Sonntag, 21. September 2008

Ansteckungsgefahr

Eigentlich ist es jedes Quartal das Gleiche: Sobald die Klausurenphase in der Schule anfängt oder direkt nachdem man sie überstanden hat, kommt es zu einer Krankheitswelle in meiner Stufe. Diesmal ist es eine Sommergrippe die ihre Runden macht und sich auch nur bedingt von der einwöchigen Studienfahrt vor einer Woche unterbrechen ließ. Ich persönlich war vor der Fahrt ziemlich krank, die sommerlichen Temperaturen in der Toskana ließen das genesen, auf der Rückfahrt ins kalte Deutschland fing ich wieder an rumzugrippen. Und wenn man sich gerade ein wenig erholt hat, sitzt irgendwo wieder irgendwer neben dir, der dich anhustet oder meinetwegen auch nur anatmet und schon wird’s wieder schlimmer mit Husten und Schnupfen.
Es herrscht akute Ansteckungsgefahr.

Sich mit Krankheiten anstecken zu lassen, egal welcher Art, ist immer nervig und anstrengend und je nach Ausmaß kann es sogar gefährlich werden. Krankheiten die uns physisch einschränken in dem was wir tun wollen oder tun müssen sind ärgerlich und zeitaufwendig.
Aber in der letzten Zeit ist mir aufgefallen, dass es „Krankheiten“ gibt, die uns eher psychisch und zwischenmenschlich angreifen und einschränken und vor allem: Die sich unheimlich schnell ausbreiten und gegen deren Ansteckung man sich so gut wie überhaupt nicht wehren kann.
Eine der gefährlichsten dieser Art ist wohl die „üble Nachrede“ oder „lästern“ oder „scheiße labern“ oder wie man es sonst bezeichnen möchte. Eine „Krankheit“ die so sehr verbreitet ist, dass man es manchmal für selbstverständlich hält, dass man mit ihr infiziert ist.
Ich selbst bin in den letzten zwei Wochen sehr stark erkrankt daran. Sehr unschön. Denn das Krankheitsbild ist so „natürlich“, dass es mir viel zu spät aufgefallen ist, dass ich krank bin.
Man verhält sich wie immer, beobachtet diesen und jenen Menschen, ärgert sich über ihn, ist vielleicht verletzt darüber und anstatt mit dem Menschen direkt zu sprechen, spricht man mit der ganzen Welt darüber ohne dass der Mensch etwas davon mitbekommt.
Ich habe eine Menge guter Gründe, warum ich mich von dieser Krankheit hab anstecken lassen. Von „alle machen das“ bis hin zu „ich habe ein Recht darauf“ ist alles dabei. Aber im Endeffekt sind diese Alle, auf die man sich zurückberuft, auch ALLE nur ERKRANKTE, die dich natürlich darin bestätigen, dass deine Symptome nur das aller natürlichste auf der ganzen Welt sind.
Wie schnell einen solch eine Welle erfassen kann und wie schnell es einen niederreißen kann, hab ich jetzt am eigenen Leib erfahren. Und ich wünsche mir sehr, dass ich mich auf Dauer vor dieser Krankheit schützen kann. Nur wie?


Ich glaube, „üble Nachrede“ ist nur eine „Krankheit“ von so vielen Sachen, von denen wir uns so schnell anstecken lassen. Sei es die schlechte Laune des Freundes, die einen runter zieht, oder auch negative Lebenseinstellungen. Zeiten mit verbitterten Pessimisten zu verbringen macht uns nicht zu lebensfrohen Menschen. Ich denke zwar, dass es sehr wichtig ist, Zeit auch mit solchen Menschen zu verbringen, aber dann sollten sie von einer freudigen Gegenseite angesteckt werden und nicht andersherum. Vermutlich wäre es das beste, wenn man sich jeden Tag für sich selbst entscheidet, einen guten Tag aus diesem Tag zu machen. Aber sobald man solch einen Vorsatz gesetzt hat und einen Schritt vorwärts geht, betritt man verseuchtes Gebiet mit eben der akuten Ansteckungsgefahr.


Man kann sich nicht vor den Krankheiten und Viren und Seuchen schützten, die täglich um uns herum sind. Aber wir können uns nach jedem Tag und im Prinzip auch jederzeit „desinfizieren“ lassen durch Jesus. Und alles hinbringen und da lassen was war und was uns krank macht. Ohne Neben- und Nachwirkungen.


Ich wünschte, ich würde das öfters tun und meine „Krankheiten“ nicht immer so lange mit mir rumschleppen.


Danke fürs lesen.


Unten habe ich ein etwas älteres „Nachtgebet“ angehängt, dass ich aus dem Johanneum mitgebracht hab. Ich mag es, vielleicht spricht es ja wen an.

Ein Nachtgebet:

Der Tag hat uns müde gemacht.
Was er wer war, weißt du allein.
Vieles habe ich versucht, vieles habe ich versäumt.
Wie oft habe ich dich vergessen.
Wie oft bin ich an Menschen schuldig geworden.
So komm ich unter dein Kreuz.
Du kannst zurechtbringen, was ich falsch gemacht habe.
Du bist größer als mein Versagen.
Du bist größer als meine Not.
Schenke mir deine Vergebung und gib mir die Kraft
zu vergeben, wo uns selbst Unrecht getan wurde.
In deinem Frieden, Herr, bin ich geborgen.
Gelobt seist du in Ewigkeit.
Amen.

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