Donnerstag, 27. September 2007

Am Abend...

Gedankenchaos.
Wie so oft um diese Uhrzeit.
Es fühlt sich seltsam an.
Natürlich höre ich alles um mich herum,
höre das Rauschen meines Computers,
höre das Ticken der Uhr,
höre die Autos auf der Straße und das Klappern in der Küche.
Doch eigentlich will ichs nicht hören.
Habe das Bedürfnis zu schlafen,
das Bedürfnis zu Ruhe zu kommen
und das Bedürfnis in den Arm genommen zu werden.
So viele Fragen in meinem Kopf
und so viele seltsame Erkenntisse,
die ich gar nicht wissen will
und die sich mir trotzdem immer und immer wieder aufdrängen.
Fühle mich erschöpft und ausgelaugt
von einem Tag an dem ich nicht viel gemacht hab.
Ich suche etwas, was ich nicht finden kann, schon den ganzen Tag.
Und alles was ich bei dieser Suche sonst finde
macht mich nachdenklich, traurig und vielleicht auch ängstlich.
Ist das eine würdige Verfassung einen Tag zu beschließen?
Hab mal wieder Fernweh,
raus aus meinem Chaos
was mich an Tagen wie diesem Ersticken lässt.


Am Abend,
wenn keiner sieht wie sich
die Welt
auf meine kleinen Schultern legt,
zwischen Traum und Niedergang
wer bin ich dann?

(Jenas Böttcher: "Am Abend" http://www.boettchercom.de/index/musik.htm )

Sonntag, 9. September 2007

Die Begegnung

Er stand auf einmal vor mir, mit dem Rücken zu mir. Ich konnte meinen Augen nicht glauben. Wie lange hatte ich ihn schon nicht mehr gesehen? War er es überhaupt? Wenn er es wirklich war, warum war er hier? Auf diesem Konzert mit sehr spezielle Musik und einem sehr ausgewähltem Publikum. Ich versuchte mich wieder auf die Musik zu konzentrieren, aber sie spielte in meiner Wahrnehmung nur noch im Hintergrund. Wenn ich doch nur ein Blick auf sein Gesicht werfen könnte! Wie lang war es her? Drei Jahre? Vier Jahre? In meinem Kopf drehte sich alles. Während ich grübelte und ihm immer mal wieder einen Blick zu warf und versuchte handfeste Beweise für mein vorschnelles Bauchgefühl zu finden, fing er an zu tanzen. Unpassenderweise. Die Musik war ihm nicht vertraut und es kamen immer wieder viel zu aggressive Bewegungen vor, die gar nicht zum Musikstil passten. Ich suchte in meinem Kopf verzweifelt nach unserer letzten Begegnung, aber alles was meine Erinnerungen hervorbrachten war verschwommen oder nur Informationen die ich erst in der letzten Zeit über ihn bekommen hatte. Sein Tanzstil beschämte mich. Oder vielleicht mehr der Umstand, dass ich ihn kannte und er die ganze Konzertstimmung aufwühlte? Zwischen den Liedern blieb er am Rand stehen. Meine Chance ihn zu betrachten. Zu meinem Leidwesen kam er auf die selbe Idee und wir schauten uns einen ungewöhnlich langen Moment an. Er war es. Diese spitze Nase und die Augen. Zwar zierte sein Kinn nun einen kleinen Ziegenbart und die Haare waren zu längeren Locken geworden die er zum Takt schüttelte. Ob er mich erkannte? Sicher nicht. Denn wenn mein Kopf mich nicht betrügte hatten wir damals gar nicht so viel miteinander zu tun gehabt, nur das wir im gleichen Schuljahrgang waren. Er grölte. Er sprang durch die Gegend. Er nutzte die leere Tanzfläche und genoss es offenbar vom Rest des Publikums dabei zu beobachtet werden. Mich verschaffte diese aggressive Art der Bewegung ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Nicht das ich Angst vor ihm gehabt hätte. Aber mir war die ganze Situation unheimlich unangenehm. Und aus seiner ganzen Darstellung schloss ich, dass er mich nicht erkannt hatte. Vermutlich erinnerte er sich noch nicht einmal an mich. Wieso auch. Ich kannte ihn zwar, mit Vor- und Nachname und ich wusste auch alle schwierigen Geschichten aus seiner Vergangenheit und alles, was ich im nachhinein noch erfahren hatte. Aber ich war es gewohnt, dass dies eine sehr seltene Erscheinung war und andere Menschen ihre Mitmenschen nicht so wahrnahmen oder sich gar alles so dermaßen detailiert einprägten.

Das Konzert war zu Ende und ich stand noch mit ein paar anderen zusammen, wir tranken und unterhielten uns über die Musik, einer aus der Band hatte sich zu uns gestellt. Ich merkte, wie mir jemand auf die Schulter tippte. Und dann hörte ich meinen Namen. Meinen Vornamen UND meinen Nachnamen. Ich drehte mich um und er stand direkt vor mir. Er lächelte verlegen, fragte mich, ob ich mich noch an ihn erinnern könnte und wie es mir ginge. Ich war kaum in der Lage zu antworte. „Ich bin leider ein wenig betrunken.“,meinte er entschuldigend. Das war mir auch aufgefallen. Und wie er so vor mir stand war er genauso wie ich ihn in Erinnerung hatte. Und ganz anders als er sich dort eben auf der Tanzfläche verausgabt hatte. Ich verabschiedete mich schnell, hatte ihm nicht viel zu sagen und zu viele Gedanken im Kopf. Auf meinem Heimweg überlegte ich, ob ich mich nicht nochmal bei ihm melden sollte, wenn er wieder nüchtern wäre. Schließlich hatte er sich an mich erinnert. Völlig. Nach den vier Jahren und trotz des Alkohols. Hatte das was zu bedeuten? Auch das er so anders war, wenn er nicht im Rampenlicht stand gab mir zu denken. Aber auch mein Unwohlsein kam mir in den Sinn. Ich musste erst einmal darüber nachdenken. Vielleicht wollte er im nüchternem Zustand auch nichts mit mir zu tun haben. Wer wusste das schon. Riskieren oder nicht? Aber was sollte ich von ihm wollen? Ich schob all diese Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes und nahm mir vor erst einmal abzuwarten. Vielleicht würde er sich ja auch von selbst melden? Falls er sich noch an diese Begegnung erinnern konnte, wenn er wieder nüchtern war.

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