Zwischen Heute und Übermorgen.

Heute komm ich mal wieder mit etwas gesellschaftskritischem um die Ecke. In der letzten Zeit sehe ich mich und mein Umfeld immer und immer wieder mit der selben Thematik konfrontiert: Karriere machen. Mit allen Vorteilen und Nachteilen und vor allem mit allen Nebenwirkungen.

Die meisten Menschen um mich herum befinden sich in einer ähnlichen Situation: Wir stecken in einer Ausbildungsphase oder kurz davor oder kurz danach. Wir müssen uns etwas aussuchen, was wir lernen wollen und dann alle Zeit und Kraft hinein investieren – egal ob Abitur, Ausbildung oder Studium. Das ist ziemlich normal und auch nicht falsch. Es ist wichtig zu investieren und Prioritäten auf die Ausbildung auszurichten. Wie meine Großeltern zu sagen pflegen: Dein Studium ist dein Beruf.

Ein Aspekt, den ich immer mehr sehe, bei mir selbst und anderen, ist der unglaubliche Erwartungsdruck, unter dem wir stehen. Wir erwarten von uns selbst und andere erwarten von uns und wir erwarten, dass andere von uns erwarten, dass wir gut sind. Und mehr als das. Überdurchschnittlich. Ausgezeichnet. Karriereorientiert.

Ich finde das grundsätzlich nicht falsch. Ich finde, man sollte ehrgeizig sein, sein Bestes geben, sich der Bedeutung der Ausbildung bewusst sein.

Doch die Nebenwirkungen können hart sein. Ich sehe Menschen, die Angst haben zu versagen, die trotz der Ausbildung keine Zukunftsperspektive haben, die (mit Anfang 20) das Gefühl haben schon viel zu alt zu sein und glauben, alle Züge sind längst abgefahren. Und auf der anderen Seite Menschen, die so viel arbeiten, dass sie (ebenfalls mit Anfang 20) schon völlig (lebens)müde sind und Symptome von Born-Out zeigen.

Ich finde, das ist kein Zustand für eine Generation die sich grade mal im ersten Drittel oder vielleicht sogar im ersten Viertel ihres Lebens befindet. Wenn wir jetzt schon alle Kräfte und vor allem allen Lebensmut verheizen – was wollen wir dann in vierzig oder sechzig Jahren tun?

Ich möchte hiermit keine Kritik am Schul-, Ausbildungs- oder Unisystem üben. Und ich will auch nicht sagen: Chillt mehr!

Ich möchte uns nur daran erinnern: Es gibt noch ein Morgen zwischen Heute, unserer Ausbildungszeit, und Übermorgen, der Rentenzeit. Und dieses Morgen ist kein langer Flur, in dem es keine Türen und keinen Ausweg mehr gibt. Ich glaube, es wird immer wieder neue Wege und Möglichkeiten geben. Und wir sollten aufhören zu glauben, dass wir unser Leben mit Anfang 20 schon vertan haben, nur weil wir vielleicht irgendwelche Maßstäbe nicht erreicht haben oder neue Wege gehen. Und wir sollten anfangen zu glauben, dass noch wertvolle Lebenszeit vor uns liegt, in der wir noch viele neue Dinge erleben werden.

Danke fürs Lesen!

Wo Leben überfließt, wird Zeit überflüssig.
(Benedikta Buddeberg)

Kommentare

schwalbe hat gesagt…
Das Traurigste ist, dass man sich im Nachhinein nie an tolle Leistungen oder gute Noten erinnert, sondern an diese "besonderen Momente" dazwischen (Reisen, schöne Begegnungen, spontane Verrücktheiten...). Das sind die Zeiten, die am Ende wirklich Gewicht haben. Merkt man immer erst nach stressigen Ausbildungen ;-)

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