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Herzkampf.

Wie ein aufgescheuchtes Huhn rannte ihr Herz in ihrem Brustkorb umher. Ich will das nicht. Ich will das nicht, ich will das nicht, hämmerte es immer wieder in ihrem Kopf. Ihr Herz fühlte sich an, als sei es schon verletzt. Es fühlte sich so weich an, so unendlich verletzlich. Ich will nicht, schlug es im Takt. Bitte verschone mich vor diesem Anblick. Bitte, lass es mich nicht sehen. Lass diese Bilder nicht in dich hinein. Lass uns heute Nacht nicht im Traum mit ihnen kämpfen müssen! Du weißt doch wie sie sind. Sobald sie einmal in deinem Kopf sind, brennen sie sich ein. Und wenn du sie verdrängst, kommen sie nachts wieder. Bitte lass es nicht zu! Lass uns doch einfach unbeschwert und kindlich naiv bleiben, aber lass uns diese Bilder nicht anschauen. Was würden sie sagen, wenn sie sich diesen Film nicht anschauen würde. Wenn sie die Augen verschließen würde vor dem Leid, den entsetzlichen Anblicken, der Ungerechtigkeit. Wäre sie dann nicht genauso dumm und oberflächlich wie alle ander...

Einmal jährlich.

Gestern war es mal wieder soweit. Männliche Wesen eilten mit Blumen und weibliche mit roten Wangen durch die Straßen der Welt. Wenn er seine Angebete und besonders sie ihren Prinzen an diesem besonderen Tag nicht zu Gesicht bekam, wurde Leid geklagt. Überraschungen, allgemeine Liebesbekundungen und viele rot- und rosafarbene Sonderangebote dominierten. Alle anderen, welche nicht vom Überschwung der Tagesverliebtheit berauscht waren oder enttäuscht von der Liebe und den Menschen, gingen ihrem normalen Tagesgeschäft nach oder kuschelten mit der Heizung. Es gibt vermutlich nur zwei Fraktionen. Die einen, die den Valentinstag lieben und die anderen die sagen: „Gestern war Valentinstag? Schön für den Valentinstag.“ Zur letzteren zähle ich. Noch nie war dieser Tag etwas Besonderes für mich und noch nie habe ich etwas Besonderes daraus gemacht. So könnte man mir vorwerfen, ich sei nur neidisch auf diejenigen, deren Helden ihnen an diesem Tag Rosen, Schokolade und Schmuck und andere Aufmerksa...

Ichmus.

Einer der größten Fehler, den unsere Welt hat, ist der Gedanke, dass wir nur weiterkommen, wenn wir egoistisch sind. Nur wenn es mir gut geht, wenn mein Leben perfekt läuft, wenn ich das größte Stück vom Kuchen bekomme und jeder gefälligst darauf achtet, das ich meinen Freiraum habe - dann ist die Welt in Ordnung. Dann kann ich erfolgreich sein. Dann erst bin ich glücklich. Wie traurig ist das. "Mache, dass ich danach trachte zu trösten, statt getröstet zu werden, zu verstehen, statt verstanden zu werden, zu lieben, statt geliebt zu werden. Denn wir können nur empfangen, wenn wir geben." Franziskus von Assisi

Erkenntnis.

Der Spruch ist schon so alt, man hat ihn schon so oft gehört oder gelesen, dass er (zumindest für mich) viel von dem Reiz und der Erkenntnis verloren hat, den er beim ersten Lesen noch hatte: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume. Ein Spruch für Postkarten, für die Kategorie „Lebensmotto“ oder ähnliches. Wie viel hat er mit dem Leben zu tun? Ist nicht allein der Spruch schon Traum genug? Viel zu weit von der Realität entfernt? Oder ist man nur frustriert davon, dass man diesen Satz zwar gut findet, aber ihn einfach nicht umsetzt und er deswegen seinen Reiz verliert? Es ist halt immer dasselbe Spiel. Man kommt zu einer grandiosen Erkenntnis von der man glaubt, dass sie das Leben total verändern und besser machen könnte. Das einzige, was zu tun bleibt, ist die Erkenntnis zu beherzigen, jeden Tag an sie zu denken und nicht nur zu denken, sondern auch so zu leben, wie es die Erkenntnis „vorschreibt“. Und genau daran hängts dann auch. An der Umsetzung. Weil man sie vergi...

