine Ruhe. Dafür hat man auch keine Zeit! Das Leben geht so schnell, man hat so viele Termine und alle Deadlines müssen eingehalten werden und man ist immer und überall erreichbar. Wie sollte man denn da zur Ruhe kommen?“
„In dem man sich auf den Weg macht.“
„Wohin?“
„Zur Ruhe.“
„Wie bitte?“
„Sie sagen, Sie kommen nicht zur Ruhe. Das heißt, Sie gehen nicht zu ihr, Sie suchen die Ruhe nicht. Sie machen sich nicht auf den Weg zu ihr.
„Ja, wer hat denn auch Zeit dafür zur Ruhe zu gehen. Die Ruhe soll zu mir kommen, wenn sie doch so wichtig sein soll.“
„Ruhe ist immer da, wo kein Lärm, keine Hektik, kein Stress ist. Ruhe kann nicht in den Lärm hineingehen, aber Sie können von dem Lärm in die Ruhe gehen.“
„Und was soll ich in der Ruhe?“
„Nachdenken. Reflektieren. Genießen. Verstehen. Erkennen. Entspannen. Glauben. Lieben. Leben.“

Montag, 17. Dezember 2012

17 - Marzipankartoffel.

Lebensmomente sind wie Marzipankartoffeln. Sie kommen in den Umlauf der Weltgeschichte, alle in gleicher Form, mit ähnlichen Voraussetzungen. Wir bekommen sie in die Hände und entscheiden, was wir damit machen. Der eine schlingt hinunter, kaut kaum, schluckt, nimmt kaum den eigen Geschmack der Köstlichkeit war. Der andere beißt Stück für Stück ab, betrachtet das Innere und lässt sich den Mandelhauch im Gaumen zergehen. Und andere halten sie in ihren Händen, drücken und formen, gestalten alles auf ihre eigene Art und Weise, mögen den Genuss, aber erst nachdem sie aus dem Rund ein Eck, ein Herz, einen Stern, eine Platte oder ein Tier gestaltet haben.

Die Momente unseres Lebens sind immer so wertvoll, geschmackvoll, ansehnlich, wichtig und besonders, wie wir sie erachten. Eben so wie Marzipankartoffeln.

Samstag, 15. Dezember 2012

// PAUSE //

Hab Geduld in allen Dingen, vor allem aber mit dir selbst.
Franz von Sales

Freitag, 14. Dezember 2012

// PAUSE //

Wir warten, aber unser Warten ist Hoffen.
Friedrich von Bodelschwingh

Donnerstag, 13. Dezember 2012

// PAUSE //

An jedem neuen Tag darf ich hoffen, dass ich mich verändern kann.
Gordon MacDonald

Dienstag, 11. Dezember 2012

11 - Lieder

Es gibt eine Menge Lieder auf dieser Welt. Heutzutage gibt’s kaum Augenblicke, in denen man keine Musik hört irgendwo. Es gibt immer diese Hintergrundmusik und ich kenne einige Menschen, und manchmal zähle ich mich dazu, die viele Lieder zu ihrem persönlichen „Lebenssoundtrack“ zählen. Das sind die Lieder, die in bestimmten Situationen immer wieder passen und die man mit Gefühlen verbinden, die das Leben prägen.
Besonders in der Adventszeit laufen die Weihnachtsschlager in jedem Geschäft rauf und runter. Von „All I want for christmas“ über „Let it snow“ bis zum allseits verhassten „Last Christmas“, dessen einziger Zusammenhang mit Weihnachten die Benennung der Jahreszeit ist. Sie dudeln alle im Hintergrund. Auch manche von denen, deren Inhalte sehr tiefgehend, ja geschichtenderzählend und wegweisend sind.
Ich mag Weihnachtslieder. Von Herzen. Eine Tradition, die mir wirklich wichtig ist – zumindest wenn man die Lieder ernstgemeint und besinnend singt. Das Problem ist nur: Weil immer alle alle Lieder irgendwo rumdudeln und halbherzig mitsingen, verlieren viele Worte ihre Bedeutung, weil man die Melodie nicht mehr ertragen kann. Das ist wie mit allen Dingen, die man oft sagt und deren Bedeutung sich abnutzt, wenn man es nicht von Herzen sagt.

Vielleicht bringt es was, sich die Texte dieser ganzen „alten, langweiligen, schnarchigen und ausgelutschten“ Lieder anzuschauen. Und dabei soweit es möglich ist, die automatische Melodie im Kopf auszuschalten. Auf dieserDatenbank hier, kann man beispielsweise eine Auswahl von ihnen lesen und auch hören.

Oder man gönnt sich dieses beeindruckende Video, dass auf Facebook schon seine Runden macht, aber immer wieder sehenswert ist.



Was ich heute sagen will: Nicht alles ist verwerflich, weil es traditionell und alt ist. Manchmal muss man hinter die allseitsbekannten Fassaden (Melodien) und seine Vorurteile blicken. Übrigens gehören zu meinen Favoriten „Ich steh an deinerKrippen hier“ und „Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen.“ Und was ist dein Ohrenschmaus in dieser Zeit?

Montag, 10. Dezember 2012

10 - K.

Wie wäre es, an diesem kalten Tag, die Kerzen am Kranz zu entzünden und kuschelig auf dem Sofa über die Bedeutung der Krippe nachzudenken?

Sonntag, 9. Dezember 2012

09 – Heimlichkeiten

"...und ein Hauch von Heimlichkeiten liegt schon in der Luft.“
Dieses „alte“ Kinder-Adventslied von Rolf Krenzer begleitet meine Familie schon seit vielen Jahren, wodurch das Wort „Heimlichkeiten“ eine ganz große Rolle spielt.

In der Vorweihnachtszeit macht man sich viele Gedanken um Geschenke. Wer soll was bekommen, beschenkt man sich überhaupt, wenn ja, wie viel will/kann/darf man dafür ausgeben? Tauscht man Wunschlisten aus oder beschränkt man sich auf das Übergeben von Geldscheinen oder darfs was selbstgebasteltes sein? Fragen über Fragen und keiner weiß eine richtige Antwort, weil es wohl kein richtig oder falsch gibt. Es gibt nur, was dir selbst wichtig ist.

Ich persönlich mache sehr gerne Geschenke und ich freue mich auch über sie. Eine Zeit lang habe ich gern gesagt „Ich mache gerne Geschenke, wenn ich nicht unter Druck stehe und es erwartet wird“ - womit Weihnachten ja eigentlich rausfällt, denn hier hat man einen festen Termin, bis wohin man seine Geschenke zusammen haben muss. Es ist immer noch so, dass ich gerne spontane oder „ungebundene“ Geschenke mache. Aber inzwischen glaub ich auch, dass man sich einfach ein bisschen Zeit nehmen muss, um über den anderen Nachzudenken und ein bisschen recherchieren, dann wird man in den allermeisten Fällen fündig.

Und besonders gerne mag ich in diesem Zusammenhang das Wort „Heimlichkeiten“. Denn einander etwas zu schenken ist mehr, als nur die Amazonwunschliste abzuklappern und irgendetwas davon zu nehmen. Es ist auch, sich mit den Vorlieben des anderen auseinander zusetzten, zu schauen, was einen verbindet und worüber sich der andere freuen würde und dem ganzen eine "heimliche" Note zu geben. Wunschlisten sind natürlich nicht verwerflich, aber trotzdem kann man (m.E.) mehr hineinstecken.

