Wortkarg.


Die Sprache ist ein erstaunliches Phänomen. Ich liebe die Sprache. Ich liebe Worte. Ich liebe es, wenn ich etwas mit Worten beschreiben kann. Für fast alles im Leben gibt es Worte, für manches gibt es gleich mehrere, bei anderem ist die Auswahl beschränkt. Trotzdem ist die Sprache an sich voller Ausdrucksmöglichkeiten.

Als der aktuelle Musiker Tim Benzko mit dem Lied „Wenn Worte meine Sprache wären“ bekannt wurde, hatte ich nicht viel übrig für diesen Text. Übermütig fragte ich, was dies denn für eine Formulierung sein soll und wie Worte denn nicht die Sprache eines jeden Menschen sein können. Nachsichtig wurde ich darauf hingewiesen, dass meine Sprache besonders die Worte wären, aber nicht jeder Mensch eine solche Liebe für Worte empfinde. Eines anderen Menschen Sprache kann die Musik sein, die Kunst, das Schweigen, die Tat. Ich liebe es, alles was ich denke, fühle, sehe, verstehe oder hinterfrage in Worte zu packen. Das ist meine Sprache. Davon war und bin ich überzeugt.

Inzwischen bin ich jedoch zu neuen Erkenntnissen gekommen: Nicht alles lässt sich in Worte fassen. Nicht alles kann ich in Worte fassen. Es scheint mir, als könne ich alles alltägliche, normale und manches was darüber hinaus geht und manches, was zurückbleibt, in Worte fassen. Aber für die tiefsten Tiefen und die höchsten Höhen des Lebens lassen sich kaum Worte finden. Sprachlos erfährt man diese Hoch- und Tiefpunkte, die sooft auch Wendepunkte im Leben sind. Schweigend und weinend durchlebt man die Trauer, herzerwärmend durchfährt einen die Freude, ohne dass sie einen Laut von sich gibt. Rückblickend findet man das eine oder andere Wort. Aber in den Situationen selbst bleiben oftmals nur alte Floskeln, die wie leere Hüllen wirken, die man nicht zu füllen weiß, obwohl man doch so viel empfindet.

Liegt es an der Fülle der Emotionen oder der Scheu davor, die Worte könnten nicht hundertprozentig dem entsprechen, was man eigentlich ausdrücken will oder muss, oder an beidem?

Wie auch immer, es wird immer wortkarge Zeiten im Leben geben, wenn die Farben um einen herum zu weiß oder zu schwarz sind, um andere Bezeichnungen für sie zu finden. Aber alle Zwischentöne werden beschrieben. Bis ins Detail jeder Farbabstufung. Versprochen.


Danke fürs lesen.














Kommentare

Anonym hat gesagt…
Wo ist hier eigentlich der "Gefällt mir" Button :)
Geht mir ganz genauso!

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