Freitag, 24. Februar 2012

Herzkampf.

Wie ein aufgescheuchtes Huhn rannte ihr Herz in ihrem Brustkorb umher. Ich will das nicht. Ich will das nicht, ich will das nicht, hämmerte es immer wieder in ihrem Kopf. Ihr Herz fühlte sich an, als sei es schon verletzt. Es fühlte sich so weich an, so unendlich verletzlich. Ich will nicht, schlug es im Takt. Bitte verschone mich vor diesem Anblick. Bitte, lass es mich nicht sehen. Lass diese Bilder nicht in dich hinein. Lass uns heute Nacht nicht im Traum mit ihnen kämpfen müssen! Du weißt doch wie sie sind. Sobald sie einmal in deinem Kopf sind, brennen sie sich ein. Und wenn du sie verdrängst, kommen sie nachts wieder. Bitte lass es nicht zu! Lass uns doch einfach unbeschwert und kindlich naiv bleiben, aber lass uns diese Bilder nicht anschauen.

Was würden sie sagen, wenn sie sich diesen Film nicht anschauen würde. Wenn sie die Augen verschließen würde vor dem Leid, den entsetzlichen Anblicken, der Ungerechtigkeit. Wäre sie dann nicht genauso dumm und oberflächlich wie alle anderen Menschen, die sich nicht darum scheren, was in der Welt passiert? Die sich das Leid der Welt in den Abendnachrichten ansehen und sich dabei ihr Lebenwurstbrot in den Mund schieben? Was würde sie unterscheiden von diesen Menschen, wenn sie sich nun verweigerte. Weil alles in ihr danach schrie, diese Bilder nicht sehen zu wollen, nicht die Konfrontation einzugehen. „Man muss doch wissen was in der Welt passiert!“, hörte sie die anderen sagen. „Du kannst dir doch gar kein Bild davon machen, wenn du es nicht gesehen hast!“ Ich will mir auch kein Bild davon machen, schrie ihr Herz. Reicht es nicht, wenn ich mit meinem Verstand weiß, dass es all dieses Unrecht auf der Welt gibt? All diese furchtbare Gewalt? Musse ich es mir wirklich von anderen Menschen zeigen lassen, wie es ausgesehen haben konnte? Menschen, die vielleicht eine viel härtere Schale hatten, als sie selbst? Menschen, die es anders verpackten als sie? Menschen, deren Herz nicht anfing zu zerbersten wenn sie nur die Vorschau des Films sahen?

Gott, sagte sie leise. Danke, dass es mir in meinem Land und in meinem Leben so gut geht. Vielleicht vergesse ich oft wie schlimm es auf dieser Welt ist. Das tut mir Leid. Ich bitte dich, dass du den Menschen, die so ungerecht behandelt und gewaltsam behandelt werden,Trost und Hoffnung schenkst. Aber Gott, sie atmete tief ein und aus, ich kann es mir nicht ansehen. Ich ertrag es nicht zu sehen, wie schrecklich Menschen miteinander umgehen. Und ich glaube, du erträgst es auch nicht. Und trotzdem siehst du hin. Danke, dass dir diese Menschen nicht egal sind.

Danke fürs Lesen.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Einmal jährlich.

Gestern war es mal wieder soweit. Männliche Wesen eilten mit Blumen und weibliche mit roten Wangen durch die Straßen der Welt. Wenn er seine Angebete und besonders sie ihren Prinzen an diesem besonderen Tag nicht zu Gesicht bekam, wurde Leid geklagt. Überraschungen, allgemeine Liebesbekundungen und viele rot- und rosafarbene Sonderangebote dominierten. Alle anderen, welche nicht vom Überschwung der Tagesverliebtheit berauscht waren oder enttäuscht von der Liebe und den Menschen, gingen ihrem normalen Tagesgeschäft nach oder kuschelten mit der Heizung.

