Lass es raus

Wie ihr merkt, schreibe ich in diesem Monat wieder ein bisschen mehr als in dem vorangegangen. Das Schreiben und auch das Bloggen ist für mich wie ein Ventil. Fertig gedachte Gedanken, abgeschlossene Gefühle und manchmal sogar durchdachte Meinungen, die in meinem Hirn eigentlich nur Platz wegnehmen werden „aussortiert“, rausgeholt, festgehalten und veröffentlicht.

Ich weiß, dass meine Gedanken zum Schreibprozesse übermäßig metaphorisch und auch vom physischen Verlauf her sicherlich nicht haltbar sind. Ich habe vor Jahren mal eine Geschichte mit dem Titel „Gedankenkiste“ geschrieben, die das ziemlich klar darstellt. Gedanken sind für mich kleine „Wesen“ - nicht Gnome, Muklas oder Bakterien. Aber in meiner Vorstellung sind sie irgendwie klein und wuselig und haben vor allem jeder eine eigene Persönlichkeit – so wie Gedanken sehr individuell sein könne. Diese kleinen Gedanken leben in meinem Gehirn vor sich hin und ab und an werden welche laut, wollen Aufmerksamkeit und Nahrung, wollen sich mit anderen Gedanken verbünden, wollen groß und stark werden und ihren Freiraum. Wenn man es sehr platt sagen will, kommen die Gedanken in die Pubertät... Und wenn ich mich dann auf sie einlasse und mich mit ihnen befasse, dann wachsen und gedeihen sie und sind irgendwann fertig gedacht, quasi „erwachsen“, und dürfen raus in und auf die Welt des Papiers, der Word-Dokumente und in den Blog. Einige Gedanken brauchen länger, einige sind schnell groß. Manche brauchen zusätzliche Gedanken, andere sind alleine ganz zufrieden.

Und manchmal werden sie „erwachsen“ ohne das ich es mitbekomme. Zum Beispiel ist die Kurzgeschichte „Fast Perfekt“ in einer wahrhaftigen Nacht und Nebelaktion entstanden. Der Gedanke kam, als ich schlafen wollte und sollte und ließ mich nicht mehr los und ich fing an zu schreiben und innerhalb von eineinhalb Stunden war die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes aus mir „heraus geflossen“.

Warum ich das alles erzähle? Letztens sagte ich einer Freundin, die sich über Gedankenchaos beklagte folgende Worte: WRITE IT DOWN. Schreib es auf. Lass es raus. Es gibt immer Gedanken, die fertig gedacht sind aber trotzdem nochmal festgehalten werden sollten.
Ich weiß, nicht jeder schreibt so gerne, wie ich es tue. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es manchmal wirklich erleichternd ist, sich von Gedanken zu lösen in dem man sie aufschreibt. Oder meinetwegen auch nur ausspricht. Man muss ja nicht alles veröffentlichen, schon gar nicht im Internet. Tu ich auch nicht. Aber Schreiben bringt soviel Ordnung. Und gleichzeitig kann man es aufbewahren, wenn man meint, ein Gedanke sei das wert.

Ich kenne eine Menge Menschen, die eine Menge an Gedanken mit sich herumtragen, die längst zu Ende gedacht sind und die durch ihren weiteren Aufenthalt im Hirn Platz für neue Gedanken wegnehmen und immer wieder nach Aufmerksamkeit suchen, weil sie eigentlich raus wollen.

Dies soll kein Plädoyer fürs bloggen sein.
Aber Schreiben ist gesund. Finde ich. :)

Danke fürs Lesen!

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