Fremde Feder.

Der Ausdruck "Sich mit fremden Federn schmücken" bedeutet eigentlich so viel wie, die Leistung anderer als seine eigenen darstellen und sich mit ihnen rühmen - eine Verhaltensweise, die ja eigentlich gar nicht so unüblich ist. Aber das soll an dieser Stelle nicht geschehen, auch wenn der nachfolgende Text nicht von mir stammt, sondern aus einer "fremden Feder" (was ein Wortspiel!). Ich fand ihn aber so gelungen und habe mich selbst derart erschreckend selbst wiedergefunden, dass ich ihn einfach auf meinem Blog übernehmen darf, mit Verweis, dass er nicht von mir stammt. Gutes weiterdenken!

Der Fluch der ewigen (Pseudo-)Erreichbarkeit

ICQ, Facebook, Studi, SVZ, MSN, Skype, Jabber, Gtalk, AIM
Das sind die IMs / Social Networks die ich benutze. Dazu kommt dann noch die Kleinigkeit von 12 E-Mail-Adressen.
Ein Handy mit Vernetzung und SMS-Flatrate noch obendrauf.

Der Effekt ist, dass ich zu jeder Zeit erreichbar bin, egal ob Tag oder Nacht, zuhause oder unterwegs. Aber das nützt dem Menschen doch nichts, wenn man nicht auch Menschen hat die einen erreichen wollen.
Du kennst das vielleicht: Du sitzt zu einem Zeitpunkt x vor irgendeinem Messenger, du siehst "Ah, Max Mustermann ist online" und denkst "Mit dem würde ich mich gerne unterhalten [so man chatten so nennen mag]", doch dann kommen Zweifel.
Ist der denn wirklich da? Im Falle von "Status: Away" ist das noch schlimmer. Warum sollte ich ihn dann anschreiben? Störe ich gar?
Dazu nun meine Meinung: Wer "on" ist hat sich dafür entschieden erreichbar zu sein. Wenn doch niemand am anderen Ende ist: Was soll's? Dann ist da halt keiner. Ich gehe doch auch nicht bei Leuten vorbei und klingle nicht, aus Angst es könnte keiner da sein. Man wird schon merken wenn jemand nicht da ist und umgekehrt: Freust du dich nicht wenn da ein Fenster aufgeht, dass dir sagt: "Max hat grade an dich gedacht und würde sich freuen sich mit dir auszutauschen"? Auch mal von der anderen Seite betrachtet: Stört es dich wenn du grade eigentlich doch nicht kannst und dich dann eben entschuldigst?
Ich weiß wirklich nicht warum wir uns einen Kopf machen.

Noch was anderes zu dem Thema:
Kontaktleichen, Leute die man seit Ewigkeiten nichtmehr gesehen oder gesprochen hat, was macht man mit denen?
Der Datenmessi in uns ist gegen das Löschen, aber wirklich anfangen kann man mit denen meist auch nix. Je nach dem wie der Kontakt zuende gegangen ist schämt man sich vielleicht auch den ersten Schritt zu machen. Man ist sich zu fein der zu sein, der den ersten Schritt macht.
Davor sollte man keine Angst haben. Schlimmstenfalls bleibt alles wie es ist.
Also sollte man seinen Mut zusammennehmen und den Leuten zeigen, dass man sie doch noch kennt und es mal eine Zeit gab in der man froh darüber war. Vielleicht auch, dass man diese Zeit wieder aufleben lassen möchte.

Zu guter letzt noch eine Sache die mir persönlich aufgefallen ist:
Ich frage es mich immer wieder: "Was denkt diese Person, wenn ich sie anschreibe?"
Ganz abgehesen von der zwischenmenschlichen Geschichte zwischen dem anderen und mir kommt es mir immer so vor, als würde ich Kontakt suchen, mich anhängen und aufdrängen. Das ist ein seltsames Gefühl.
"Würde diese Person sich überhaupt jemals von sich aus bei mir melden oder bin ich ihr nicht so wichtig? Ist sie mir vielleicht viel mehr wert als umgekehrt?"
Was soll man dagegen tun? Zu fragen "nerve ich dich?" wäre ziemlich apprupt und hart. Auch schwingt ein Vorwurf mit: "Du zeigst mir deine eventuelle Wertschätzung nicht ausreichend". Abwarten ist auch keine Lösung, denn das tut man sowieso immer, nämlich in den unendlich vielen Momenten in denen man "on" ist, aber niemand Kontakt aufnimmt.
Soll ich dann länger warten und länger bis ich eine neue Kontaktleiche habe? Wäre wohl das richtige, wenn die andere Person es soweit kommen lässt, aber vielleicht, eher sogar wahrscheinlich, sitzt am anderen Ende jemand wie ich, dem die Entschlossheit fehlt ein Gespräch zu beginnen. Es mag auch sein, dass es immer Person A ist die sich bei Person B meldet. Das freut B, aber ist nicht gut für A, denn der denkt womöglich "Immer bin ich es. Würde B sich überhaupt melden?" B dagegen meint "A meldet sich, dann muss ich das nicht machen", egal wie wichtig A dem B ist. Geht A dann ins Warten auf B's Meldung über ist B beunruhigt, da er denkt A ist beleidigt etc.
Da das bis hierher schon verwirrend ist stoppe ich dann mal. Ich denke mein Ansatz ist klar geworden und vermutlich findest du dich auch in einer dieser Situationen wieder.

Mein Rat an dich, mich und jeden überhaupt:
Mach es doch einfach. Wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein und das wird sich auch sicher zeigen und verlasse dich nicht auf deinen A sondern sei auch selber A!

Sonnigste Grüße!

Verweis: Dieser Text stammt aus der Feder von Mark.

Danke fürs Lesen!

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