Donnerstag, 4. Oktober 2007

Schlüsselbund

Seit wir umgezogen sind, bin ich stolze Besitzerin eines eigenen Schlüsselbundes, mit drei Schlüsseln. Alle drei benötige ich, um in unsere neue Wohnung zu kommen. Ich gebe immer acht auf ihn, versuche ihn nicht irgendwo im Chaos unterkommen zu lassen und ihn, wenn ich ausgehe, immer mitzunehmen. Ich gestehe soagr ein, dass ich manchmal hektisch anfange meine Tasche zu durchwühlen, wenn ich ihn nicht sofort finde und suche ihn immer schon viel zu rechtzeitig heraus, bevor ich zu Hause ankomme. Selten sind die Fälle, an denen er wohlbehütet an seinem Extraplatz in meinem Zimmer liegen bleibt und ich meine Eltern runterklingeln muss um in die Wohnung zu kommen.
Heute Mittag kam ich nach einer recht kurzen Nacht und dafür umso längeren Zugfahrt nach Hause. Der Umstand, dass kein hektisches Treiben im Bus meinerseits begann und ich sehr ahnungslos an meiner Haltestelle ausstieg, machten mich leider nicht misstrauisch, denn ich bemerkte es nicht. Auf dem Weg zu unserem Haus wühlte ich gewohntermaßen in meiner Tasche und ich fand alles - außer den besagten Schlüsselbund. Ich durchwühlte sie nochmals. Ich überlegte, wann ich den Schlüssel das letzte Mal gesehen hatte und ob ich mir wirklich sicher wäre, ihn überhaupt einzupacken. In der Tasche war er zumindest nicht. Mein nächster Gedanke war, dass meine Eltern nicht zu Hause waren und auch in den nächsten sechs Stunden nicht nach Hause kommen würden. Dann fiel mir ein, dass heute ein Feiertag war, ich konnte also noch nichtmals in die Stadt fahren um mir dort die Zeit zu vertreiben. Mein Kopf sagte mir zudem, dass nicht mehr viel Geld auf meinem Handy war um alles irgendwie doch zum Guten zu weden.
Bis ich die Haustür erreicht hatte, hatte ich schon alle Möglichkeiten durchgedacht und zu keinem Ergebnis gekommen. Ich rief meinen Vater an, klingelte bei den Nachbarn, damit ich überhaupt ins Haus kam. Doch ohne die anderen beiden Schlüsseln würde mir das nichts bringen. Ich suchte den Ersatzschlüssel und fand ihn sogar. Alles schien gerettet. Ich ging zur nächsten Tür und steckte den dafür vorgesehenen Schlüssel hinen - und konnte die Tür nicht öffen. Der Schlüssel ließ sich nur mit einem drittel in das Loch schieben, mit etwas (viel) Gewaltanwendung beförderte ich ihn sogar zu zweidritteln hinein, aber weiter ging nicht und somit war alles zwecklos.
Es dauerte noch ungefähr 20 Minuten, bis ich endlich in der Wohnung war, weil ich zufällig einen Ersatzschlüssel auch dafür aufrteiben konnte, der sogar passte.
Am Abend ging ich nochmal aus und als ich grade nach Hause kam, und diesmal hatte ich meinen eigenen Schlüsselbund dabei, empfand ich es als ein seltsames Glücksgefühl diese drei Türen ohne fremde Hilfe und langen Wartezeiten und nervender Verzweiflung zu öffnen. Es ging so einfach. So selbstverständlich.
Ich dachte: "Man ist immer auf der besseren Seite, wenn man die richtigen Schlüssel hat."
Ist es im Leben nicht genauso? Wenn man "die richtigen Schlüssel" hat, geht manches so einfach oder zumindest einfacher und manches wird selbstverständlich. Zwar kommt man vielleicht auch ohne einen Schlüsselbund zu haben ein Stück weiter, aber für das Ziel, das warme zu Hause (und ein Bett ^^) reicht es nicht. Ich weiß, dass ich selbst oft versuche viel aus Eigeninitative zu machen, mit dem Ergeiz mir Dinge selbst zu erarbeiten und mit meinen Möglichkeiten voranzukommen und dabei gerne auf Dinge verzichte, die es mir wesentlich einfacher machen würden voranzukommen, z.B. der Dialog mit Gott.
Und manchmal "verzichte" ich darauf eher unabsichtlich, weil ich es einfach vergesse oder zu faul bin oder zu sehr mit mir selbst beschäftigt.
Schön ist doch, dass wir solch ein Schlüsselbund für unser Leben kriegen und ihn benutzen dürfen, ihn mit uns rumtragen und damit ans Ziel kommen und damit auch immer wieder zu Gott selbst.
Und was auch schön ist, dass Gott uns auch die Türen öffnet, vor denen wir sitzen und vergessen haben wie das mit dem Schlüssel nochmal geht. Wenn wir ihn darum bitten. Das kann manchmal Zeit in Ansüruch nehmen, weil wir uns selbst dazu überwinden müssen unser Vergessen einzugestehen, aber Gott lässt uns nicht allein vor den für uns verschlossenen Türen unseren Lebens sitzen.

Gute Nacht.
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