Auf jeden Fall ist heute der 2. Advent, womit wir Halbzeit haben und die Zeit zum Geschenkesuchen immer knapper wird.. Falls du also jemand bist, der gerne Geschenke machen will in diesem Jahr und dies zu deinem „Make your own christmas“ dazugehört, geht es langsam aber sicher daran, sich konkret Gedanken zu machen und die ein oder ander Bestellung loszuschicken. Denn:

„Bis Weihnachten, bis Weihnachten ist's nicht mehr weit!“

Samstag, 8. Dezember 2012

08 - Geschichte

Für keinen Buchstaben habe ich so viele Begriffe gefunden wie für "G": gefühlvoll, Geschmack, Geschenke, Gott, gemütlich, Geburtstag, Glühwein, Grippe... Und doch habe ich mich für "Geschichte" entschieden. Zum einen weil ich gestern spontan eine Geschichte geschrieben habe, zum anderen, weil Geschichten auch einfach zur Adventszeit dazugehört. Man liest sie sich gegenseitig vor oder versinkt in ihnen an dunklen Tagen. Ich wünsche viel Freude beim Lesen. Danke, Maike, fürs inspirieren.

Schneeflockentanz.

Sein Weg durch die dunkle und verschneite Nacht war mühsam. Die weiße Decke, die seinen Weg bedeckte, erschwerte jeden seiner Schritte, klammerte sich an seine Füße und Hosenbeine und der Wind bließ ihm beißend und eisig in die Kleidung, die ihn nicht zu wärmen vermochte. Den Blick auf den Boden gerichtet stapfte er Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Seine Finger in den Manteltaschen zu Fäusten geballt, um ein kleines bisschen der Wärme, nach der er sich sehnte, festzuhalten. Der Schnee stürmte um ihn herum und sein Ziel, dessen er sich nicht mehr sicher war, war nicht in Aussicht. Erschöpft blieb er stehen und blickte auf in die Millionen Schneeflocken, die um ihn herum wehten und ihren Weg auf die Erde suchte. Er konnte sich nicht an diesem Naturschauspiel erfreuen, zu wenig Wärme war in seinem Körper und in seinem Herzen. Zu viel hatte er an den letzten Tagen sehen müssen. Menschliches Leid, Verzweiflung, Streit und Unverständnis. Sein Herz fühlte sich so schwer an, dass er sich nur mit viel Mühe aufrecht halten konnte. Was würde passieren, wenn er der Schwere nachgeben, in den Schnee sinken und liegen bleiben würde? Er würde erfrieren. Sterben. Unter Schneeflocken begraben.
Der Wind wurde stärker und die Flocken wirbelten um ihn herum. Und auf einmal hörte er eine leise Stimme. Sie klang wie der Wind, nur viel höher und sie schien aus vielen leisen Stimmen zu einer zusammen zu wachsen. „Komm, tanz mit uns!“ Er sah sich um. Niemand war ihm gefolgt. Um ihn herum herrschte die dunkle Dezembernacht, erhellt von weißer Schneepracht. Er sah zurück in den Himmel. Und wieder hörte er es: „Komm, tanz mit uns!“ Er warf noch einmal einen Blick um sich herum, aber konnte niemanden erkennen. Er fasst Mut und rief in den Himmel: „Aber ich kann nicht tanzen!“ Die Antwort war ein leises Lachen: „Jeder kann tanzen!“ Und es schien ihm, als wirbelten die Schneeflocken immer wilder um ihn herum. „Aber mein Herz ist so schwer.“, sagte er leise und sein Blick wurde traurig mit diesen Worten. Die Flocken wurden langsamer, umschwebten ihn sacht und manche legten sich auf seinem Mantel nieder. „Es wird leichter werden, wenn du tanzt.“, säuselte es in seine kalten Ohren. „Fang langsam an. Du wirst es merken.“ Und mit einer Windböe wirbelten die Schneeflocken wieder etwas schneller um ihn herum. Er bewegte einen Fuß nach vorn und dann wieder zurück, wiederholte es mit dem anderen. „Tanz mit uns!“, forderte man ihn auf. Er blickte in den Himmel, streckte seine Arme weit aus und begann sich zu drehen. Die kleinen Schneekristalle umschlossen ihn, drehten sich um ihn, wirbelten auf und ab. Er schloss die Augen und leise, ganz leise hörte er einen feinen Gesang. Es schien, als summten die Schneeflocken ein Lied, während sie die Welt zudeckten. Er wiegte sich in ihrem Rhythmus, mal schneller, mal langsamer und vergaß sein Zeitgefühl. Und als die Schneeflocken alle den Boden erreicht hatten und keine mehr nachkamen, blieb er stehen. Sein Herz fühlte sich leichter an. Schweigend betrachte er nun die stille und atemberaubende Schneelandschaft, die ihn umgab. Leise, so leise wie der Gesang der Schneeflocken, flüsterte er: „Danke.“

Freitag, 7. Dezember 2012

07 – Familienfest

Frohes Familienfest, fir feiern feierlich!
So oder so ähnlich könnte heute der Blog aussehen – unter dem Buchstaben F fallen vielen Menschen Begriffe ein, die irgendwie zur Advents- und Weihnachtszeit passen. Für viele Menschen gehört die Familie zum festen Bestandteil der Weihnachtsfeierei – für mich auch, ich bin ein absoluter Familienmensch! So wie die letzten Jahre werde ich auch dieses Jahr die Feiertage in meinen beiden Familien verbringen, sowohl in der Heimat, als auch in Schwiegerheimat, denn:
Home is where your heart is.

Und genau das ist es, worüber ich heute nachdenke: Weihnachten ist ein Familienfest. Familie ist erstmal Grundsätzlich alle Blutsverwandschaft und Anhänge. Aber Familie ist irgendwie auch mehr. Genauso, wie mein Herz nicht nur an einem Ort zu Hause ist, sondern im Prinzip an ganz vielen „Orten“. Familie ist sowohl der kleinste Kreis, als auch der Große.. Und es gibt auch so eine „Herzensfamilie“ - Menschen, denen man so nahe ist, die einem so wichtig sind, mit denen man ein Stück seines Herzens teilt und für die die Herzenswärme auch über kilometerweite Entfernungen nicht erlischt. Familie kann mehr sein, als offizielle Verbindungen. Genauso wie die Heimat nicht nur der Ort ist, an dem wir geboren wurden.

Ich weiß nicht, wie deine Familie und deine Herzensfamilie aussieht, wie groß sie ist und wie sehr du dich in ihr wohl fühlst. Aber wenn du eine Heimat in Herzen von anderen Menschen hast, dann lass sie das in diesen Tagen wissen. Denn dafür nehmen wir uns oft zu wenig Zeit, das (für uns) scheinbar offensichtliche beim Namen zu nennen und dem anderen zu sagen. Du kannst einem Menschen nicht oft genug sagen, wie wichtig er dir ist. Mach das mal. In den allermeisten Fällen macht man andere Menschen damit glücklich, denn vielleicht ist es ihnen (heute) gar nicht bewusst, dass sie nicht nur zu einer leiblichen Familie gehören, sondern auch zu deiner Herzensfamilie!

