Hindernissparkur

Letzten Sonntag war ich Schlittschuhlaufen. Ich mach das nicht so häufig und brauch immer eine Weile, bis ich mich „eingefahren“ habe. Jedoch war das Fahren gar nicht so einfach. Es war Sonntag, früher Nachmittag und die Eisfläche war voll. Voll mit großen und kleinen Menschen, die versuchten, teilweise gekonnt, teilweise ängstlich, sich auf dem Eis fortzubewegen. Es war so voll, dass man kaum ein paar Meter fahren konnte ohne jemanden ausweichen zu müssen. Und auch das Ausweichen war nicht einfach, weil einfach immer irgendwer irgendwo lang fahren wollte. Das Fahren bestand also eigentlich nur aus Umkurven von Menschen, wobei es öfter mal zu Stürzen kam. Eigentlich ist das nicht so schlimm gewesen. Aber es war nicht das, was man sich vorstellt. Die Leistung bestand nicht daraus zügig und sicher voran zu kommen und vielleicht sogar ein paar Tricks auszuprobieren, sondern nur darin, so wenig Menschen wie möglich in die Quere zu kommen.

Dabei fiel mir auf, dass es im Leben gar nicht mal so anders ist. Wir hatten vielleicht mal Vorstellungen von und Pläne für unser Leben – ein großer Zeitraum in dem wir uns sicher und frei fortbewegen können. Eine Zeit, in der wir Dinge erreichen, Spaß haben und voran kommen.

Und jetzt befinden wir uns in unserem Leben und merken, dass es damit gar nicht mehr so viel gemein hat. Da ist nicht viel Freiheit, viel Forstbewegungsmöglichkeiten und am wenigsten ist da Sicherheit. Es ist viel mehr ein Hindernissparkur. Wir wollen weiterkommen und müssen dabei ein Hindernis nach dem nächsten umkurven. Eine Krise nach der nächsten, ein Stimmungstief nach dem nächsten, ein Streit nach dem nächsten, eine Enttäuschung nach der nächsten, ein Termin nach dem nächsten. Wir versuchen sie zu umkurven und manchmal gelingt es uns, aber trotzdem sehen wir all diese Dinge um uns herum und sie hindern uns daran Anlauf zu holen, Gas zu geben, frei zu sein. Und manchmal rasseln wir auch in diese Hindernisse hinein. Das zieht uns dann runter, wir sind „am Boden zerstört“, müssen uns wieder aufrappeln und das nächste Hindernis wartet schon.

Du sagst: So ist das Leben halt?

Ich bin mir da nicht so sicher. Ich glaube, unser Wunsch nach einem Leben in dem es voran geht, das nicht nur aus Hindernissen besteht, in dem wir uns frei bewegen können, in dem wir Sicherheit bekommen für die Dinge die wir tun – der Wunsch danach kommt nicht von irgendwo her und ist nicht nur ein Traum von Optimisten und Positivdenkern.
Ich glaube, dass ist ein Wunsch, den wir alle in unserem Herzen tragen, weil wir in uns drin wissen, dass das Leben mehr zu geben hat, als froh darüber zu sein, nicht in die nächste Krise gerauscht zu sein.

Versteh mich nicht falsch! In meinem Leben gibt es auch immer wieder Hindernisse und ich schaffe es oft, in eins rein zu fahren und brauche auch immer eine Weile, um wieder auf die Beine zu kommen. Ich glaube auch nicht, dass es ein Leben auf dieser Erde gibt ganz ohne Hindernisse und Stürze. Aber ich glaube ebenso wenig, dass das Leben nur aus einem Hindernissparkur besteht und wir am Ende froh sein können, wenn wir einigermaßen durchgekommen sind.

Wir sollten die Augen offen halten nach Wegen, die uns aus diesem Urwald aus Problemen herausführen. Wir sollten den Glauben nicht aufgeben, dass es mehr gibt, als noch mal heil davon zu kommen. Wir sollten anfangen zu glauben, dass es ein Leben gibt, in dem wir frei sein können und uns entfalten dürfen. Das Leben hat mehr zu geben, als nur von einem Hindernis zum nächsten zu rutschen.

Danke fürs Lesen!

Kommentare

mary lou hat gesagt…
wenn man freien raum haben will - darf man aber auch nich mittendrin sein wollen... leider ist das halt auch die sache die wir uns nur bedingt aussuchen können...
das ist son biss so wie die frage: hoffen das es aufhört zu regnen oder doch lieber schwimmen lernen??? ^^

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