Wertlos.

Worte sind Schall und Rauch. Nein, natürlich nicht. So was darf ich als Schreiberin nicht sagen. Wenn doch Worte meine Sprache sind. Meistens. Aber was sind Worte wert? Wenn man Glück hat und ein bisschen Talent sind sie bares Geld wert. Aber wenn eine Person ein Wort oder einen ganzen Satz ausspricht.. Wie viel ist dieser Satz dann wert oder ab wann kann er überhaupt etwas wertvolles werden? Ich habe es heute beobachtet und mir viele Gedanken darum gemacht, dass viele Menschen viele Worte machen, aber diese Worte einfach wertlos sind. Sie sind bedeutungslos. Sie sind dahin gesprochen. Und werden wirklich zu Schall und Rauch. Warum? Weil man nicht sehen kann, dass die ausgesprochenen Worte etwas mit dem zu tun haben, was die Person in ihrem persönlichen Leben lebt und wie sie handelt. Was bringt es, wenn ich zu jemanden sage: „Ich bin immer für dich da.“ und man dann wegen eines zu vollen Terminkalenders keine Zeit findet? Oder man sagt „Ich habe immer ein offenes Ohr für dich“ ...

Motoröl.

In der letzten Woche bin ich mal wieder über ein Phänomen gestolpert, dass vermutlich jeder kennt und für das vielleicht sogar jede eine Erklärung hat. Und trotzdem hat es mich so sehr schockiert oder mindestens sehr nachdenklich gemacht. Innerhalb von vier Stunden haben mich zwei Personen an einem Tag daran erinnert, dass sie mir im letzten Jahr etwas sehr liebes, aufmunterndes und zukunftsweisendes gesagt haben. Und ich hatte beide Situationen vollkommen vergessen. Es kostete mich unglaublich viel Kraft um mich an die Situationen zu erinnern und ich bekam nur noch verschwommene Bilder in meinem Gedächtnis zustande und der Wortlaut war nur noch in meinem Ohr, weil die zwei Personen ihn wiederholt hatten. Ich war ernsthaft schockiert. Ich leide eigentlich nicht einem besonders löchrigen Gedächtnis – eigentlich trifft eher das Gegenteil zu. Aber diese beiden Begegnungen waren mir wirklich entfallen. Und ich fragte mich, wie konnte das passieren? Warum vergesse ich etwas, was mir gut ge...

Große Kleinigkeiten.

Ein neues Jahr hat begonnen. Für viele Menschen ist das immer ein großes Ereignis. Man bekommt das Gefühl, etwas Neues würde anbrechen, ein neues Zeitalter und für viele Menschen vor allem eines: Eine neue Chance. Deswegen nehmen sich die Menschen auch immer so viele gutgemeinte Vorsätze – sie glauben, dass sie nur einmal im Jahr (und zwar nur dann, wenn die Zählung von vorne anfängt) die Möglichkeit haben, von vorn anzufangen und Dinge in ihrem Leben zu verändern. Manche Menschen nehmen sich vor, dass das neue Jahr größer, besser, erfolgreicher und bombastischer werden soll, mit mehr Freunden, mehr Party, mehr Glück und mehr Liebe. Das neue Jahr soll das alte auf jeden Fall übertrumpfen. Grundsätzlich kann man gegen all das nicht viel einwenden. Wer wünscht sich nicht ein gutes Jahr? Und bei vielen Menschen kann ich es verstehen, wenn sie ein besseres Jahr haben wollen, als es das vergangene war. Und ich kann auch verstehen, wenn man viele große Dinge in seinem Leben erreichen oder a...