In diesem Sinne freuen wir uns auf Weihnachten. Das Fest der (Herzens)Familie!



Donnerstag, 6. Dezember 2012

06 – Entdecken



Hast du schon entdeckt…
 
…dass es sich mit Nüssen in den Schuhen nicht so gut laufen lässt?

…dass Schnee, trotz seiner negativen Auswirkungen auf den Verkehr, immer wieder schön anzuschauen ist?

…dass man eigentlich fast immer zuerst Geschenkideen für die Personen hat, die man nicht (primär) beschenken will/muss?

…wie sehr ein paar Sonnenstrahlen einen Dezembertag versüßen können?

…dass scheinbar alle deine Freunde auf Facebook dieses Jahr Kekse backen?

…was heute in deinem Adventskalender steckt?

…dass man sich schnell in Traditionen verliert, ohne über sie nachzudenken?

…dass ein kleines Licht im Fenster das nach Hause kommen am Abend viel schöner macht?

…dass sich jeder (groß und klein) über kleine und große Aufmerksamkeiten freut?

…dass wir selten direkt das sagen, was uns auf dem Herzen liegt?

…dass Kilometer an Entfernung die Herzenswärme für andere Menschen nicht erkalten lässt?

…dass das Leben selten so ist, wie man es sich vorgestellt hat, und man trotzdem glücklich sein kann?

…wie viele gute Ideen aus deinem Kopf kommen, mit denen du andere erfreuen kannst?

…dass das Austauschen von schönen Erinnerungen der Seele gut tut?

…dass wir viel zu oft in Vergangenheit und Zukunft leben und die Gegenwart dabei zu kurz kommt?

… was ein Lächeln auf dem Gesicht alles bewirken kann?

…dass ein kleiner Gruß von Herzen mehr Wert sein kann als ein seitenlanger Brief voller Entschuldigungen, warum man sich nicht gemeldet hat?

…wie wenig Zeit es uns eigentlich kosten würde, uns bei den Menschen zu melden, die uns wichtig sind?
…dass jemand heute an dich gedacht hat?

…dass es nur noch achtzehn Tage bis Weihnachten sind?

Mittwoch, 5. Dezember 2012

05 – Dunkel

Eigentlich hat es nicht direkt etwas mit dem Advent oder Weihnachten zu tun, aber da diese Ereignisse immer in eine bestimmte Jahreszeit fallen, beschäftigt es uns doch:

Es ist Dunkel!

Morgens, wenn man früh aufstehen muss ist es dunkel und meisten ist es auch schon wieder dunkel, bevor man wieder zu Hause ist. Und wenn das Wetter dann noch so ist wie derzeit, bewölkt, verschneit oder regnerisch und besonders wenig Sonne, erscheinen viele Tage beinahe nur noch dunkel.

Ich hab heute morgen einen kurzen Artikel zum Thema Winterdepressionen gelesen und wie gut es doch Hundebesitzer haben, die bei jedem (Hunde)wetter raus müssen und deswegen mehr Bewegung und Licht abbekommen. Ein Satz hat mich sehr zum Nachdenken gebracht: „Wer beim Weckerklingen nicht aufsteht, beginnt den Tag mit einer Niederlage.“ Ich weiß, dass Bett ist kuschelig, warm und sehr verlockend. Aber an manchen dunklen Tagen (egal ob es nur außen oder auch in uns drinnen Dunkel ist), vergessen wir, dass es uns besser tun würde, aufzustehen, die Rollladen hochzuziehen und ein bisschen Tageslicht an uns ranzulassen. Denn das tut nicht nur uns besser, sondern auch unserem Umfeld, das uns ertragen muss (wenn wir dann endlich mal aus den Federn draußen sind). Außerdem gibt es noch einen ganz praktischen Auftrag für dunkle Tage:
Lichtsein. Leuchten. Strahlen. Funkeln. Den dunklen Tag eines anderen Menschen erhellen, anstatt sich selbst die Decke über den Kopf zu ziehen. Licht leuchtet am besten im Dunkeln, weshalb sich jeder dunkle Adventsabend hervorragend dazu eignet, ein paar Kerzen anzuzünden. Aber genauso kann jeder von uns dem anderen ein Licht sein, und die Wirkung kann in diesen Tagen noch sehr viel mehr Wirkung haben. Egal, ob du jemanden helfend zur Hand gehst, ihm ein paar Kekse schenkst oder einfach mal zuhörst und lächelst. Das ist so einfach. Und trotzdem machen wir manchmal das Komplizierteste daraus. Ganz nach dem alten Adventslied (nicht von Rolf Krenzer):
Tragt in die Welt nun ein Licht, sagt allen: Fürchtet euch nicht!

Weder vor der Dunkelheit, noch vor dem Weihnachtsstress oder sonst etwas.

Dienstag, 4. Dezember 2012

04 - Christmas

Ein wichtiger Hinweis für alle Frühstarter, Nichtabwartenwoller, Ungeduldige und Mainstreamfreunde:
Is it Christmas?


Vielleicht etwas drastisch für den ein oder anderen, aber dennoch richtig. Noch ist kein Weihnachten. Noch ist Advent. Das bringt man in unserer Gesellschaft schnell durcheinander, denn so genau will es doch keiner wissen. Hauptsache Kekse backen und die Ergebnisse instagrammend bei Facebook posten, Geschenke finden, dekorieren und hoffen, dass der Schnee sich bis zum 24. Dezember hält oder wenigstens dann wiederkommt. Oder vielleicht lieber doch nicht? Wir verallgemeinern gerne. Suchen Oberbegriffe und stopfen alles darein, was nicht niet- und nadelfest ist. Das machen wir gerne bei großen Feiertagen, wie beispielsweise Weihnachten. Es ist ja auch schließlich um einiges anstrengender, Nikoläuse und Weihnachtsmänner auseinanderzuhalten und ob nun Marzipankartoffeln schon im Oktober gegessen werden oder erst am 1. Weihnachtsfeiertag ist doch eigentlich egal, oder nicht?

Dieses Jahr geht es mir darum, dass jeder sein Weihnachten so gestaltet und sich so darauf vorbereitet und einstimmt, wie es ihm oder ihr wichtig ist. Make your own Christmas. Aber dazu gehört auch, dass wir darüber nachdenken, was wir denn da eigentlich machen und uns nicht nur von dem Weihnachtsrummel, der mit den ersten Spekulatius im September anfängt, mitreißen lassen, sondern schauen: Wo will ich heute stehen? Heute ist der 4. Dezember. Weitere zwanzig Tage folgen in denen sich Vorfreude und Weihnachtsstimmung steigern dürfen. Wir warten und hoffen. Wir hoffen und warten. Das ist Advent. Und nicht quasi jetzt schon die Geschenke auspacken, damit wir am 24. weniger Stress haben. Manchmal ist es schöner, sich etwas aufzuheben um es zu genießen, als immer alles schnellschnell haben zu wollen. Also denk mal darüber nach und:


Montag, 3. Dezember 2012

03 – Besinnlich

Man wünscht sich gegenseitig „besinnliche“ Weihnachten, man redet im Advent von einer besinnlichen Zeit.. Solche und andere Formulierungen benutzt man schnell ohne weiter drüber nachzudenken.. Aber was steckt eigentlich hinter diesem „besinnlich“?
Wenn ich an „besinnlich“ denke, kommt mir gleich folgende Szene in den Sinn: Kerzenschein, ruhige Hintergrundmusik und eine entspannte Atmosphäre. Man sitzt beisammen, niemand sagt etwas, jeder starrt verträumt vor sich hin und lässt alles auf sich wirken.

