Der Draht ist entzwei

Es tut weh Menschen zu verlieren. Egal auf welche Weise und egal warum und egal wann. Jedes mal ist es schlimm. Es hinterlässt Wunden und Einsamkeit. Es hinterlässt unbeantwortete Fragen und Vorwürfe.
Gott sei Dank habe ich es noch nie erleben müssen, einen Menschen zu verlieren, der für immer gegangen ist. Zumindest niemand in meinem engen Bekanntenkreis. Es muss sehr schlimm sein.
Jedoch hab ich eine Menge anderer Menschen verloren – innerlich. Menschen, die mir sehr nahe standen, die meist sehr plötzlich einfach nicht mehr da waren.
Wunden.
Einsamkeit.
Fragen.
Vorwürfe.
Oft waren es Trennungen hervorgerufen durch Streit und Misstrauen und all solchen Dingen. Wo Menschen sich gegenseitig verletzt haben. Menschen mich verletzt haben und ich Menschen verletzt habe. Und man nicht wieder zueinander gefunden hat. Es ist, wie wenn man den Draht, den man zueinander hatte, durchkneift. Aprupt. Schnell. Und entzwei. Und beide sehen auf das jeweilige Ende was sie in den Händen halten und wissen nicht wohin mit sich. Sie wenden sich voneinander ab. Vielleicht vor Wut oder vor Scham. Weil ihnen die Selbstüberwindung fehlt, einzugestehen das es nicht in Ordnung war, was da grade passiert ist. Vielleicht auch, weil die Wunden zu groß sind und sie Angst vor dem ganzen Blut haben.
Ich mache es, wie viele Menschen auch: Ich verdränge das. Rolle den Draht zusammen und leg ihn in die Kiste mit der Aufschrift: „Besser zulassen sonst Schmerzen.“ und packe alles feinsäuberlich weg. Und vergessen.
Machen wir das wirklich so? Ich erwische mich so oft dabei wie ich da stehe mit den (vielen) Drahtenden und mir überlege, warum das alles so gekommen ist und ob es nicht irgeneine Möglichkeit gibt, zwei Drähte wieder zusammenzuschweißen. Doch wenn man einmal den Mut hatte diesen Draht zu zertrennen geht es das nächste Mal auch. Und vorallem: Man muss beide Enden erstmal wieder zusammenführen, sich mit den Menschen auseinandersetzen und überlegen wie man es wohl wieder heile machen könnte.
Es gibt aber auch Menschen die machen das anders. Mir fallen grad zwei Typen ein.
Typ1 ist der, der versucht alles besser zu machen. Wenn ein Draht mal getrennt worden ist, achtet er bei den anderen noch mehr darauf, dass dies nicht passiert. Ansich nicht falsch. Jedoch muss er bedenken, dass es in Freundschaften immer zu Spannungen kommen kann und der Draht auch sehr strapaziert werden kann. Das heißt jedoch nicht, dass er sofort reißt.
Typ2 ist der, der einfach keine Drähte mehr spannt. Auch er hat eine beträchtliche Sammlung an Drahtenden und den dazugehörigen Folgen. Und er hat kein Bock mehr und Angst vor dem Blut. Seine Konsequenz: Er spannt keine Drähte mehr. Nur die, die noch bestehen, an denen hält er fest, aber alles andere ist im egal.
Ich weiß selbst nicht welcher Umgang der beste ist. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich geht, zwei Drähte wieder zusammenzuschweißen.
Ich glaube, man müsste einen ganz neuen Draht spannen. Aber wer freundet sich schon ein zweitesmal richitg an, wenn der Draht einmal in zwei ist?
In diesen Tage sitz ich mit vielen verschiedenen Drahtenden da und weiß nicht was ich machen soll. Es fällt mir schwer es hinzunehmen, dass diese Verbindungen getrennt sind und es tut mir noch viel mehr weh zu sehen, dass Leute mit dem anderen Ende sich nicht darum scheren, die vielleicht sogar die Enden weggeschmissen haben.
Oder sitzen sie in einsamen Nächten auch vor diesen Drähten und ihr Herz ist betrübt?
Wer weiß das schon.
Ich wünschte, ich könnte manche Dinge rückgängig machen. Und ich wünschte, man könnte neue Drähte spannen.

Danke fürs lesen.

Kommentare

suse hat gesagt…
o ja, die Sache mit den Drähten.... Auch spannend, wenn einer einen Draht wieder verschweissen möchte und der andere gar nicht dachte, das jener welcher entzwei war.... oder das überhaupt einer bestand. Aber manche Drähte sind immer noch da und man ist miteinander verbunden, nur ist der Draht so dünn, - aber strapazierbar - daß man meinen könnte, er wäre entzwei. Ist er aber nicht. In diesem Sinne.....
Anonym hat gesagt…
sehr, sehr schönes bild...
Anonym hat gesagt…
hey
ich bin wieder in deutschelande aber noch in Oberhausen - Schweden war total gut - meld mich nochmal ausführlich wenn ich wieder zu Hause bin =)
glg
Anonym hat gesagt…
jaa, ich lese noch ;) So ganz geht mir die Zeit für dich doch nicht aus. Liebe Grüße!

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