Es gibt vermutlich nur zwei Fraktionen. Die einen, die den Valentinstag lieben und die anderen die sagen: „Gestern war Valentinstag? Schön für den Valentinstag.“ Zur letzteren zähle ich. Noch nie war dieser Tag etwas Besonderes für mich und noch nie habe ich etwas Besonderes daraus gemacht. So könnte man mir vorwerfen, ich sei nur neidisch auf diejenigen, deren Helden ihnen an diesem Tag Rosen, Schokolade und Schmuck und andere Aufmerksamkeiten zukommen lassen..

Ich halte es mit dem Valentinstag so wie mit dem Muttertag und Vatertag. Wieso soll ich nur an einem Tag diesen Menschen zeigen, was sie mir bedeuten? Eigentlich sollte jeder Tag ein Tag sein, an dem ich jenem Menschen, den ich besonders lieb habe, sage, was er mir bedeutet. Ebenso wie ich meinen Eltern jeden Tag Respekt, Ehrung, Dank und Liebe entgegenbringen sollte. Jetzt könnte man natürlich sagen: „Dann müsste man ja auch jeden Tag Geburtstag feiern und jeden Tag Weihnachten und Ostern und alle anderen wichtigen Feiertage.“ Und ich denke, eigentlich sollte das auch so sein.
EIGENTLICH sollte man sich jeden Tag freuen, dass man geboren wurde und dankbar sein für sein Leben. EIGENTLICH sollte man jeden Tag dankbar sein, dass Gott Mensch wurde und auf unsere Welt kam. Und erst recht sollte man EIGENTLICH jeden Tag feiern, dass Jesus für alle Sünden gestorben ist und den Tod überwunden hat. Unser ganzes Leben, jeder Tag, sollte ein Fest voller Dank und Liebe und Freude sein. Das wäre angemessen.

Und warum machen wir das nicht? Ganz einfach weil wir uns von allen Alltagsdingen beeindrucken und vor allem runter ziehen lassen. Man wacht auf, schaut aus dem Fenster, alles ist grau und verregnet. Da ists mit der Freude schon mal vorbei. Dann hat man vielleicht noch verschlafen und das Auto springt nicht an. Von Dankbarkeit keine Spur. Und dann wird man versetzt oder hat einfach nicht genug Geduld. Da ist die Liebe auch fort.

Ich glaube, Feiertage, das Festlegen eines Gefühls, eines Events, einer Erinnerung auf einen Tag, wurde eingeführt, damit der Mensch nicht jeden Tag versuchen muss all diesen Dingen zu entsprechen. Ist ja auch viel einfacher nur einen Tag im Jahr dafür zu investieren jemanden Danke zu sagen oder sich an etwas besonderes zu erinnern. Und genauso wie man vom Arzt eine Medizin dreimal täglich verschrieben bekommt, haben wir uns diesen Feierlichkeiten einmal jährlich verschrieben. Aber ich bin davon überzeugt, wenn wir diese Dinge wie Liebe, Freude und Dank öfters zu uns nehmen oder verbreiten würden, sagen wir, einmal täglich, würde es uns sehr viel besser gehen.

Danke fürs Lesen.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Ichmus.

Einer der größten Fehler, den unsere Welt hat, ist der Gedanke, dass wir nur weiterkommen, wenn wir egoistisch sind. Nur wenn es mir gut geht, wenn mein Leben perfekt läuft, wenn ich das größte Stück vom Kuchen bekomme und jeder gefälligst darauf achtet, das ich meinen Freiraum habe - dann ist die Welt in Ordnung. Dann kann ich erfolgreich sein. Dann erst bin ich glücklich.

Wie traurig ist das.

"Mache, dass ich danach trachte zu trösten, statt getröstet zu werden, zu verstehen, statt verstanden zu werden, zu lieben, statt geliebt zu werden. Denn wir können nur empfangen, wenn wir geben."
Franziskus von Assisi
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