„Besinnen“ hat laut Duden drei unterschiedliche und sich doch ähnliche Aspekte:
  1. nachdenken, überlegen
  2. sich an jemanden/etwas erinnern
  3. sich bewusst werden

Sich zu besinnen kann also verschiedene Facetten haben, so wie Nachdenken und Erinnern unterschiedlich sein kann. Über manches denkt man fröhlich nach und erinnert sich, sodass ein unbewusstes Lächeln auf dem Gesicht erscheint. Und manchmal erinnert man sich und wird dabei traurig. Oder einem wird etwas bewusst, was man vorher nicht wahrhaben wollte oder für das man sich keine Zeit genommen hat, um darüber nachzudenken.
Eine besinnliche Adventszeit zu haben, bedeutet also nicht zwingend, dass man allzeit fröhlich ist. Vielleicht findet man (erst) hier ein paar ruhige Momente beim Kerzenschein, in denen man sich Zeit nehmen kann, um sich bewusst zu werden, sich zu erinnern, nachzudenken.

Da ich ein grundsätzlich nachdenkender Mensch bin, ist es für mich nicht sonderlich schwer, mich darauf einzulassen. Manch anderer nimmt sich oder hat vielleicht einfach nicht die Zeit dazu. Unser Leben läuft schnell, schneller als es uns meistens gut tut. Wir haben keine Zeit. Was sind schon 24 bzw. jetzt nur noch 21 Tage? Zeit ist, was du draus machst. Zeit ist Hoffnung. Nimm dir doch ein bisschen Zeit zum Erinnern, Nachdenken, bewusst werden, egal ob fröhlich oder melancholisch. Genieß es, dir bewusst eine BESINNLICHE ZEIT zu nehmen, dann fällt dir der wuslige Alltag vielleicht auch leichter, weil die ganzen Gedanken endlich mal zu Wort gekommen sind.

Ich wünsche dir von Herzen eine besinnliche Adventszeit.

Sonntag, 2. Dezember 2012

02 - Ankommen

Jetzt ist sie plötzlich da: Die Adventszeit. Kennst du das, wenn du eine weite Strecke gefahren bist oder auch einfach so jemanden besuchst und du dann in der fremden Wohnung stehst, etwas außer Atem, und dich einen Moment hilflos umsieht, weil du nicht weiß, ob du erst deine Jacke ausziehen sollst oder erst alle begrüßen oder doch erst noch die Schuhe ausziehen und wenn, hättest du sie schon vor betreten ausziehen sollen? Es gibt manchmal Dinge im Leben, auf die man sich total freut, auf die man vielleicht schon lange wartet und auf den Zeitpunkt hofft und wenn er da ist, ist man erstmal etwas überfordert. Dann ist es schön, wenn einem jemand sagt: „Komm erstmal an!“ 

So geht es mir dieses Jahr mit der Adventszeit. Ich freue mich schon sehr darauf und habe im November schon den einen oder anderen damit genervt, dass es doch so eine schöne Zeit sei und ich mich dieses Jahr ganze neu damit befassen will und all sowas.

Und jetzt ist schon der 2. Dezember und ich fühle mich trotz aller gedanklicher Vorbereitung etwas überrumpelt. Geht es dir auch so? Das schöne ist, dass wir den Advent haben und nicht von heut auf morgen in eine absolute Weihnachtsstimmung fallen müssen. Wir dürfen ANKOMMEN. Im Advent. Alles langsam aber sicher in Angriff nehmen. Es muss nicht vom ersten Dezembertag die gesamte Deko stehen und unser Stimungsbarometer muss auch nicht voll anschlagen. Man sieht es ja auch am Adventskranz: Es brennt erstmal nur eine Kerze und gibt ein bisschen Licht. Die volle Beleuchtung kommt erst am 4. Advent. Wir können uns Stück für Stück auf das Vorbereiten, was uns an Weihnachten erwartet. Wir müssen uns nicht hetzen. Auch wenn in der Erwachsnenwelt 24 Tage unheimlich schnell vorübergehen mögen. Jeden Tag können wir uns ein bisschen mehr vorbereiten, ein paar Gedanken machen.. und ankommen.

Samstag, 1. Dezember 2012

01 - Wo stehst du?

Jedes Jahr zur Adventszeit stellt man sich dieselbe Frage: Wie werde ich dieses Jahr auf Weihnachten zugehen? Nicht immer fragt man sich das bewusst, nicht jedes Jahr ist diese Frage von große Priorität. Und dennoch entscheiden wir uns direkt oder indirekt, wie wir die (Vor)Weihnachtszeit verbringen werden. Manch einer hat viele Tradition, freut sich aus Kekse backen und Lichterketten aufhängen und auf die Weihnachtszeit an sich. Dem anderen ist die ganze Zeit suspekt oder eher anstrengend, vielleicht eben wegen dieser Tradition, die einen leichten Hang zur Verpflichtung inne haben.
Auf welcher Seite du auch immer stehst, wenn du dies hier liest, möchte ich dich dazu anregen ein paar Momente zu überlegen, wie du ganz persönlich deine (Vor)Weihnachtszeit gestalten willst, was dir dabei wichtig ist und was nicht und für was du dir Zeit nehmen willst. Ganz unwichtig wird es dir wahrscheinlich nicht sein, wenn wir diesen Adventsblog liest. Mir ist es wichtig, dass du und jeder andere Mensch, sich bewusst wird, dass wir frei entscheiden dürfen, wie wir diese Zeit gestalten und erleben wollen. Vielleicht mit Hilfe sämtlicher Traditionen, vielleicht auch (mal) ganz unabhängig davon.
Ich hoffe, dass dieser Blog dir dazu eine Inspiration sein kann und dich in die Weihnachtszeit begleitet. Ganz unter dem Motto: Make your own Christmas. Dafür habe ich mir eine Menge Begriffe angeschaut, die man mit Weihnachten verbindet. Jeden Tag werde ich zu einem Buchstaben des Alphabets ein paar adventliche und weihnachtliche Begriffe vorzeigen und zu einem oder mehrer meine Gedanken äußern.

Mein Anliegen dabei ist, dass jeder sich ganz persönlich Gedanken machen darf, welcher Begriff ihm denn am nächsten liegt und wie sich daraus deine Weihnachtsstimmung und Empfingung zusammensetzt!

Ich hoffe, es macht euch Freude!
Wir lesen uns.   

Montag, 26. November 2012

Ankündigung

Liebe Gedankenflugleser!

Der Blick auf den Kalender zeigt uns, dass wir das Blatt bald schon wieder umschlagen dürfen bzw. müssen und dann schon das Wort "DEZEMBER" auf dem neuen Kalenderblatt prangt.

Das bedeutet, eine besondere Zeit beginnt: Der Advent.

Wie in den vergangenen Jahren möchte ich auch dieses Jahr einen Adventskalenderblog schreiben. Es wird also (wenn alles klappt) jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezemberg hier einen neuen Eintrag geben und ich hoffe, dass es euch ein wenig Insperation und Vorbereitung auf das diesjähriges Weihnachtsfest sein wird!

Ich freue mich sehr, wenn ihr fleißig mitleset, was euch insperiert teilt und euch insperieren lasst!

Mit besten Grüßen!

Anna




Freitag, 23. November 2012

Nebelige Zeiten.

Ich weiß, nebeliges Wetter inspiriert mich nicht zum ersten Mal zu einem Post. Aber manchmal bzw. meistens findet man seine Insperation in dem, was vor Augen ist.
Als ich gestern Abend von der Arbeit heim fuhr, war es unheimlich nebelig. Ich glaube, solch einen Nebel habe ich noch nie erlebt. Meistens sind es eher nur die Nebelschwaden, die auf der Straße hängen und die über das Auto hinweghuschen. Gestern war der Nebel dicht. Er umhüllte einen, bzw. das Auto voll und ganz ein. Es ist ein bisschen unheimlich, ein bisschen aufregend und leider auch sehr anstrengend, denn man sieht nicht viel von der Fahrbahn. Zum Glück gibt es auf unseren Straßen weiße Außenlinien, die einem ein kleines Stück Orientierung geben, auch wenn man den Rest der (bekannten) Strecke nicht mehr wiedererkennt. Man ist angewiesen auf diese kleinen Zeichen und seine eigene Konzentration, denn auch wenn es stockdunkel ist, wäre es fatal das Fernlicht anzumachen... oder? Auf meinem Heimweg kam mir ein Auto entgegen das volle Kanne Fernlicht anhatte. Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen sollte. Denn anstatt, dass die Sicht besser wurde, wurde man von dem angeleuchteten weißen Nebel unglaublich geblendet. Anstatt mehr zu sehen, sah man eigentlich nichts mehr und auch die vorher so hilfrichen Linien wurden völlig ausgeblendet.

Als ich sicher zu Hause ankam, regte ich mich zunächst noch etwas über diese Autobegegnung auf und fing dann an, darüber nachzudenken...
Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir wie vom Nebel eingehüllt sind. Obwohl wir unser Leben kennen, finden wir uns nicht wirklich zurecht, können nicht erahnen was vor und liegt, erkennen nicht, wer neben uns geht und haben nicht mal die Kraft zu erkennen, was wir bereit hinter uns alles bewältigt haben. Wir haben nicht viel, außer ein kleines Licht, eine kleine Hoffnung, die den unmittelbaren Weg vor uns erleuchtet und wir gerade noch so erkennen können, dass es dort Leitlinien gibt und uns jemand einen Weg zeichnet. Es kostet unsere ganze Kraft, all unsere Konzentration und eine Menge Vertrauen, diesen Weg weiterzugehen und auf der Spur zu bleiben. 
 
Und dann gibt es manchmal Momente, in denen wir denken oder andere Menschen uns sagen, wir sollten uns doch mal alles anschauen, was um uns herum ist. Das Problem, all unsere Gefühle, den ganzen Weg, ja vielleicht sogar unser ganzes Leben mal genau beleuchten, damit wir alles erfassen können und uns auch ja sicher sind, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und dann schalten wir das Fernlicht an. Und was sehen wir? Dass wir nichts sehen. Dass unser ganzes Leben gerade nur eine nebelige Masse ist, in der wir nicht weit sehen können. Und diese Erkenntis führt nicht dazu, dass wir mehr von unserem täglichen Weg erkennen, sondern schüchtert uns ein, blendet uns und führt dazu, dass wir die feinen wegweisenden Linien, die sich selbst in dunkeln und zähen Zeiten durch unser Leben ziehen, nicht mehr erkennen können. Wir verlieren mehr von der wenigen Sicherheit, als wir vorher hatten. Es werden Zeiten kommen, in denen sich alles aufklart und aufklärt und wir erkennen was vor uns hinter uns liegt und wer uns alles zur Seite stand in dieser Zeit. Aber bis dahin ist es vielleicht besser, sich an den dünnen weißen Linien zu orientieren die sich direkt vor unserem Auge im Alltag zeigen und Stück für Stück vorwärts zu gehen, anstatt zu versuchen das große Ganze zu verstehen, dass uns dann doch nicht weiterbringt.

Donnerstag, 22. November 2012

Wortlos.

Wie soll man in Worte fassen,
dass nun alles anders ist
und doch so vieles bleibt
wie gehabt?

Wie soll man in Worte fassen,
dass sich alles verändert
und unser Leben dennoch
weitergeht?

Wie soll man in Worte fassen,
dass du so unfassbar fehlst
und trotzdem so nah bist
in unseren Herzen?

Montag, 19. November 2012

Novembernacht.

Sie saßen nebeneinander auf den kalten Stufen vor dem Haus. Sie sahen sich nicht an, sondern starrten beide auf den aufgesprungenen Asphalt, der sich vor ihnen erstreckte. Es war so kahl und kalt geworden, dass noch nicht mal das Unkraut aus den Rissen hervorschaute. Sie saßen so nah beieinander, dass sich ihre Beine berührten und sie die Körperwärme des anderen in dieser kalten Novembernacht spüren konnten. Eine ganze Weile schon hatte niemand mehr ein Wort gesagt und jeder hing seinen Gedanken nach und keiner wusste, dass sie dasselbe dachten. Jeder dachte daran, wie es gewesen wäre, wenn sie sich damals für einen anderen Weg entschieden hätten. Ein anderes Wort, ein anderer Blick, ein anderer Ort. Alles hätte gemeinsam sein können. Sie hätten zusammen die Welt erobert und ihre Herzen. Sie hätten gelacht, geweint, verstanden, gestritten, gelebt. Zusammen. Jetzt waren Jahre vergangen, in denen jeder sein eigenes Leben versucht hatte zu leben. Mit anderen Menschen, an anderen Orten. Mit anderen Entscheidungen und anderen Sichtweisen. Keines dieser beiden Leben war leer oder unerfüllt. Es war nur anders. Anders als es hätte sein können. Keiner sagte, dass es funktioniert hätte, dass sie nun glücklicher wären, wenn sich ihre Wege nicht getrennt hätten. Aber jedem der beiden Herzen gab der Gedanke einen Stich.
Ohne sich anzuschauen streckte er seine Hand aus und sie legte die ihre hinein. Er umfasste sie, vorsichtig und dennoch sehnsüchtig und sagte dann in die Stille der Nacht: „In einer parallelen Wirklichkeit wäre ich jetzt bei dir. Für immer.“

Sonntag, 18. November 2012

Wie die Kinder?!

Manchmal braucht's nicht viel um zwei Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Ein Blick, ein Wort oder eine Geste und man ist gekränkt. Man geht sich aus dem Weg, senkt den Blick, damit man den anderen nicht grüßen muss. Man regt sich über jede Facebook-Bewegung auf und ist jedes Mal kurz davor, ihm die „Freundschaft“ zu kündigen. Wenn man nach seiner Meinung gefragt wird, bleibt man selbstverständlich ehrlich und lässt seinen ganzen Brass über diese eine Person mal raus. Man kann ja auch nicht immer alles schlucken. In einer stillen Stunden gedenkt man der Situation, das winzige Gefühl von Reue wird von Selbstgerechtigkeit zertrampelt. Man muss doch auch mal zeigen, dass es so nicht immer geht. Und wie der gestern schon wieder geguckt hat. Man will gar nicht wissen, was der alles schon über einen in die Welt gesetzt hat an Gerüchten. Und wieder fragt jemand außenstehendes, der es noch nicht mitbekommen hat, was denn da vorgefallen sei und man hat noch einmal die Gelegenheit, den Konflikt, das unsagbare Verhalten dieses Menschen, dessen Namen man eigentlich gar nicht mehr in den Mund nehmen will und der heute schon wieder so etwas unverschämtes auf Facebook gepostet hat, in voller Breite auszuführen. Es ist ja schließlich sein gutes Recht, dass man sein Meinung vertritt.

Wenn man so etwas beobachtet, selbst erlebt und sich so verhält, dann sagt manch einer: „Das ist doch der reinste Kindergarten!“. Leider nicht. Leider ist genau das kein Kindergarten. Im Kindergarten streitet man sich, man wirft wütend Bauklötze an die Wand und Puppen in die Ecke, man schreit „ICH SPIEL NIE WIEDER MIT DIR!!“. Und noch am selben Tag kommt einer von beiden an, murmelt ein „'Tschuldigung“ und man reicht sich zum Frieden das Patschehändchen und sitzt dann wieder gemeinsam irgendwo rum, hat seinen Kummer und Frust vergessen und vergeben und konzentriert sich wieder auf das, was beiden Spaß macht. Das ist Kindergarten.

Das, was wir machen, ist kein Kindergarten. Das ist Erwachsenengarten, wobei das positive Wort „Garten“ darin schon fehl am Platz klingt. Wir bringen den Kindern bei, dass man sich vertragen soll, dass man sich gegenseitig verzeiht und Frieden schließt. Und selbst scheint es oftmals unter unserer Würde. „Unüberbrückbare Differenzen“ stellen sich in den Weg und wir kommen zu der „Erkenntnis“, dass es wohl auch Dinge gibt, die man nicht verzeihen kann.
Und anstatt Frieden zu schließen und das zu tun, was uns gemeinsam Freude bereitet, sitzt jeder in seiner Ecke und schmollt, manchmal bis ans Lebensende. Schlimmer als jedes Kind es je könnte.
Manchmal wäre ich lieber im Kindergarten, als in diesem Erwachsenengarten, den wir uns erschaffen haben.

Mittwoch, 7. November 2012

Verstand.

Manchmal wollen wir verstanden werden und verstehen dabei nicht, dass die, die uns verstehen sollen, auch verstanden werden müssen.

Dienstag, 6. November 2012

Weil wir groß sind.

Weil wir die Großen sind,
beißen wir die Zähne zusammen.
Weil wir die Großen sind,
bleiben wir stark.

Weil wir die Großen sind,
reißen wir uns zusammen.
Weil wir die Großen sind,
halten wir durch.

Doch manchmal...

Wären wir gerne die Kleinen,
die ihren Frust zum Ausdruck bringen.
Wären wir gerne die Kleinen,
die sich schreiend auf den Boden werfen.

Wären wir gerne die Kleinen,
die Schutz bei den Großen suchen.
Wären wir gerne die Kleinen,
die schwach sein dürfen.

Gott sei Dank,
ist er der Große
und wir die Kleinen.
Auch wenn wir manchmal groß sind
und Kleine haben.


(Ein Gedicht, welches ich heute spontan für meine liebe Schwester geschrieben hab.)

Montag, 5. November 2012

Etwas fehlt.

Aufwachen. Augen öffenen. Der Blick aus dem Fenster: Grauer Himmel. Ein guter Start in den Tag. Der nächste Blick auf das Handy: viel zu lang geschlafen. Und trotzdem ist es grau draußen. Aufstehen. Ins Bad schlurfen. Der Blick in den Spiegel aus Gewohnheit. Unbegeistert. Ein Toast und ein Tee zum Frühstück. Computer an. Telefon suchen. Jemanden anrufen. Reden. Auflegen. Internet. Emails lesen. An den Brief denken, der noch abgeschickt werden muss. Tagesplan. Keine Motivation. Wieder ein Blick auf die Uhr. Zeit ist ungesehen vorbeigeflogen. Hat nichts gesagt. Ist einfach gegangen. Ich könnte ihr nachlaufen, sie versuchen einzuholen. Oder ich bleib einfach hier auf dem Sofa liegen. Der Gedanke an die letzte Nacht. Der Traum. Nicht weiter drüber nachdenken. Was sollte noch gemacht werden? In die Küche. Spülmaschine einräumen. Wäsche abnehmen. Handtücher waschen. Musik anmachen. Wieder an einem Spiegel vorbei kommen und hineinsehen. Mh. Mittag essen. Telefonieren. Email schreiben. Habe ich heute schon genug getrunken? Über die letzten Tage nachdenken. Nachdenken. Sehen. Verstehen. Auf die Uhr sehen. Gleich ein Termin. Ins Bad. Zurecht machen. Wieder der Blick in den Spiegel. Das Ergebnis ist akzeptabel. Aber es sieht nicht überzeugend aus. Etwas fehlt. Etwas fehlt hier gewaltig. Schlaf? Kraft? Motivation? Ein Mensch? Mehrere Menschen? Nein. Oder vielleicht auch. Aber nicht nur. Etwas elementares fehlt hier. Etwas, was mich fast mehr Kraft kostet als ein gutes Wort, ein neuer Gedanke, etwas Motivation oder Reflexion. Es fehlt und sein Fehlen macht alles anders. Das Lächeln.

Freitag, 2. November 2012

Lebenshoffnung.

Zeit ist Geld. So sagt man. Und Geld brauchen wir alle. Zum Leben. So wie Luft. So wie Wasser.
Zeit ist Wasser. Zeit ist Luft. Zeit ist Leben. Leben ist Zeit. Lebenszeit. Geht voran, eilt vorbei, geht vorbei. Lebenszeit ist begrenzt auf Jahre und Stunden, Minuten, Sekunden. Leben ist Zeit. Zeit ist Leben. Ohne Zeit, kein Leben. Keine Zeit zum Leben.

Doch was. Wenn wir arm sind. Kein Geld haben. Keine Zeit. Unser Leben nicht bezahlen können. Mit der einzigen Währung, die zählt. Die Zeit.

Gibt es was. Das wichtiger sein kann als die Zeit? Etwas, was bleibt, wenn Zeit verstreicht? Etwas, das gibt und nicht nimmt. Was Leben schenkt und nicht entreißt. Etwas, was bleibt, wenn das Leben entweicht?

Die Hoffnung. Sie bleibt. Lebt. Besteht. Blüht. Glüht. In Herzen und Seelen. In Menschen. Im Leben. Sie ist wichtiger. Als Zeit. Die Hoffnung, die Leben gibt.

Wichtiger als die Zeit, ist die Hoffnung. In unseren Herzen. Der Blick auf die Hoffnung schenkt Leben. Der Blick auf die Uhr nicht.


Donnerstag, 1. November 2012

Herbstmelancholie.

Mit nackten Füßen auf nassem Gras. Der kalte Novemberwind bläst ihr die Haare aus dem Gesicht. Ihr Blick wandert über die Landschaft. Wiese. Kahle Bäume. Braune Büsche. Laub. Überall Laub. Als es noch an den Bäumen hing und in allen Herbstfarben leuchtete, war es schön anzusehen. Jetzt aber liegt es in einem einheitlichen Braun auf dem Boden, durchnässt und matschig. Es anzuschauen macht keine Freude mehr, sondern stimmt sie unerklärlich traurig. Eine Krähe schreit und der Himmel ist grau und undurchsichtig. Für einen Moment hat sie das Bedürfnis, sich fallen zu lassen, alles loslassen, am Boden liegen, sich der grauen Herbststimmung hingeben. Nichts tun. Nur da liegen und alles aus sich rausfallen lassen. Alle Fragen, alle Traurigkeit, alles Unverständnis. Das braune Laub würde sie auffangen, sie umfangen, verschlingen. Eingedeckt in das nasse Zeichen der Vergänglichkeit. Sie schwankt. 
 
Und steht dann wieder fest. Atmet die Herbstluft ein, die ihrer Lunge erfrischen. Sie ist am Leben. Auch wenn es Herbst ist und alles sie daran erinnert, dass das Leben endlich ist. Heute, morgen, gestern, vor einer Woche und vor drei Monaten. Das Leben ist endlich. Aber sie ist am Leben. Sie liegt nicht wie das Laub am Boden. Sie steht mit beiden Beinen auf dem Boden und im Leben. Sie fühlt das nasse Gras, sie hört die Krähe, sie sieht den Himmel. Und sie atmet. Ein und aus und ein und dreht sich dann um und geht wieder in das warme Innere des Hauses. Denn zu leben ist ein Geschenk.

Montag, 29. Oktober 2012

Schlüsselfiguren

Menschen laufen durch unser Leben, kreuzen unseren Weg, begleiten uns eine Strecke lang, kommen und gehen. Wenn ich auf mein noch nicht allzu langes Leben zurückschaue, kann ich in Zahlen nicht festhalten, wie viele Menschen mir schon begegnet sind. Und damit meine ich nicht nur Menschen, die ich mal gesehen habe, sondern allein die, mit denen ich gesprochen habe, denen man sich mindestens mit Namen vorgestellt hat. Allein die Menschen aus meiner Studienzeit, also aus den letzten drei Jahren, könnte ich nicht aufzählen.

Nicht jeder Mensch, mit dem man mal gesprochen hat, bleibt einem im Gedächtnis. Selbst Menschen, mit denen man Jahre seines Lebens direkt oder indirekt verbracht hat, können einem aus der Erinnerung fallen. Andere Menschen spielen eine ganze Lebzeit eine besondere Rolle. Manche Personen sind für bestimmte Zeiten im Leben wertvolle Begleiter und Ratgeber, Freunde, Kontrahenten, Vorbilder, Schützlinge. Bei beinahe jeder Begegnung mit einem Menschen verteilen sich Rollen und diese Begegnungen haben einen Sinn, eine Bedeutung, einen Zusammenhang.

Und dann gibt es eine ganz besondere Art von Rolle, die Menschen einnehmen: Sie werden zu Schlüsselfiguren. Durch ihr Erscheinen, durch die Begegnung mit ihnen, schließt sich eine Tür auf, Wege verändern sich, Richtungen verändern sich. In einem Leben gibt es viele Schlüsselfiguren. Oftmals kann das der Partner sein, durch den man neue Lebenswege beschreitet und ohne dessen Auftreten man nun an einem anderen Ort, in einer anderen Situation, einem anderen Leben wäre. Aber da es halt mehrere Schlüsselfiguren gibt, kommen noch mehr Menschen in Fragen. Und nicht immer erkennt man sie in ihrer Rolle. Manchmal erkennt man erst im Rückblick, was die Begegnung mit dieser oder jeder Person ausgemacht hat und welche Kreise diese Begegnung gezogen hat und vielleicht nicht nur ein Leben, sondern gleich mehrere direkt und indirekt verändert hat.

In einer gewissen Weise kann jede Begegnung mit einem Menschen zu einer Schlüsselsituation werden, aber manche sind wirklich prägnant und verändern unser Leben langanhaltend und grundlegend. Ich finde interessant, dass man manche Menschen zwar als solche Schlüsselfiguren erkennt unter dem Motto „Wenn der und dies und jenes nicht gewesen wäre, dann...“ aber die Person das oft selbst nicht weiß und wir es vielleicht auch nicht auf anhieb zu schätzen wissen?
Natürlich ist nicht jede lebensverändernde Begegnung so, wie wir es uns erwünscht und erhofft haben. Wir wissen ja auch, dass die meisten Menschen Veränderungen grundsätzlich eher abgeneigt entgegenstehen.
Oder wir erkennen diese Rolle eben nicht. Fanden die Begegnung immer eher lästig und werden uns erst in besonderen Situationen bewusst, wie wichtig sie für unser Leben war.

Ich möchte nicht zu einem Schubladendenken aufrufen oder animieren. Aber ich glaube, manchmal tut es uns ganz gut, unsere Begegnungen zu reflektieren und nicht gleich alles von unseren Gefühlen oder dem anderen drum herum übertönen zu lassen. Vielleicht gibt es Menschen, die massiv dazu beigetragen haben, dass du heute dort sein kannst, wo du bist und der Mensch sein kannst, der du heute bist, und dir ist das noch nie bewusst geworden.
Und andersrum kann es gut sein, dass es Begegnungen in deinem Leben gab und noch zu Hauf geben wird, in denen DU eine Schlüsselfigur bist und das Leben anderer Menschen (hoffentlich zum positiven) verändern kannst.

Ein Grund mehr, die Begegnung mit anderen Menschen zu suchen und zu schätzen und für sie dankbar zu sein.

Freitag, 26. Oktober 2012

Reaktionszeit

Viele Dinge im Leben machen wir automatisch. Und meistens unheimlich schnell. Besonders beim Autofahren ist es faszinierend, wie sehr alle Handlungen in Fleisch und Blut übergehen und man sie macht, ohne lange darüber nachzudenken. Man schaltet, blinkt, bremst, lenkt, blickt und das oft zum Teil gleichzeitig und manchmal auch wirklich schnell.

Es gibt so vieles, was man im Alltag macht, über das man nicht mehr nachdenkt. Manchmal kann man sich gar nicht mehr daran erinnern und es fällt einem schwer sich zu vergegenwärtigen, ob man es wirklich getan hat oder nicht. Bei manchen Dingen ist es gut, denn dann ist es ein Zeichen dafür, dass man sich an die Regelmäßigkeit der Tätigkeit gewöhnt hat und man nicht mehr bewusst handeln muss.

Bei anderen Dingen merkt man gar nicht, dass man sie tut, weil man sie unbewusst und im Normalfall so nebenbei, dass es einem nicht auffällt. Ich bin beispielsweise jemand, der andere Menschen immer beobachtet. Ich höre sehr viel und meistens sehe ich noch mehr. Und dann denke ich auch noch darüber nach. (In dem Post „Augen, Herz und Hirn“ bekommt man einen kleinen Einblick in meinen Beobachtungsalltag..) Ich mache das nicht absichtlich oder verkrampft. Ich bin nicht bemüht, alles aufzunehmen, es kommt von alleine. Mir fällt es meistens erst im Nachhinein auf, was ich alles mitgenommen habe. Die Menschen, die ich beobachte, bekommen es vermutlich eher selten mit.

Außer in einer Ausnahme: Wenn ich gesundheitlich angeschlagen bin, verändert sich meine Reaktionszeit. Erheblich. Dann passiert vieles zeitversetzt. In Gesprächen sind meine Gedanken oft schneller, als mein Mund sprechen kann. Das Autofahren verlangt viel mehr Konzentration. Und auch das Beobachten ist nicht mehr so einfach. So passiert es mir, dass ich beispielsweise im Supermarkt stehe und Menschen an mir vorbeigehen, die ich automatisch registriere, sehe, was sie kaufen und meistens nehme ich noch kurz wahr, in welcher Stimmung sie sich bewegen. Im Normalfall sehe ich das mit einem Blick und sofort richtet sich meine Konzentration wieder auf meinen eigenen Einkauf. Wenn ich krank bin, passiert es, dass ich stehen bleibe, all das sehe und die Menschen weiter ansehe, auch wenn der Wahrnehmungsaugenblick schon längst vorüber ist. Und dabei fällt mir dann erst bewusst auf, dass ich die Menschen um mich herum so sehr beobachte. Ich erstarre quasi für ein paar Sekunden, bin abgelenkt von meinem eignen Vorhaben. Und die veränderte Reaktionszeit macht mir das erst bewusst.

Ich finde das sehr spannend (und in den Situationen immer etwas peinlich), dass man auch solche Dinge im Unterbewussten tut und man sie eigentlich gar nicht wirklich mitbekommt. Erst durch solche verzögerten Reaktionszeiten oder in der Reflektion nimmt man wahr, was man alles tut.

Wir leisten täglich eine ganze Menge mit unserem Denken, Fühlen und Handeln. Das darf man sich zwischendurch mal bewusst machen.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Kontaktlisten

Im Zeitalter der neuen Medien gibt es viele seltsame Phänomene. Eines davon ist mir in den letzten Tagen verstärkt aufgefallen. Es geht um Menschen. Und wie wir mit ihnen in Kontakt stehen. Bzw. geht es heute eher um die Sorte von Menschen, mit denen wir nicht (mehr) in Kontakt sind.

Es gibt diese Momente, wenn man beispielsweise ein neues Handy bekommt und die Kontaktdaten überträgt, in denen man feststellt, dass man Kontaktdaten von Menschen hat, mit denen man schon seit einiger Zeit, vielleicht ein paar Monate, vielleicht sogar Jahre, überhaupt keinen Kontakt hat. Das ist wohl nichts besonderes, Menschen verlieren sich gegenseitig aus den Augen, man hat viel um die Ohren und all sowas. Manche Kontakte hat man vielleicht auch nur für einen bestimmten Zweck, der bereits erfüllt wurde. Aber es gibt eben auch diese, mit denen man einmal viel geteilt hat: Freundschaft, Bekanntschaft, Hobbies, Lebenszeit. Und nun sitzt man vor dem neuen Medium und fragt sich: Brauche ich diesen Kontakt noch?

Nach Aussagen von Menschen, die gerne Ordnung halten, sollte man alles, was man länger als eine gewisse Monatsanzahl nicht gebraucht hat, einfach wegtun. Zählen Menschen und die Kontaktwege zu ihnen auch dazu? Ja, man hat vielleicht schon über eine lange Zeit keinen Kontakt mehr – aber verbindet einen nicht noch irgendwas? Was wäre, wenn man nun wieder Kontakt aufnehmen würde – würde man dann nicht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit feststellen, dass einen immer noch manches verbindet wie ähnliche Vorlieben, Weltansichten und Sympathie?

Manchmal habe ich das Gefühl, man schafft es nur mit einer gewissen Anzahl von Menschen Kontakt zu halten und alles, was darüber hinausgeht, fällt irgendwo runter. Auch wenn einen doch so manches einen könnte. Bestimmt gibt es Situationen, in denen Wege sich teilen und man nicht mehr zueinander findet. Aber was ist mit all den Wegen, die parallel laufen, auf ähnlicher Strecke, mit ähnlichen Höhen und Tiefen? Und man ist nicht mal mehr in der Lage, sich hin und wieder zu winken und sich mitzuteilen: Hey, es gibt mich noch und wir sind immer noch miteinander verbunden. Mindestens im Herzen. Oder gehört es im Leben einfach dazu, dass man sich ohne größere Gründe trennt und nie wieder sieht? Oder verbindet einen mit den Menschen, mit denen man den Kontakt hält, doch mehr als mit den anderen wo der Kontakt brachliegt? Wie groß ist unsere Welt, die wir uns erschaffen? Um es mit den Worten einer lieben Freundin zu sagen: „Manchmal sind wir auch nur ganz klein.“ Und unsere Welt, unser Tun und alles ebenso. Es macht mich traurig, dass so vieles so kurzlebig ist. Episodenartiges Leben mit immer neuen Besetzungen. Jede Besetzung hat ihre eignen Vorteile. Und doch fragt man sich, was mit den anderen geschieht, die nicht mehr aktuell zu sehen sind...

Viele Fragen. Kaum Antwort. Denn manchmal lässt sich das Leben nicht erklären.

Montag, 22. Oktober 2012

Crazy.

Ich bin ein großer Wortfreund. Das ist für die meistens nichts Neues. Manchmal kann ich stundenlang über ein Wort nachdenken und überlegen, welche Bedeutung es hat für die Welt und für mich, wie es klingt, was es noch bedeuten könnte und all sowas.
Als ich in einem Seminar saß, sagte jemand den Satz: „Das ist doch total verrückt.“ Eine Aussage, die eigentlich nicht viel Besonderes beinhaltet. Aber in meinem Kopf hallte ein Wort nach:
VERRÜCKT. Verrückt. Verrückt. Verrückt. Verrückt. Verrückt. Verrückt. Verrückt. Verrückt....

Wenn man das Wort „Verrückt“ in dem Zusammenhang hört, wie in dem Beispielsatz scheint daran eigentlich nichts seltsam. Etwas ist total abgedreht, erstaunlich, unglaublich. Aber während das Wort im Hirn herumgeisterte fiel mir etwas auf:

Etwas ist verrückt, weil es von dem eigentlich Platz weggeschoben wurde. Ein Möbelstück zum Beispiel kann verrückt sein. Das heißt, wenn wir verrückt sind, befinden wir uns nicht mehr an dem für uns vorgesehen Platz. Oder wir bringen nicht das Verhalten an den Tag, dass von uns erwartet wird, das, was eigentlich dahin gehört.

Wenn wir verrückt sind, sind wir verschoben worden. Oder wir haben uns selbst an einen neuen Platz gebracht. Manchmal ist es gut, ein bisschen verrückt zu sein. Ein bisschen aus der Norm zu fallen. Seinen alten Platz zu verlassen.
Wenn man etwas verrückt, ist der Anblick danach immer erstmal gewöhnungsbedürftig. Wir sind etwas anderes gewohnt. Und dennoch gewöhnt man sich auch an das verrückte.

Seinen Platz zu wechseln, die Perspektive zu verändern, das Gesamtbild mal aufzulockern, sich ein bisschen verrücken und verrückt sein. Das schadet selten.
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